Arzneimittelskandal

Chef der Lebensmittelaufsicht in China hingerichtet

Hingerichtet: Zheng Xiaoyu

Hingerichtet: Zheng Xiaoyu

10. Juli 2007 Der frühere Chef der chinesischen Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht ist am Dienstag wegen Korruption hingerichtet worden. Nach den Skandalen um gefährliche Medikamente, denen mehrere Menschen zum Opfer gefallen sind, war der 63 Jahre alte Zheng Xiaoyu Ende Mai wegen Bestechlichkeit und Vernachlässigung seiner Pflichten zum Tode verurteilt worden. Die hohe Strafe solle Chinas Verbrauchern zeigen, dass die Regierung hart durchgreife, um die Sicherheit von Arznei- und Nahrungsmitteln zu gewährleisten, hieß es in den amtlichen Medien.

Ein Volksgericht in Peking hatte Zheng Xiaoyu für schuldig befunden, gegen Geschenke und Bestechungsgelder durch Pharmaunternehmen in Höhe von 6,49 Millionen Yuan, umgerechnet 650.000 Euro, nur unzureichend untersuchte Medikamente zugelassen zu haben. Die Hinrichtung erfolgte, kurz nachdem das Höchste Gericht in Peking die Todesstrafe als „angemessen“ bestätigt hatte, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Zheng Xiaoyu führte die Behörde von 1997 bis 2005.

Reihe von Skandalen mit gefährlichen Stoffen

Pharmahandel in China

Pharmahandel in China

Der Korruptionsfall gehört zu einer Reihe von Skandalen über gefährliche Stoffe in Nahrungsmitteln, Medikamenten, Tierfutter oder anderen Produkten, die auch weltweit Sorgen über die Sicherheit von Exporten aus China ausgelöst hat. Die Qualitätsaufsicht setzte am Dienstag 14 Unternehmen auf die schwarze Liste und entzog ihnen die Ausfuhrerlaubnis. Zu den beanstandeten Produkten gehörten eingelegte Meeresfrüchte oder Obst. Die Nahrungsmittel sollten nach Japan, Kanada, den Vereinigten Staaten und auch Europa ausgeführt werden. Einige enthielten unzulässige Mengen Schwefeldioxid oder Bakterien.

Amerikanische Behörden machen Tierfutter mit schädlichen Zusatzstoffen aus China für den Tod von Hunden und Katzen verantwortlich. Die Vereinigten Staaten schränkten auch die Einfuhr von Meeresfrüchten aus China wegen des Verdachts unzulässiger Schadstoffe ein. In Panama wird Medizin, die industrielles Diethylenglykol aus China enthielt, für den Tod von Dutzenden Menschen verantwortlich gemacht. Diese Chemikalie wurde zudem in Zahnpasta gefunden – erstmals auch in Europa. In Spanien wurden 100 000 Tuben vom Markt genommen. Die billige Zahnpasta steckte auch in Geschenk-Waschbeuteln für Krankenhaus-Patienten.

Schwache Nahrungsmittelaufsicht

In Peking sagte die Sprecherin von Chinas Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht, Yan Jiangying: „Als Entwicklungsland hat China spät mit der Aufsicht über Nahrung und Medizin angefangen, so dass diese auf schwachen Füßen steht.“ Die Situation sei „unbefriedigend“ und gebe keinen Anlass zum Optimismus. Dass mit Chinas Nahrungsmitteln vieles im Argen liegt, räumen die meisten Chinesen inzwischen ein. Allerdings unterscheiden die Behörden genau zwischen den Waren für das eigene Land und denjenigen für den Export: So genüge rund ein Fünftel aller Güter für den chinesischen Markt nicht den selbstgesetzten Standards, gab die Regierung jüngst zu. 99 Prozent der ausgeführten Güter aber entsprächen diesen Qualitätsstandards, erklärte sie zeitgleich.

Ende Juni verkündeten die Behörden, seit Dezember 180 nicht genehmigte Nahrungsmittelhersteller geschlossen und Lebensmittel im Wert von 200 Millionen Yuan (19,3 Millionen Euro) konfisziert zu haben. Darunter waren Liköre, Mehl, Zucker, Backwaren, Reis, Bratöl, Milchprodukte und Sojasauce. Blätter, in denen traditionell Mehlklößchen eingewickelt werden, waren etwa mit krebserregender Kupferfarbe auf frisches Grün geschminkt worden.

Amerika kritisiert die Sicherheits- und Qualitätsstandards in China

Das Thema besitzt auch wirtschaftspolitische Sprengkraft. Seit Jahren werfen die Amerikaner China vor, seinen Handelsbilanzüberschuss, der gerade einen neuen Rekord erreicht hat, durch unfairen Handel zu erzielen. Bezog sich bisher die Kritik vor allem auf die unterbewertete Währung, geht es nun auch um mangelnde Sicherheits- und Qualitätsstandards.

Dabei lehnen weite Teile der chinesischen Öffentlichkeit die Kritik aus dem Ausland als „Propaganda in einem Handelskrieg“ ab: „Es gibt viele Wege, eine Handelsbilanz auszugleichen. Wir möchten nicht erleben, dass dies den amerikanischen Medien dadurch gelingt, dass sie chinesische Nahrungsmittel in Verruf bringen“, tönte der Kommentator der Zeitung „Oriental Morning Post“ jüngst. Peking kämpft bislang einen relativ verzweifelten Kampf. Denn die Skandale – sei es um Wasser, Sklavenarbeit oder Nahrungsmittel – häufen sich ausgerechnet ein Jahr vor den Olympischen Spielen, die ein neues China zeigen sollen.

Text: che./dpa./F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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