15. August 2008 Die Arbeitslosenzahl in Deutschland wird trotz der Konjunkturabkühlung Experten zufolge weiter sinken. Zwar lässt die Dynamik auch am Arbeitsmarkt nach, wir rechnen aber trotzdem für 2009 noch mit leicht besseren Zahlen als in diesem Jahr, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, der Financial Times Deutschland. Laut Ifo-Chef Hans-Werner Sinn hat sich der Arbeitsmarkt vom Wirtschaftswachstum abgekoppelt. Noch immer würden mehr offene Stellen gemeldet als im Höhepunkt des vergangenen Konjunkturzyklus.
Weise zufolge ist eine Senkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung von derzeit 3,3 auf 3,0 Prozent rechnerisch möglich. Allerdings wäre das vor dem Hintergrund der Warnsignale aus der Wirtschaft mit Risiken verbunden. Auf dem Arbeitsmarkt sei eine echte Trendwende, eine Abkehr von einer Entwicklung, die seit 35 Jahren immer mehr Arbeitslosigkeit brachte erkennbar, schrieb Ifo-Chef Sinn in einem am Freitag vorab veröffentlichten Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche. Bei all den düsteren Aussichten ist der Arbeitsmarkt immer noch ein Lichtblick.
Beschäftigung in der Industrie steigt nch immer
Trotz der Konjunkturabkühlung hat die Industrie auch im Juni neue Jobs geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten in den größeren Betrieben stieg auf knapp 5,4 Millionen. Das sind 138.000 oder 2,7 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet im Jahresschnitt mit rund 100.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen.
Den stärksten Stellenzuwachs gab es im Maschinenbau mit 5,9 Prozent, gefolgt von den Metallproduzenten mit 4,7 Prozent. Fahrzeughersteller und deren Zulieferer beschäftigten 3,1 Prozent mehr Mitarbeiter. Lediglich die Chemiebranche meldete einen Rückgang von 0,1 Prozent.
Zwei Drittel der 18- bis 64-Jährigen leben von ihrer eigenen Arbeit
Zudem gab das Statistische Bundesamt Ergebnisse aus dem Mikrozensus bekannt. Danach ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die Zahl derjenigen, die überwiegend von ihrer eigenen Arbeit leben, nahm binnen Jahresfrist um rund eine halbe Million zu - von 33,8 Millionen auf 34,3 Millionen oder von 41 auf 42 Prozent. Bei den Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren bestritten rund zwei Drittel (65 Prozent) ihren Lebensunterhalt hauptsächlich aus eigener Arbeit.
Unterschiedlich hoch sind die Anteile bei Männern und Frauen: 74 Prozent der Männer zwischen 18 und 64 Jahren lebten überwiegend von Erwerbstätigkeit; bei den Frauen der gleichen Altersgruppe waren es nur 57 Prozent. 5,5 Millionen aller 18- bis 64-Jährigen (11 Prozent dieser Altersgruppe) lebten hauptsächlich von öffentlichen Leistungen (ohne Renten und Pensionen). 8 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe nannten als Haupteinkommensquelle den Unterhalt durch Angehörige.
Zahl der Transferempfänger gesunken
Die Gruppe der 65-Jährigen oder älter lebte 2007 fast ausschließlich von Renten- und Pensionszahlungen. Bei den Männern dieser Altersgruppe waren es 96 Prozent, bei den Frauen 84 Prozent. Etwa jede achte Frau (13 Prozent) in diesem Alter bezog ihren Lebensunterhalt vorwiegend durch Angehörige.
6,0 Millionen (7 Prozent) der insgesamt 82,3 Millionen Menschen in Deutschland lebten 2007 hauptsächlich von öffentlichen Leistungen (ohne Renten und Pensionen). Dies waren 320.000 weniger als im Vorjahr. Ebenfalls rückläufig ist die Zahl der Menschen, die ihren Lebensunterhalt durch Angehörige beziehen. Sie sank zwischen 2006 und 2007 von 23,4 Millionen auf 23,0 Millionen. Weitere 18,5 Millionen lebten 2007 überwiegend von Renten- und Pensionszahlungen (22 Prozent), etwa 130.000 Personen mehr als im Jahr 2006.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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