Internationaler Währungsfonds

Mehr Einfluss, mehr Pflichten

Von Claus Tigges

Der IFW steht unter einem erheblichen Reformdruck

Der IFW steht unter einem erheblichen Reformdruck

19. Oktober 2007 An diesem Wochenende wird auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) über die Zukunft dieser Institution beraten. Der IWF, der vor mehr als sechzig Jahren zusammen mit der Weltbank geschaffen wurde, um den Wiederaufbau nach dem Krieg und ein gedeihliches Wirtschaftswachstum zu fördern, steht unter erheblichem Reformdruck. Der Fonds muss an die Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert angepasst, seine Rolle und seine Aufgaben müssen neu zugeschnitten werden.

Seinen ursprünglichen Auftrag, Mitgliedsländern im Rahmen eines Systems fester Wechselkurse über Zahlungsbilanzschwierigkeiten hinwegzuhelfen, hat der Währungsfonds schon Anfang der siebziger Jahre verloren, als das Festkurssystem von Bretton Woods zusammenbrach. Gleichwohl setzte der IWF seine Arbeit fort und eilte Ländern aus dem Kreis seiner 185 Anteilseigner mit Notfallkrediten in Milliardenhöhe zu Hilfe, wenn diese in finanzielle Schieflage gerieten und ihre Verbindlichkeiten gegenüber internationalen Gläubigern nicht mehr erfüllen konnten.

Fehler in der Vergangenheit

Dominique Strauss-Kahn wird künftig den IFW führen

Dominique Strauss-Kahn wird künftig den IFW führen

Die Kundenliste ist lang, sie reicht von Argentinien und Brasilien über die Türkei bis Südkorea und Indonesien. Der Fonds ist für diese Kreditvergabe zu Recht kritisiert worden. Das Problem dabei war nicht so sehr, dass die Auszahlung des Geldes an Wirtschaftsreformen geknüpft wurde, die manche Empfängerländer als zu hart empfanden. Vielmehr verleiten Milliardenpakete und die Gewissheit, im Ernstfall auf die Hilfe des IWF zählen zu können, Regierungen zu einer nachlässigen Wirtschaftspolitik und internationale Investoren zum Ausblenden von Risiken.

Die Fehler der Vergangenheit sind nur einer der Gründe, weshalb eine Neuordnung des Währungsfonds immer nachdrücklicher gefordert wird. Wichtiger ist, dass sich die Gewichte in der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren deutlich verschoben haben. Die Industrienationen sind längst nicht mehr so dominant wie früher, Schwellenländer wie China und Indien steuern inzwischen ein gerüttelt Maß zur Weltkonjunktur bei. Es ist nur angemessen, diesen Ländern mehr Einfluss im Währungsfonds zuzugestehen. Bedauerlicherweise tun sich Europa und die Vereinigten Staaten schwer damit, ein Stück ihrer Macht abzugeben. Die aufstrebenden Länder freilich müssen wissen, dass mit einer Erweiterung ihres Einflusses auch größere Pflichten im Fonds verbunden wären. Das gilt besonders für den Fall einer möglichen Finanzkrise, wenn Geld für ein Hilfspaket beigesteuert werden soll.

Neue Einnahmequellen für den Fonds

Glücklicherweise liegt die letzte dieser Krisen - in Argentinien - schon einige Jahre zurück. Doch was gut ist für die Weltwirtschaft, bringt den IWF in Bedrängnis. Sein wichtigstes Geschäft, die Vergabe von Krediten, hat sich weitgehend erledigt. Die meisten der einstigen Schuldner haben ihre Verbindlichkeiten getilgt, einzig die Türkei steht beim Fonds noch mit einem nennenswerten Milliardenbetrag in der Kreide. Damit fehlen dem Fonds wichtige Einkünfte aus Zinszahlungen. Um die Institution auf ein gesundes finanzielles Fundament zu stellen, reicht die Erschließung neuer Einnahmequellen - beispielsweise der Verkauf eines Teils der Goldreserven - nicht aus. An einer Kürzung der Ausgaben, einschließlich einer Verringerung der Zahl seiner derzeit rund 2700 Mitarbeiter, führt deshalb kein Weg vorbei.

Die Meinungen darüber, wie der IWF aufzustellen sei, gehen weit auseinander. Das wird sich auch auf der bevorstehenden Jahrestagung zeigen. IWF-Direktor Rato, der sein Amt in wenigen Tagen an den früheren französischen Finanzminister Strauss-Kahn übergibt, hat den Reformprozess bereits in Gang gesetzt. Bedauerlicherweise finden sich in Ratos Konzept zu viele Vorschläge, die darauf zielen, der Fonds möge für die gesamte Schar seiner Mitglieder „relevant“ bleiben. Die Bedürfnisse der Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer aber sind so unterschiedlich, dass sich der Fonds zu verzetteln droht in dem Bemühen, es allen recht zu machen. Die Zukunft des IWF liegt nicht in neuen Kreditlinien für Schwellenländer oder einem fortgesetzten oder gar noch größeren Engagement in der Entwicklungshilfe. Das sollte die Sache der Weltbank sein.

Besseres Verständnis für globale Finanzmärkte

Bundespräsident Köhler, der selbst den IWF fast vier Jahre führte, hat in seiner „Berliner Rede“ kürzlich eine Perspektive für den Fonds skizziert, die zumindest in Teilen sinnvoll ist. Köhler sieht zwar keinen Anlass für einen Rückzug aus der Entwicklungshilfe. Doch der Wunsch des Bundespräsidenten, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie das Geschehen an den globalen Finanzmärkten auf die Weltwirtschaft wirkt, ist berechtigt. Die jüngsten Turbulenzen im Zusammenhang mit der Hypothekenkrise in Amerika haben das deutlich gemacht. Der Währungsfonds verfügt über die notwendige Expertise, gefährliche Entwicklungen an den Märkten frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich krisenhaft zuspitzen. Auf diese Weise könnte der IWF einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des internationalen Finanzsystems leisten, zum Wohl und Nutzen der Weltwirtschaft insgesamt.

Text: F.A.Z., 19.10.2007, Nr. 243 / Seite 1
Bildmaterial: AFP, dpa

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