Hohe Ölpreise - schlechte Erwartungen

Ifo-Index auf Tiefststand seit Ende 2005

23. Juni 2008 Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni überraschend deutlich abgekühlt. Der Geschäftsklimaindex sei von 103,5 Punkten im Vormonat auf 101,3 Punkte gesunken, teilte das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Montag in München mit. Die Unternehmen beurteilten ihre derzeitige Situation schlechter und schätzten auch ihre Zukunftserwartungen eindeutig skeptischer ein.

Der Index notierte auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2005. Fachleute hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang des Konjunkturbarometers auf 102,5 Punkte gerechnet. „Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offensichtlich zunehmend die deutsche Wirtschaft“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Sinn: Arbeitsplatzaufbau in der Industrie dürfte an Kraft verlieren

Die Aussichten sind trübe; eine Rezession wird dennoch nicht erwartet

Die Aussichten sind trübe; eine Rezession wird dennoch nicht erwartet

Für den Ifo-Index werden monatlich rund 7000 Unternehmen verschiedener Branchen nach ihrer derzeitigen Situation und ihren Zukunftsperspektiven für die kommenden sechs Monate befragt. Der Index für die derzeitige Geschäftslage gab demnach im Juni von 110,1 Punkten auf 108,3 Punkte nach, der Erwartungsindex verschlechterte sich von 97,2 auf 94,7 Punkte.

Vor allem in der Industrie kühlte sich das Klima deutlich ab. Der Arbeitsplatzaufbau in der Branche dürfte vor diesem Hintergrund an Kraft verlieren, erklärte Sinn. Vom Auslandsgeschäft erwarteten sich die Industrie-Unternehmen in den kommenden Monaten geringere Impulse. Trotz des starken Euro befürchteten sie aber keinen Einbruch des Exports, sagte Sinn.

„Es sieht noch nicht nach Rezession aus“

Auch im Groß- und Einzelhandel ist die Stimmung gedämpft. Die starke Teuerung belaste die Kaufkraft der Verbraucher. Die Konsumenten ächzten ebenso wie die Unternehmen unter den massiven Ölpreis-Steigerungen, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. Der Ölpreis drücke die Margen der Firmen und fresse die Lohnerhöhungen an den Tankstellen wieder auf. „Das ist eine starke Belastung, aber es sieht noch nicht nach einer Rezession aus.“

Auch Analysten rechnen nicht mit einer Rezession, also mindestens zwei Quartale in Folge mit einem schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt. Zwar sei fast sicher, dass die Wirtschaftsleistung im Frühjahr sinken werde, sagte Commerzbank-Ökonom Matthias Rubisch: „Eine Rezession erwarten wir aber weiterhin nicht. Die deutschen Unternehmen haben hohe Gewinnmargen und sind nach wie vor wettbewerbsfähig.

Der unerwartet schwache Ifo-Index setzte den Euro und den deutschen Aktienmarkt unter Druck. Der Euro notierte zuletzt bei 1,5512 Dollar, nachdem er kurz zuvor noch bei 1,5560 Dollar gelegen hatte. Der Dax gab seine Gewinne von rund 0,3 Prozent zeitweise fast vollständig ab.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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