Finanzinvestoren treiben Rohstoffpreise

Wer macht unsere Lebensmittel so teuer?

17. April 2008 Die Preise auf den Rohstoffmärkten hängen immer stärker von den Kapitalanlageentscheidungen von Finanzinvestoren ab. "Alleine in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind 40 Milliarden Dollar in die Rohstoffmärkte geflossen", sagt Christoph Eibl, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Tiberius Asset Management im schweizerischen Zug. "Damit beeinflussen die Finanzinvestoren die Preisbildung sehr viel stärker als früher."

Von diesem Betrag flossen rund 30 Milliarden Dollar in die Märkte für Agrarrohstoffe, deren Preise in den vergangenen Monaten im Einklang mit der Entwicklung an anderen Rohstoffmärkten deutlich gestiegen sind. Als Folge dieser Hausse, die sich zunächst in höheren Preisen an den Terminmärkten äußert, sind auch die Preise vieler Nahrungsmittel gestiegen.

Schwellenländer-Wachstum und Biosprit-Produktion treiben Rohstoffhausse

Die Anlagen von Finanzinvestoren stehen jedoch nicht am Anfang des Preisauftriebs. In die Märkte für Agrarrohstoffe investieren sie erst seit der zweiten Hälfte des Jahres 2007 in größerem Umfang. Die eigentliche Ursache der Rohstoffhausse bildet das starke Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre vor allem in den Schwellenländern.

Sie fragen nicht nur Energieträger wie Öl und Industriemetalle, sondern auch Agrarrohstoffe in immer größeren Mengen nach. Die steigenden Preise deuten damit eine Knappheit an, da das Angebot kurzfristig kaum gesteigert werden kann. Die Schaffung neuer landwirtschaftlicher Nutzflächen dauert meist mehrere Jahre; und die Erschließung neuer Ölfelder oder Rohstoffminen erfordert gelegentlich sogar mindestens zehn Jahre.

Als weiterer Grund für die steigenden Nahrungsmittelpreise nennen Entwicklungspolitiker und die Weltbank die zunehmende Produktion von Biosprit. Bundeskanzlerin Angela Merkel verwies daneben auf einer Veranstaltung im sächsischen Freiberg auf "eine sehr unzureichende Agrarpolitik in den Entwicklungsländern."

Viele Preise sind als Folge der Spekulation künstlich überhöht

Der Einstieg der Finanzinvestoren in den Markt für Agrarrohstoffe ist ein Versuch, von den steigenden Preisen zu profitieren. Angesichts der erheblichen Summen, die seit einigen Monaten in diese Märkte fließen, haben die Finanzinvestoren die Hausse zusätzlich genährt.

Einige Analysten neigen zur Ansicht, dass viele Preise als Folge der Spekulation heute künstlich überhöht sind. An einzelnen Märkten, zum Beispiel für amerikanischen Weizen, sind die Notierungen zuletzt bereits gefallen. Ein Kennzeichen dieser Märkte ist, dass häufig die in den Vereinigten Staaten erzielten Preise die Grundlage der Preise auf den Weltmärkten darstellen. An den Märkten für Rohstoffe legen nicht nur Großanleger Geld an. Längst haben auch Privatanleger die Möglichkeit erkannt, sich zum Beispiel mit Zertifikaten und Fonds zu beteiligen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z., GFMS Limited

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