Von Patrick Welter
19. April 2007 Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute haben an diesem Donnerstag ihr Frühjahrsgutachten vorgelegt. Damit ist nun offiziell, was schon im Vorfeld bekannt geworden war: Die fünf Institute sehen die deutsche Wirtschaft in einem gefestigten Aufschwung. Die Konjunkturforscher sagen ein Wirtschaftswachstum von real 2,4 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus.
Als Folge der guten wirtschaftlichen Entwicklung und hoher Steuereinnahmen erwarten die Ökonomen, dass Deutschland im kommenden Jahr ohne Neuverschuldung auskommen wird. Das Staatsdefizit werde von 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr auf null Prozent im kommenden Jahr sinken. Im vergangenen Jahr wuchs die deutsche Wirtschaft um 2,7 Prozent, das Staatsdefizit lag bei 1,7 Prozent des BIP.
In einer überschaubaren Zahl von Jahren
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) lehnte es am Mittwoch vor Journalisten in Berlin abermals ab, ein Zieldatum für einen Haushaltsausgleich zu nennen. Er strebe den Ausgleich in einer überschaubaren Zahl von Jahren“ an, sagte der Minister und verwies auf Risiken in seinem Etat. Nach dem am Jahresende 2006 der Europäischen Union vorgelegten Stabilitätsprogramm soll das Defizit in diesem und im kommenden Jahr 1,5 Prozent des BIP betragen und selbst im Jahr 2010 noch 0,5 Prozent erreichen.
Mit ihrer Prognose von 2,4 Prozent sind die Institute deutlich zuversichtlicher als im Herbst, als sie für dieses Jahr ein Wachstum von 1,4 Prozent vorhersagten. In einem Minderheitenvotum hält das Institut für Weltwirtschaft (IfW) die jetzige Mehrheitsprognose noch für zu niedrig. Die Kieler Forscher erwarten für dieses Jahr einen BIP-Zuwachs von 3 Prozent, weil die Konjunktur im zweiten Quartal dieses Jahres kräftiger wachsen werde als von den anderen Instituten angenommen. Für das zweite Halbjahr rechnen alle Institute mit einem langsameren Wachstum.
Weitere Belebung am Arbeitsmarkt
Der Aufschwung soll nach der Prognose den Arbeitsmarkt weiter beleben. Allerdings werde die Beschäftigung weniger schnell steigen als noch im vergangenen Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen soll im Jahresdurchschnitt mit rund 3,767 Millionen erstmals seit 2001 unter der Marke von 4 Millionen liegen. Für das kommende Jahr erwarten die Forscher weniger als 3,5 Millionen Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote, die 2006 bei 10,6 Prozent lag, soll von 8,7 Prozent in diesem auf 8 Prozent im kommenden Jahr sinken. Niedriger lag sie zuletzt im Jahr 1992.
Als größtes Risiko für den Aufschwung sehen die Institute die Lohnrunde im kommenden Jahr, die das Beschäftigungswachstum und so die erwartete Kräftigung des privaten Konsums beeinträchtigen könne. Die außenwirtschaftliche Nachfrage werde die Wirtschaft weiter stützen. Die Institute fordern die Bundesregierung auf, die degressive Abschreibung über das Jahresende 2007 hinaus zu verlängern, um so über verstärkte Investitionsanreize den Aufschwung zu stützen und das Wachstumspotential zu erhöhen.
Mehrwertsteuer hinterlässt Spuren
Trotz des Aufschwungs hinterlässt vor allem die höhere Mehrwertsteuer in diesem Jahr ihre Spuren, analysieren die Institute. Ohne die fiskalischen Zusatzlasten hätte das Wirtschaftswachstum 2007 rund 0,5 Prozentpunkte höher ausfallen können, heißt es. Die höhere Mehrwertsteuer treibe auch die Inflation an, die die Institute 2007 und 2008 mit 1,8 Prozent erwarten.
Für die Wirtschaft in der Europäischen Währungsunion prognostizieren die Fachleute Wachstumsraten von 2,5 und 2,4 Prozent. Die Inflationsrate werde bei 1,9 und 2 Prozent liegen. Dabei ist unterstellt, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins in diesem Jahr noch von 3,75 auf 4 Prozent anhebt und dann beibehält. Die Geldpolitik bremse die Konjunktur nicht.
An der Gemeinschaftsdiagnose sind das IfW in Kiel, das Deutsche Institut für Wirtschaftforschung in Berlin (DIW), das Ifo-Institut in München, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) beteiligt.
Konkurrenz um das Konjunkturgutachten
Die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute wird vom Herbst an in neuer Form erscheinen. Das Wirtschaftsministerium hat das Gutachten, das bislang von den großen deutschen Instituten erstellt wurde, für drei Jahre ausgeschrieben. Weniger und womöglich auch ausländische Institute sollen zum Zuge kommen. Am Mittwochnachmittag lief die Bewerbungsfrist für die erste Runde ab. Neben den großen Instituten DIW, Ifo, IfW, RWI und IWH haben sich weitere deutsche Institute beworben, wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) und das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) bewirbt sich zusammen mit einem deutschen Partner. Mehrere Institute wie das IMK, das Ifo-Institut oder das RWI ließen offen, ob man eventuell in Teilbereichen mit Partnern kooperieren wolle. Über ausländische Bewerber ist bislang nichts zu erfahren. Das Ministerium will bis Anfang Mai bis zu sechs Institute auffordern, ein detaillierteres Angebot vorzulegen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
Steuerleid eines ![]()
Rentner geraten ins Visier des Fiskus
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.536,09 | +1,45 |
| TecDax | 746,70 | +2,21 |
| DowJones | 11.632,38 | +0,26 |
| Nasdaq | 2.325,88 | +0,95 |
| STOXX 50 | 3.387,50 | +1,84 |
| Nikkei 225 | 13.312,93 | +0,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,80 | +2,40 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,13 |
| Bund Future | 110,11 | +0,03 |
| Gold | 922,85 | +0,12 |
| Öl | 126,52 | -4,27 |
