18. Dezember 2006 Dank einer "bemerkenswerten" Kostendisziplin haben kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland seit 1997 ihre Gewinne deutlich gesteigert. Auch bei der Eigenmittelausstattung hat der Mittelstand bei einer insgesamt schwachen Geschäftstätigkeit Boden gutgemacht. Zu diesem Schluß kommt die Deutsche Bundesbank im Monatsbericht Dezember in einer Untersuchung der von ihr gesammelten Jahresabschlüsse deutscher Unternehmen. Danach verbesserten die Jahresergebnisse vor Steuern der kleinen und mittleren Unternehmen sich in den Jahren 1997 bis 2004 nominal um 44,5 Prozent - gegenüber nur 11 Prozent bei den Großunternehmen.
Weil die Nachhaltigkeit der verbesserten Ertrags- und Finanzierungslage keineswegs gesichert sei, empfiehlt die Bundesbank eine leistungsfördernde Unternehmensbesteuerung und eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Von einer spezifischen Förderung des Mittelstands rät sie dagegen ab. Diese begünstige Verzerrungen zwischen kleinen und mittleren sowie größeren Unternehmen und belaste die öffentlichen Haushalte.
Umsatzrendite wie die großen
Allein 2003 und 2004 hätten die Gewinne vor Steuern sich im Mittelstand um 32,5 Prozent erhöht, schreibt die Bundesbank, und damit die Rückgänge in den vorherigen Jahren wettgemacht. Die kleinen und mittleren Kapitalgesellschaften verdoppelten im Untersuchungszeitraum ihr Jahresergebnis vor Steuern, während die Personengesellschaften des Mittelstands ihre Gewinne "nur" um 31,5 Prozent steigerten. Dabei umfassen die Ergebnisse für Personengesellschaften auch den Unternehmerlohn, während Kapitalgesellschaften die Managerkosten als Personalkosten verbuchen.
Parallel mit den Gewinnen verbesserte sich in den Jahren 1997 bis 2004 die Bruttoumsatzrendite der kleinen und mittleren Unternehmen von 3,5 auf 5 Prozent. Die Kapitalgesellschaften im Mittelstand erreichten 2004 mit einer Rendite von 3 Prozent erstmals das Niveau der Großunternehmen, heißt es.
Eigenmittelaustattung steigt
Die Eigenkapitalausstattung der kleinen und mittleren Unternehmen verbesserte sich zwischen 1997 und 2004 deutlich um 150 Prozent, gegenüber 53 Prozent bei den Großunternehmen. Die Bundesbank führt dies auf die gute Ertragsentwicklung, aber auch auf einen "gewissen Druck" kreditgebender Banken zurück. Gemessen an der Bilanzsumme, stieg die Eigenmittelquote im Mittelstand insgesamt von 6 auf 15 Prozent. Personengesellschaften erreichten ein Plus von 8 auf 9 Prozent. Bei den kleinen und mittleren Kapitalgesellschaften stieg die Eigenmittelquote dagegen von 13,5 auf 23,5 Prozent und liegt nur noch wenig unter dem Wert großer Kapitalgesellschaften.
Nach Schätzungen der Bundesbank dauerte die gute Entwicklung der Gewinne aller deutschen Unternehmen auch 2005 an. Die Gewinne vor Steuern seien im vorvergangenen Jahr rund 13 Prozent beschleunigt gewachsen, nach einem Zuwachs von 11,5 Prozent im Jahr 2004. Dies sei um so bemerkenswerter, weil die positiven Kalendereffekte aus dem Vorjahr 2005 nicht mehr zum Tragen gekommen seien, vermerkt die Bundesbank. Die Bruttoumsatzrendite im Jahr 2005 habe mit 4 Prozent den höchsten Stand seit 1997 erreicht. Eine Aufteilung der Vorabergebnisse für 2005 nach kleinen und mittleren gegenüber großen Unternehmen ist noch nicht möglich.
Bundesbank warnt vor Förderprogrammen
Die Bundesbank begründet die gute Gewinn- und Renditeentwicklung der mittelständischen Unternehmen überwiegend mit Kosteneinsparungen, etwa durch die moderate Lohnpolitik oder den Arbeitsplatzabbau. Auf bessere Zahlen wirkte nach der Analyse indes auch hin, daß gerade im Baugewerbe viele unrentable Unternehmen insolvent wurden und aus der Statistik herausfielen. Die Untersuchung beruht auf Jahresabschlüssen von Unternehmen im Produzierenden Gewerbe, Handel, Verkehr und im Bereich unternehmensnaher Dienstleistungen. Dabei zeigt sich zwischen den Branchen zum Teil eine deutlich unterschiedliche Entwicklung.
Text: pwe. / F.A.Z., 19.12.2006, Nr. 295 / Seite 12
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