05. August 2008 Noch vor drei, vier Monaten waren viele Volkswirte entzückt, wie bärenstark sich die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal entwickelt hatte. Ob Deutschland ein ökonomischer Supermangeworden sei, fragten Analysten wegen der 1,5 Prozent Wachstum im Winter.
Dabei spielten aber auch mehrere Sonderfaktoren eine Rolle: Die milden Temperaturen halfen dem Bau, steuerliche Änderungen zum Jahresende hatten einen Schub für Investitionsgüter gebracht, und zudem erhöhten die Unternehmen allgemein ihre Lagervorräte. Inzwischen fürchten die Konjunkturbeobachter einen scharfen Abschwung: Bereits seit sechs Monaten sinken die Auftragseingänge für die Industrie.
Anstieg der Arbeitslosigkeit droht
Ein schlechtes Omen ist auch der starke Einbruch des Ifo-Geschäftsklimaindex. Wegen des starken Jahresauftakts liegen die meisten Wachstumsprognosen für 2008 zwar noch um die 2 Prozent. Der Bankenverband hofft sogar weiterhin auf 2,3 bis 2,5 Prozent. Diese Prognose erscheint aber angesichts der vielen Belastungen durch den Ölpreis und den wirtschaftlichen Abschwung in wichtigen Exportländern sehr hoch gesteckt. Die Zahl der Arbeitslosen ist zwar saisonbereinigt zuletzt noch leicht gesunken; zusammen mit höheren Lohnsteigerungen sollte dies den Konsum beleben, der seit anderthalb Jahren praktisch stagniert.
Aber die Konsumenten reagieren äußerst empfindlich auf den kräftigen Anstieg der Inflation auf zuletzt 3,3 Prozent. Daher wird die Konsumflaute wohl andauern. Im kommenden Jahr erwarten Konjunkturbeobachter nur noch rund 1 Prozent Wachstum - deutlich weniger als das Trendwachstum von rund 1,5 Prozent. Somit dürfte die Arbeitslosigkeit 2009 wieder steigen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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