20. Oktober 2007 Die Weltwirtschaft wird nach Auffassung der G-7 durch die jüngsten Finanzmarktturbulenzen nur einen leichten Dämpfer erhalten. Die Weltwirtschaft befindet sich im fünften Jahr eines robusten Wachstums, heißt es in der Abschlusserklärung des Washingtoner Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrieländer (G-7). Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück räumte aber ein: Es gibt eine gewisse Korrektur, es gibt Risiken.
Eines davon sei der Ölpreis, der mit inzwischen rund 90 Dollar je Barrel alle Erwartungen übertreffe. Die Probleme des starken Euros gegenüber Dollar und Yen sprachen die G-7 nicht direkt an, forderten aber von China eine schnellere Aufwertung des Yuan.
Finanzkrise nicht dramatisieren
Mit einer Wachstumsrate von 4,8 Prozent im nächsten Jahr wird die Weltwirtschaft nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) immer noch außergewöhnlich stark zulegen. Steinbrück wie seine Ministerkollegen warnten davor, die Folgen der Finanzkrise zu dramatisieren. Für eine Entwarnung sei es gleichwohl zu früh. Der amerikanische Finanzminister Henry Paulson äußerte, die Weltwirtschaft sollte mit diesen Problemen zurecht kommen. Wachsamkeit bleibe aber angesagt. Steinbrück forderte eine eingehende Analyse der Ursachen der Krise, deren Bewältigung noch bis ins Jahr 2008 hinein dauern werde. In Hinblick auf Konsequenzen warnte er vor Schnellschüssen. Vorschläge zu diesem Themenfeld soll eine von Mario Draghi geführte Arbeitsgruppe bis Frühjahr nächsten Jahres ausarbeiten.
Die Wechselkursproblematik wurde nach Steinbrücks Worten vornehmlich am Rande des G-7-Treffens diskutiert. In Europa hatte die Rekordjagd des Euro gegenüber den meisten anderen Währungen, wie den Dollar und den Yen, zuletzt besorgte Stimmen laut werden lassen. In den Diskussionen bekannte sich nach den Worten von Steinbrück der amerikanische Finanzminister Henry Paulson zu einem starken Dollar. Die japanischen Vertreter vertraten die Auffassung, die verbesserte Wirtschaftsentwicklung in Japan sollte sich auch in einem stärkeren Yen niederschlagen. Und zum starken Euro merkte Steinbrück an, den bewerte er bezogen auf Deutschland nicht als dramatisch.
Sprache gegenüber China verschärft
Allerdings verschärfte die G-7 ihre Sprache gegenüber China. Von dem Land fordert die Gruppe seit langem mehr Flexibilität beim Wechselkurs des Yuan. Nunmehr drängte sie im Kommunique China zu einer schnelleren Aufwertung seiner Währung. Dagegen sagte Chinas Vize-Notenbankchef Wu Xiaoling, eine Aufwertung der Währung alleine würde Chinas wachsende Überschüsse im Außenhandel nicht wegwischen. Ein solcher Schritt isoliert würde der Volksrepublik und der Weltwirtschaft schaden.
Ein weiteres Risiko für die Weltwirtschaft stellt nach Einschätzung gerade der europäischen G-7-Notenbankchefs die Inflationsentwicklung in vielen Teilen der Welt dar. Die Geldpolitik muss wachsam sein hinsichtlich des Erhalts der Preisstabilität, hieß es im G-7-Kommunique. Eine ähnliche Formulierung gebrauchte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Bundesbank-Chef Axel Weber erklärte, die EZB werde anhaltende Inflationsentwicklungen nicht tolerieren.
Risiken von Staatsfonds
Ein wichtiges Beratungsthema der G-7 war die Rolle und die Risiken von Staatsfonds. Angesichts eines geschätzten Volumens von zwölf Billionen Dollar in 2015 sei ein Diskussionspunkt, ob hiervon neue Gefahren für die Finanzmärkte ausgehen könnten, sagte Steinbrück. Eine Frage sei auch die Möglichkeit von außerwirtschaftlichen, etwa politischen Motiven für die Investitionstätigkeit der Fonds. Es könnte um Verabredungen zwischen den Heimatländern der Fonds und den Empfängerländern ihrer Investitionen über gemeinsame Standards und Leitlinien sowie Transparenz und Berechenbarkeit gehen.
Zufrieden äußerte sich Steinbrück zu Fortschritten mit der Transparenzinitiative der deutschen G-7-Präsidentschaft bei den hochspekulativen Hedge-Fonds. Inzwischen laufe die Entwicklung wohl auf den von Deutschland verfochtenen freiwilligen Verhaltenskodex zu.
Zur G-7 gehören Deutschland, die Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich, Kanada, Großbritannien und Italien. Die Minister und Notenbankchefs treffen sich traditionell vor der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank.
Text: Reuters
Bildmaterial: dpa
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