31. Mai 2007 Die langjährige Konjunkturlokomotive Vereinigte Staaten verliert zunehmend an Schwung: Im ersten Quartal wuchs die größte Volkswirtschaft der Welt nur noch um 0,6 Prozent. Die am Donnerstag von der Regierung in Washington vorgelegte Zahl war nicht einmal halb so groß wie die ursprüngliche Schätzung von 1,3 Prozent. Es ist damit das schwächste Wachstum seit Ende 2002, als die amerikanische Volkswirtschaft gerade aus der Rezession kam.
Der Rückgang fiel stärker aus als von Experten erwartet. Im vierten Quartal 2006 war das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigte Staaten noch um 2,5 Prozent gewachsen.
Viele Ökonomen sind allerdings der Ansicht, dass die ersten drei Monate dieses Jahres den Tiefpunkt der Entwicklung darstellen. Sie gehen davon aus, dass die Konjunktur im Jahresverlauf wieder anziehen wird und sagen für das zweite Quartal ein Wachstum von 2,3 Prozent voraus. Weder die amerikanische Regierung noch Notenbankchef Ben Bernanke gehen bislang davon aus, dass die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession abgleitet.
Einbruch am Immobilienmarkt
Hauptschuldige an der Konjunkturflaute sind der Einbruch am Immobilienmarkt, das gigantische Außenhandelsdefizit der Vereinigte Staaten und die zurückgegangene Investitionsneigung der Unternehmen. Im ersten Quartal fiel das Außenhandelsdefizit größer aus als gedacht, was einen ganzen Prozentpunkt Wachstum kostete.
Verschärft wird die Situation durch die seit Monaten schwelende Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Einige Hypothekenbanken hatten in der Vergangenheit viel Geld an finanzschwache Verbraucher verliehen und sitzen nun angesichts steigender Zinsen auf faulen Krediten. Experten befürchten, dass die Krise auf dem Immobilienmarkt dazu führen könnte, dass die Amerikaner ihre Konsumausgaben, die jahrelang die wichtigste Konjunkturstütze waren, zurückschrauben, was wiederum negative Auswirkungen auf die Investitionen von Unternehmen und zuletzt auch auf die Handelspartner der Vereinigte Staaten hätte.
Stabiler Arbeitsmarkt
Doch noch wird die Konjunktur vom privaten Konsum gestützt. Die Verbrauchsausgaben stiegen im ersten Quartal um 4,4 Prozent. Einige Volkswirtschaftler warnen aber, dass die hohen Spritpreise der Anschaffungsneigung der Verbraucher einen gehörigen Dämpfer versetzen könnten. Ein Grund für die Gelassenheit der Verbraucher - trotz der Krise auf dem Immobilienmarkt - ist der relativ stabile Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote lag im April bei 4,5 Prozent.
Text: AP
Bildmaterial: Quelle: Bloomberg
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