05. August 2008 In Großbritannien herrscht Katerstimmung nach fünfzehn Jahren ununterbrochenen Wirtschaftswachstums. Befeuert wurde der Aufschwung auf der Insel von der Aussicht auf steigende Immobilienpreise und eine hohe Verschuldungsbereitschaft der Verbraucher. Nun aber ist der Konsumrausch verflogen.
Gleichzeitig spürt das Finanzzentrum London immer stärker die Folgen der internationalen Kreditmarktkrise. Da die Wertschöpfung in Großbritannien zu zwei Dritteln auf dem Dienstleistungssektor basiert, wirkt sich die Schwäche der Banken und des Einzelhandels schwer aus. Wie in kaum einem anderem Land in Europa werden zudem Wohl und Wehe der Volkswirtschaft von der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt bestimmt: 70 Prozent der britischen Haushalte besitzen Eigentum.
Immobilienkrise könnte bis 2010 dauern
In Einklang mit dem Wertzuwachs ihrer Immobilien stiegen bislang die Ausgaben für den Konsum. Doch damit ist es jetzt vorbei. Der heimische Immobilienmarkt steuert auf die schwerste Krise seit Anfang der neunziger Jahre zu, als das Land in eine Rezession rutschte. Die Vergabe neuer Hypothekenkredite fiel binnen Jahresfrist um 60 Prozent, die Zahl der verkauften Häuser sackte auf einen Tiefstand seit den siebziger Jahren.
Fachleute rechnen damit, dass die Immobilienpreise weiter fallen und eine Erholung nicht vor 2010 eintreten wird. Zwar sagt die britische Regierung für 2008 noch ein Wirtschaftswachstum von 2 Prozent voraus, doch unter Bankvolkswirten gilt eine Zuwachsrate von 1,5 Prozent als realistisch. Die Dämpfer beim Konsum sind in den Geschäftszahlen der führenden Einzelhändler ablesbar. Während Kaufhäuser wie Marks & Spencer oder Debbenhams über schwache Umsätze berichten, legen die deutschen Preisbrecher Aldi und Lidl neuerdings zweistellige Umsatzzuwächse vor.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Thomson Financial Datastream, Raiffeisen RESEARCH
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