17. November 2006 Milton Friedman, einer der bedeutendsten Ökonomen des vergangenen Jahrhunderts, ist am Donnerstag im Alter von 94 Jahren gestorben. Der Nobelpreisträger des Jahres 1976 sei in einem Krankenhaus in San Francisco einem Herzversagen erlegen, teilte Friedmans Tochter Janet Martell mit.
Friedman wurde am 31. Juli 1912 in Brooklyn in New York als viertes und jüngstes Kind europäischer Einwanderer geboren. Er wuchs unweit von New York, in der Kleinstadt Rahway in New Jersey, auf, wo seine Mutter ein kleines Geschäft betrieb und sein Vater sich, wie Friedman in seiner Autobiographie schreibt, mehr oder weniger erfolglos von Job zu Job hangelte.
Intellektuelle Heimat in Chicago
Seine akademische Laufbahn begann der nur knapp 1,60 Meter große brillante Wissenschaftler an der renommierten Rutgers Universität, wo er zunächst Mathematik studierte, aber schon bald sein Interesse für die Ökonomie entdeckte. 1932 führte ihn der Weg, ermutigt von seinem Freund und Kollegen Homer Jones, an die Universität von Chicago. Dort traf Friedman auch seine spätere Frau Rose, mit der er zusammen eine Reihe von Büchern veröffentlichte. Nach einigen Jahren und verschiedenen Stellen in New York, Washington und Chicago nahm Friedman 1946 einen Ruf als Professor an die Universität von Chicago an, die er auch nach seiner Emeritierung und dem Umzug an die Westküste 1977 immer als seine intellektuelle Heimat bezeichnete.
In die Chicagoer Zeit fallen die bedeutendsten wissenschaftlichen Leistungen Friedmans wie die Veröffentlichung des Buches A Monetary History of the United States, 1867 - 1960, das er zusammen mit Anna Schwartz schrieb. Dieses Werk trug ganz wesentlich zur Entstehung der Denkschule des Monetarismus bei, weil Friedman darin einen Zusammenhang zwischen dem in der Wirtschaft umlaufenden Geld und der Inflation darlegte. Er zeigte empirisch und argumentierte vehement, daß die Ursache von Inflation ein Übermaß an Geld ist. Und Friedman widerlegte auch die von seinem britischen Kollegen John Maynard Keynes vertretene Ansicht, daß sich durch eine lockere Geldpolitik die Beschäftigung erhöhen lasse. Solche Versuche seitens der Notenbank führten letztlich nur zu einem höheren Preisniveau, nicht aber zu einer niedrigeren Arbeitslosigkeit, erklärte Friedman.
Mit scharfer Zunge für eine freie Marktwirtschaft
Die Einsichten des Ökonomen sind seither von nahezu allen erfolgreichen Zentralbanken rund um die Welt beherzigt worden, darunter die amerikanische Federal Reserve Bank, die Deutsche Bundesbank und auch die Europäische Zentralbank. Es kommt nur sehr selten vor, daß ein Ökonom so ein großes Maß von Einfluß hat, sowohl direkt als auch indirekt, und nicht nur mit Blick auf die Richtung der wissenschaftlichen Forschung sondern auch auf tatsächliche Politik, heißt es in der Begründung zum Nobelpreis.
In der Tat fanden die Überzeugungen Friedmans, der mit großer Energie und manchmal mit scharfer Zunge für eine freie Marktwirtschaft, einen kleinen Staat und individuelle Freiheit kämpfte, Eingang in die Politik zahlreicher Regierungen. Der ehemalige amerikanische Präsident Ronald Reagan hörte ebenso auf Friedmans Rat wie die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher. Noch heute profitieren die Vereinigten Staaten und Großbritannien von marktwirtschaftlichen Weichenstellungen dieser Zeit. Bis zuletzt hat Friedman sich in politische Debatten eingemischt. Er kritisierte das staatliche Schulsystem in Amerika und, in einem Meinungsartikel für das Wall Street Journal Anfang Oktober, den wirtschaftspolitischen Richtungswechsel in Hongkong.
Text: ctg./F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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