10. April 2008 Der Preis für Rohöl hat neue Rekordhöhen erreicht. Für 159 Liter amerikanisches Leichtöl (WTI) zahlten Anleger erstmals mehr als 112 Dollar. Auch die traditionell etwas billigere Nordseesorte Brent kostete mit fast 110 Dollar für ein Barrel so viel wie noch nie. Der bisherige Rekordpreis von 111,80 Dollar war im vergangenen Monat erreicht worden. Experten sehen kein Ende der Rallye.
Das bekommen die Verbraucher in Deutschland vor allem durch teuren Sprit zu spüren. Superbenzin kostet nach Angaben aus der Mineralölbranche vom Donnerstag im Bundesschnitt derzeit etwa 1,43 Euro je Liter, Diesel etwa 1,34 Euro. Das war jeweils etwas mehr als zu Wochenbeginn. Super hatte im November vergangenen Jahres schon etwa 1,48 Euro je Liter gekostet, Diesel 1,37 Euro.
Von den Fundamentaldaten abgekoppelt
Die Entwicklung der Ölpreise hat sich schon seit Wochen von den Fundamentaldaten abgekoppelt, sagte die Sprecherin des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), Barbara Meyer-Bukow. Öl sei genug im Markt. Derzeit treibe der schwache Dollar die Investoren an den Handelsplätzen in stabile Anlagen wie Rohstoffe und besonders Öl: Viele Händler glauben offenbar, dass am Ölmarkt noch Geld zu verdienen ist. Die Spritpreise in Deutschland sind noch leicht von den bisherigen Rekordständen entfernt. Der starke Euro schützt die Autofahrer
derzeit vor noch höheren Spritpreisen, sagte Meyer-Bukow.
Heizöl hingegen erreichte mit mehr als 80 Euro für 100 Liter nach Angaben des Hamburger Energieinformationsdienstes vom Donnerstag bereits ein Rekordniveau. Das habe eine Umfrage unter Händlern ergeben. Unmittelbarer Auslöser des neuerlichen Preisanstiegs beim Öl war ein amerikanischer Regierungsbericht, wonach die Ölvorräte in der vergangenen Woche niedriger als erwartet waren. Händler zeigten sich davon überrascht.
Übertreibungen durch spekulierende Anleger
Verwunderlich ist die Rekordjagd auch insofern. als sich in den vergangenen Tagen die Erwartungen an eine Rezession in Amerika und eine Konjunkturabschwächung in Europa verstärkt haben. Damit sollte eigentlich auch eine abnehmende Nachfrage nach Öl und anderen Rohstoffen einhergehen.
Doch die jüngsten Daten vom Rohölmarkt sprechen eine andere Sprache. Die Rohöllager haben sich in der ersten April-Woche nicht wie von der Fachwelt erwartet gefüllt, sondern die Bestände sind zurückgegangen. "Bislang sehen wir nur eine im Vergleich zum Vorjahr schwache Nachfrage nach Öl aus den Vereinigten Staaten", stellt Dora Borbély, Analystin der Dekabank, fest. "Die Nachfrage aus dem Euro-Raum, vor allem aber aus den Schwellenländern ist dagegen weiterhin sehr kräftig." Borbély fügt indes sofort hinzu: "Diese Nachfrage rechtfertigt jedoch keine Preise von 112 Dollar für 159 Liter." Die Analystin spricht vielmehr von einer Übertreibung. Ihrer Ansicht nach investieren Anleger in Öl mangels anderer sicherer Anlagealternativen.
Vor allem Amerikaner suchen nach Anlagealternativen
Die Suche nach Anlagealternativen dürfte tatsächlich derzeit vor allem Amerikaner umtreiben. Denn deren heimische Geldanlagen verlieren im Weltmaßstab an Wert, so lange ein Ende der Abwertung des Dollar zu den wichtigsten Weltwährungen nicht abzusehen ist. Am Donnerstag zahlten Anleger für einen Euro erstmals 1,5913 Dollar - so viel wie noch nie. Hinzu kommt, dass die Zinsen von Staatsanleihen in Amerika und im Euro-Raum so niedrig sind, dass nach Abzug der Inflation unter dem Strich so gut wie kein Gewinn übrig bleibt. Und an den Aktienmärkten scheint ein weiterer Abwärtsschub begonnen zu haben.
Nach der Erholung in den letzten beiden März-Wochen hat sich die Stimmung im April auf den Aktienmärkten zumindest wieder eingetrübt. Der Deutsche Aktienindex Dax hat in vier Tagen mehr als drei Prozent verloren. Am Donnerstag gab der wichtigste deutsche Aktienindex knapp ein Prozent ab und lag am späten Nachmittag auf 6.680 Punkten. Die Kurse belasteten Äußerungen des als Spekulanten bekannten George Soros, der mit sich nochmals verschärfenden Turbulenzen an den Kreditmärkten rechnet. Außerdem muss die Investmentbank Lehman Brothers drei ihrer Investmentfonds auflösen. Wegen der Marktverwerfungen sei es zu derart starken Wertverlusten in den Fonds gekommen, dass Lehman sie schließlich liquidiert habe, teilte die Bank in einer Pflichtmitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht mit.
Hohe Rohstoffpreise stellen Volkswirtschaften auf Belastungsprobe
Die hohen Rohstoffpreise stellen viele Volkswirtschaften in der Finanzkrise auf eine zusätzliche Belastungsprobe. In gut laufenden Ökonomien wie in Osteuropa und Asien treiben sie die Inflation. In Amerika dagegen besteht die Gefahr, dass die hohen Rohstoffpreise den Konjunkturabschwung verschärfen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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Kriegskinder vergessen das Fairplay
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.272,21 | -1,28 |
| TecDax | 734,26 | -0,60 |
| DowJones | 11.288,54 | +0,65 |
| Nasdaq | 2.245,38 | -0,27 |
| STOXX 50 | 3.275,20 | -1,67 |
| Nikkei 225 | 13.237,89 | -0,21 |
| S&P 500 Zert. | 12,61 | +0,08 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,07 |
| Bund Future | 111,54 | +0,36 |
| Gold | 932,30 | +0,03 |
| Öl | 145,16 | +0,10 |
