04. Juli 2008 Die Auftragseingänge der deutschen Industrie sind im Mai überraschend weiter gesunken. Die Aufträge seien preis- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent zurückgegangen, teilte das Wirtschaftsministerium am Freitag in Berlin mit. Zugleich wurde der Vormonatsrückgang von 1,8 Prozent auf 1,7 Prozent revidiert.
Für die Industrieproduktion zeichnet sich damit insgesamt eine schwächere Entwicklung ab, betonte das Ministerium. Dies signalisiere auch die zuletzt weniger optimistische Stimmung in der Wirtschaft. Die Bestelltätigkeit habe sich - ausgehend von einem ausgesprochen hohen Niveau - in den letzten sechs Monaten deutlich abgekühlt. Dabei sei der Rückgang der Auslandsnachfrage besonders stark.
Die Nachricht kommt in einer Zeit der konjunkturellen Unsicherheiten. In dieser Woche hatte es bereits schlechte Nachrichten aus der Maschinenbaubranche gegeben: Dort wurde nach beständigem Boom erstmals seit langem ein Einbruch bei den Aufträgen verzeichnet (siehe dazu auch: Auftragseinbruch im Maschinenbau).
Inlandsbestellungen gaben nach
Im Mai wirkte die Auslandsnachfrage leicht stützend (plus 0,8 Prozent) auf die Auftragseingänge der Industrie, während die Inlandsbestellungen deutlich um 2,7 Prozent nachgaben. Insgesamt sei der Umfang der Großaufträge abermals leicht überdurchschnittlich gewesen, hieß es. Bei den Vorleistungsgütern erhöhten sich die Bestellungen auch wegen Großaufträgen um 4,6 Prozent. Die Investitionsgüter verzeichneten hingegen einen Rückgang um 4,9 und die Konsumgüterhersteller ein leichtes Minus von 0,6 Prozent.
Im Zweimonatsvergleich (April/Mai gegenüber Februar/März) sanken die Auftragseingänge um 2,5 Prozent. Im Vorjahresvergleich (April/Mai) erhöhten sich die Aufträge indes um 6,3 Prozent. Die Aufträge aus dem Ausland lagen um 6,1 Prozent über ihrem Vorjahresstand, die Inlandsaufträge legten um 6,4 Prozent zu.
Die Zahlen sind enttäuschend
Analysten hatten insgesamt bessere Zahlen erwartet: Die Zahlen sind enttäuschend, sagte Arnd Schäfer von der West LB. Wir hatten nach den vielen schwachen Monaten in Folge eine leichte Gegenbewegung erwartet. Jetzt haben wir leider doch wieder ein Minus gesehen. Die Nachfrage aus dem Inland sei zurückgegangen und die Aufträge aus dem Euro-Raum seien übrraschend gestiegen. Insgesamt ergibt sich ein trübes Bild, das aber ins konjunkturelle Bild passt.
Auch Matthias Rubisch, Analyst bei der Commerzbank zeigte sich enttäuscht; Der Aufwärtstrend in der deutschen Industrie scheint vorbei zu sein. Man muss sogar befürchten, dass wir in den kommenden Monaten keine Stabilisierung auf hohem Niveau bekommen, sondern dass der Abwärtstrend anhält. Denn die Nachfrage schwächt sich sowohl aus dem Inland wie auch aus dem Ausland ab.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Frank Röth - F.A.Z.
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