Konjunktur

Wirtschaftswachstum sinkt auf 1,3 Prozent

Im Boomjahr 2006 war die Wirtschaft noch um 3,0 Prozent gewachsen

Im Boomjahr 2006 war die Wirtschaft noch um 3,0 Prozent gewachsen

14. Januar 2009 Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich 2008 wegen der Finanzkrise fast halbiert. Das Bruttoinlandsprodukt stieg nur noch um 1,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte. 2007 hatte es noch ein Plus von 2,5 Prozent gegeben, im Boomjahr 2006 sogar von drei Prozent.

Das Wachstum ist vor allem dem starken Jahresbeginn zu verdanken; zum Jahresende beschleunigte sich hingegen die negative Entwicklung. Im vierten Quartal sank das BIP demnach um 1,5 bis 2,0 Prozent. Auch in den beiden Quartalen zuvor war die Wirtschaftsleistung
geschrumpft. Von April bis Juni sank das BIP um 0,4 Prozent, im dritten Quartal real um 0,5 Prozent.

Historischer Konjunktureinbruch erwartet

Für dieses Jahr sagen alle führenden Institute und Experten einen historischen Konjunktureinbruch voraus. Erwartet wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um etwa zwei Prozent. Das wäre die schärfste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik 1949.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts hat Deutschland 2008 abermals ein Staatsdefizit ausgewiesen. Bund und Länder gaben im vergangenen Jahr mehr Geld aus als sie einnahmen. Die Gemeinden erzielten ein Plus von 8,77 Milliarden Euro.

Maastricht-Kriterium erfüllt

Das Finanzierungsdefizit des Staates betrug rund 1,59 Milliarden Euro. Das Staatsdefizit belief sich damit im Jahr 2008 auf 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nach minus 0,2 Prozent im Vorjahr. Damit erfüllte Deutschland wie in den beiden Vorjahren das Maastricht-Kriterium von maximal 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

2009 steht Deutschland allerdings vor einer Schuldenexplosion wegen der Auswirkungen der Wirtschaftskrise und der Kosten der Konjunkturpakete. Allein der Bund steuert auf eine Rekordneuverschuldung von mehr als 40 Milliarden Euro zu. Deutschland hatte das Maastricht-Kriterium von 2002 bis 2005 überschritten. 2006 war erstmals seit fünf Jahren wieder die zulässige Obergrenze eingehalten worden. Brüssel hatte das Defizitverfahren gegen Deutschland im Juni 2007 eingestellt.

Auftragseinbruch im Maschinenbau

Unterdessen schlägt die konjunkturelle Krise auf immer mehr Wirtschaftsbereiche durch. So brach der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau im November um 30 Prozent ein. Die inflationsbereinigte Nachfrage aus dem Inland sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 32 Prozent, die Auslandsnachfrage gab um 29 Prozent nach, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Der Verband stellte zugleich seine Prognose, wonach in diesem Jahr die Maschinenbauproduktion stagniert, infrage. Bei den monatlichen Zahlen für die Auftragseingänge seien starke Schwankungen zwar nichts Ungewöhnliches. Allerdings deuteten die Novemberdaten „auf einen bisher noch nie gesehenen Rückgang der Aufträge hin“, hieß es in der Mitteilung. Ausnahmesituationen dürften aber auch nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden, ohne nach wie vor bestehende Wachstumschancen zu sehen. „Wir haben uns deshalb eine Denkpause verordnet“, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Eine neue Prognose werde am 10. Februar veröffentlicht.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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