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„Shrek der Dritte“ kriegt Drillinge

Von Andreas Kilb

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21. Juni 2007 In der heilen Welt der Animationsfilme aus Hollywood ist die „Shrek“-Serie so etwas wie der Hecht im Karpfenteich. Wo andere Trickgeschichten, selbst die überdrehten „Unglaublichen“ von 2004, immer einen Rest naiven Kinderglaubens an Märchen und Magie bewahren, setzte „Shrek“ vom Fleck weg auf Entzauberung. Der erste Film der Serie beginnt damit, dass der Titelheld, ein grüner Oger mit Knollen- nase und Trompetenohren, ein Schlammbad nimmt; später trinkt er einen Martini mit einem menschlichen Augapfel anstelle einer Olive darin.

Seinen Feldzug gegen das Böse unternimmt Shrek nur deshalb, weil er seine Ruhe wiederhaben will, die durch den Einmarsch der aus ihrem Reich exilierten Märchenfiguren in sein Schlamm-Idyll gestört wird. Zu den bleibenden Eindrücken des Films gehört die Szene, in der das Lebkuchenmännchen durch Eintunken in Milch gefoltert wird - eine Idee, wie man sie nur dem frühen, anarchistischen Walt Disney zugetraut hätte. Das Märchenwesen überlebt die subtile Schändung, aber seine Aura ist dahin. Selbst die Prinzessin verwandelt sich, von Shrek geküsst, in eine Ogerfrau. Wo „Shrek“ hinfasst, wächst Saures statt Süßes, Ironie statt Kinderkino, Parodie statt Disney-Pathos.

Eine einmalige Chance - vertan

Die dritte Aufbereitung des „Shrek“-Rezepts hat gleich mit mehreren Erblasten zu kämpfen. Zum einen ist der Trick, dem Oger die Heldenrolle, dem Schönling und seinen Helfern aber den Part der Bösen zu geben, nun wirklich keine Überraschung mehr. Zum anderen ist auch die Szenerie, in der die Geschichte spielt, spätestens seit „Shrek 2“ wohlvertraut: Es ist Hollywood, gekreuzt mit Disneyland, verhext durch den „Shrek“-Blick. Weitweitweg heißt das Land, aber natürlich kennt es jeder, der zwei oder drei amerikanische Mainstreamfilme gesehen hat und sich einen Reim auf die Verwandlung von Versace in „Versarchery“ auf dem digitalen Rodeo Drive machen kann. Gleich um die Ecke liegen hier auch jene Kleintheater, in denen ausrangierte Leinwandstars ihren letzten Kredit beim Publikum verprassen, und so hat es eine bezwingende Logik, wenn „Shrek der Dritte“ mit dem Bild des Prinzen Charming beginnt, der auf schäbigen Bühnenbrettern vor gelangweilten Gästen die Story seines Kampfes mit dem Oger nachspielt. Beim letzten Duell gegen Shrek ist Charming unterlegen. Doch seine Pixel sind noch jung. Er sinnt auf Rache.

Schon die nächste Sequenz zeigt, worin das Problem dieser „Shrek“-Folge besteht. Im Schloss, wo er mit Prinzessin Fiona eingezogen ist, muss Shrek den im Sterben liegenden Froschkönig vertreten, was zu einer Kette von Peinlichkeiten führt. Das ist schön anzusehen, aber es führt zu nichts, es bleibt eine Reihung von Gags. Als dann der alte Monarch in einer allerdings hochkomischen Szene sein Leben ausgequakt hat, steigt Shrek mit seinen Gefährten, dem Esel und dem gestiefelten Kater, auf ein Schiff, um den nächsten Erben ausfindig zu machen, der an Stelle des Ogers das Land regieren könnte. Sie erreichen den Ort Worcestershire, wo der Auserkorene, ein Jüngling namens Arthur, seine Flegeljahre als Ritter durchlebt, und hier vergibt der Film die einmalige Chance, der „Shrek“-Serie die Krone aufzusetzen.

Hier beginnt „Shrek der Dritte“ zu schwächeln

Denn natürlich hatten die Abenteuer des grünen Ogers immer auch Züge einer Besichtigungstour. Zuerst kam der Märchenwald (und Shreks Außenposten im Sumpf), dann das Reich Weitweitweg, und nun wäre wieder etwas Neues dran: die Welt des Königs Artus und seiner Ritterepen beispielsweise, in der sich auch Robin Hood, Richard Löwenherz und andere Verwandte des armen Charming bequem unterbringen ließen. Aber das „Shrek“-Team, angeführt von Regisseur Chris Miller und seinen vier Drehbuchautoren und ferngesteuert vom allmächtigen DreamWorks-Produzenten Jeffrey Katzenberg, hat sich die Reise nach Alteuropa nicht zugetraut. Fürchtete man, die bildgenerierenden Computer mit der Darstellung von Helmen und Harnischen zu überfordern? Jedenfalls macht der Film, kaum dass er Worcestershire erreicht und den Knaben Artie gefunden hat, auf dem Absatz kehrt und eilt zurück nach Weitweitweg, wo inzwischen Prinz Charming mit einer Horde rebellierender Märchen-Bösewichter die Macht übernommen hat.

Und hier beginnt „Shrek der Dritte“ zu schwächeln. Denn das Mittel der Parodie lässt sich nicht beliebig oft am gleichen Stoff anwenden. Es braucht immer neues Futter, oder es wird stumpf. Dass der Lebkuchenmann schon wieder gequält, dass Pinocchio in einen Drei-Dollar-Automaten gesteckt wird, dass die entthronte Königin Lillian sich mit Aschenputtel und Schneewittchen zu einer Art Kickboxer-Trio zusammentut und ihr Schloss mit eigener Faust zurückerobert, mag die Neuankömmlinge im „Reiche Shrek“ begeistern, für Altzuschauer wirkt es wie ein Aufguss erprobter Einfälle aus Teil eins und zwei. Und so schön es ist, die große Julie Andrews, die der Königin ihre Stimme leiht, eines ihrer Lieder aus „The Sound of Music“ summen zu hören, so wenig hilft es der Geschichte weiter, die im engen, bunten Weitweitweg auf der Stelle tritt, einlullt und ausgestopft mit Witzchen, Spielchen und digitaler Zauberei.

Um von ihren erzählerischen Schwierigkeiten abzulenken, haben sich die „Shrek“-Verantwortlichen noch eine ganz besondere Belohnung für ihr älter werdendes Publikum ausgedacht: Sie inszenieren den dritten Streich des Ogers als Generationengeschichte. Shrek wird Vater, doch er hat Angst vor der Verantwortung, also zieht er lieber noch eine Weile durch die Welt, haut sich und lässt sich verhauen, bis er am Ende doch mit Fiona und seinen Drillingen glücklich wird. War „Shrek“ nicht immer ein Kinderfilm? Nein, aber er ist es geworden, all seinen blühenden Bosheiten zum Trotz.



Text: F.A.Z., 20.06.2007, Nr. 140 / Seite 37
Bildmaterial: Universal

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