27. März 2006 Eigentlich schien die Sache klar, als Anfang der neunziger Jahre die künftige Europäische Währungsunion festgezurrt wurde. Die Deutschen geben zwar ihre heißgeliebte Mark auf. Aber die Europäische Zentralbank wird nach dem Vorbild der Bundesbank errichtet. Und ohnehin galt, daß die größte Volkswirtschaft den Euro-Raum und die Geldpolitik immer dominieren wird - rein wirtschaftlich natürlich. Da konnte doch nichts passieren. Oder doch?
Die deutsche Größe jedenfalls ist nicht mehr das, was sie mal war. Seit Jahren geht es bergab, anteilsmäßig. Im vergangenen Jahr trug Deutschland nur noch 28,2 Prozent zur Wirtschaftskraft des Euro-Raums bei. Im fiktiven Euro-Raum von 1995, als es den Euro noch gar nicht gab, waren es noch 34,9 Prozent. Zwar ist das nur träge wachsende Deutschland noch immer die größte Volkswirtschaft in der Währungsunion. Aber der Gewichtsverlust nimmt langsam ein bedrohliches Ausmaß an. Seit 1995 schrumpfte das wirtschaftliche Gewicht Deutschlands im Euro-Raum etwa um die Größe der Niederlande. Und die sind immerhin der fünftgrößte Staat in der Währungsunion. Da darf man sich schon Sorgen um den Spitzenplatz machen.
Andere Länder zeigen, wie es besser geht. Frankreich und Italien, Platz zwei und drei in der Größenrangliste, haben ihren Anteil an der gesamten Wirtschaftskraft seit 1995 unter leichten Schwankungen gehalten. Spanien, der viertgrößte Euro-Staat, erhöhte seinen Anteil um deutliche 3 Prozentpunkte. Griechenland legte ein Plus von 0,7 Prozentpunkten hin, was ausreichte, um schon vor einigen Jahren Finnland zu überholen. Ein wenig hilft den aufholenden Ländern, daß ihre Inflationsrate höher ist als in Deutschland. Doch gründet der Erfolg letztlich in echter Wachstumskraft. Die beste Entwicklung nimmt Irland. Der Wachstumsstar im Euro-Raum hat es 2005 mal wieder geschafft und zog an Finnland vorbei. Schon vor zwei Jahren hatte Irland Portugal überholt und ist jetzt nur noch das viertkleinste Land im Euro-Raum.
Von solchen Erfolgen kann Deutschland als Spitzenreiter notgedrungen nur träumen. Aber wie lange noch ist es Spitzenreiter? Schreibt man die Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts fort, hätte Frankreich Deutschland in 18 Jahren in der Rangliste verdrängt. Verdrängt ist dabei das falsche Wort. Deutschland würde nicht vom Thron gestoßen. Mit seinen mickrigen Wachstumsraten, mit der Angst vor Zuwanderern und vor Kleinkindern rutschte es allmählich selbst aus dem Sessel heraus. Über den Titel der größten Volkswirtschaft im Euro-Raum könnten sich im Jahr 2024 indes auch die Franzosen nicht freuen: Sie müßten sich den Spitzenplatz mit Spanien teilen. Und Irland läge schon auf Rang fünf. Aber wer weiß, welche Länder bis dahin noch alle dem Währungsraum beitreten werden. Oder ob es den Euro dann überhaupt noch gibt. Und hatte die Bundesregierung nicht ein Wachstumsprogramm aufgelegt?
Text: pwe., F.A.Z., 27.03.2006, Nr. 73 / Seite 13
Bildmaterial: F.A.Z.
Opel zahlt staatlichen Kredit zurück - Neuer Europa-![]()
Stromausfall stürzt Brasilien ins Chaos
Ehemaliger Fondsmanager nicht schuldig
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.702,51 | +1,59% |
| TecDAX | 759,71 | +0,92% |
| MDAX | 7.314,56 | +1,78% |
| SDAX | 3.490,66 | +0,17% |
| REX | 373,64 | +0,18% |
| Eurostoxx 50 | 2.898,52 | +1,47% |
| Dow Jones | 10.247,00 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.773,17 | +0,27% |
| S&P500 | 1.093,01 | −0,01% |
| Nikkei225 | 9.871,68 | +0,01% |
| EUR/USD | 1,5033 | +0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 77,78 $ | +0,36% |
| Gold | 1.101,50 $ | −0,63% |
| Bund Future | 121,35 € | −0,12% |