Euro-Raum

Die Euro-Wirtschaft steht vor ruhigerem Wachstum

05. Januar 2007 Im Euro-Raum deutet sich eine etwas ruhigere Gangart der Konjunktur an. Der Euro-Indikator der DZ Bank, der üblicherweise einen Vorlauf von ein bis zwei Quartalen auf die Konjunkturentwicklung aufweist, blieb im Dezember mit 101,2 Punkten gegenüber dem Vormonat unverändert. Die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat ging leicht zurück, von 3,1 Prozent im November auf 2,6 Prozent.

Damit dürfte das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum, das 2006 mit wahrscheinlich rund 2,6 Prozent deutlich über dem langfristigen Trend lag, in den kommenden Monaten etwas Schwung verlieren. Bankvolkswirte erwarten nach Umfragen für dieses Jahr ein Wachstum von etwa 2 Prozent.

Leichte Abkühlung in der Industrie

Leichte Abkühlungstendenzen zeigten sich zuletzt vor allem im Industriebereich. Zwar berichten die Unternehmen weiterhin über eine sehr hohe Auslastung ihrer Kapazitäten und über ein hohes Auftragspolster, doch war der Auftragseingang leicht rückläufig. Der RBS/NTC-Einkaufsmanagerindex deutet auf ein etwas geringeres Expansionstempo im verarbeitenden Gewerbe hin, wenngleich der Rückgang im Dezember von 56,6 auf 56,5 Punkte nur minimal war. Der Index liegt auf dem tiefsten Stand seit neun Monaten, aber deutlich höher als die Expansionsschwelle von 50 Punkten. Das Wachstumstempo in der Industrie dürfte trotz einer gewissen Abschwächung hoch bleiben.

Das bestätigen die Konjunkturumfragen der Europäischen Kommission. Danach gingen die Produktionserwartungen im verarbeitenden Gewerbe im Dezember gegenüber dem Vormonat zwar etwas zurück, allerdings auf hohem Niveau. Die Auftragsbücher in der Industrie sind nach dem Urteil der Unternehmen so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Jahr 1985. Insgesamt stagnierte der Indikator für das Industrievertrauen auf dem Rekordhoch von 6 Punkten.

Verbraucher zuversichtlicher

Der Index des Verbrauchervertrauens in der Währungsunion stieg im Dezember abermals auf nun minus 6 Punkte und bestätigte so den Aufwärtstrend, der zur Jahresmitte 2005 einsetzte. Diese Messzahl liegt nun wieder deutlich höher als der langjährige Mittelwert, aber immer noch erheblich niedriger als die Rekordstände des Jahres 2000. Die jüngste Stimmungsaufhellung der Konsumenten gründet in einer zuversichtlicheren Einschätzung der Entwicklung am Arbeitsmarkt und der Wirtschaftsentwicklung.

Die Arbeitslosenquote sank 2006 deutlich; im November lag sie nach Angaben von Eurostat vom Freitag bei 7,6 Prozent und damit niedriger als in den Aufschwungjahren 2000/2001. Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt hebt die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung der Verbraucher. Die befragten Haushalte im Euro-Raum schätzen den Konjunkturausblick derzeit so günstig ein wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Dazu trug im Ländervergleich vor allem bei, dass die deutschen Verbraucher die Wirtschaftsaussichten erheblich besser beurteilten als zuvor; Gleiches gilt für die Erwartungen zur Arbeitslosigkeit.

Gutes Geschäft im Einzelhandel

Die Einzelhändler im Euro-Raum bewerteten ihre Geschäftslage im Dezember besser als zuvor, während die Zukunftsaussichten sich verschlechterten. Während die französischen und italienischen Händler weniger zuversichtlich auf das erste Quartal 2007 blickten, waren die deutschen Einzelhändler weniger pessimistisch gestimmt. Zumindest zeitweise scheint die Furcht vor der Mehrwertsteuererhöhung gewichen. Nach Angaben von Eurostat lag der um saisonale Schwankungen bereinigte reale Einzelhandelsumsatz im Euro-Raum im November 1,3 Prozent höher als vor einem Jahr; gegenüber Oktober meldeten die Statistiker ein Plus von 0,5 Prozent. Dies deutet auf ein gutes Geschäft zum Jahresende hin.

Die deutschen Verbraucher erwarten als Folge der Mehrwertsteuererhöhung einen deutlichen Anstieg der Preise, wie aus der Umfrage hervorgeht. Auch im Euro-Raum sind die Inflationserwartungen der Konsumenten im vergangenen Jahr spürbar gestiegen. Die Industrieunternehmen sehen schon seit der Jahresmitte deutlich bessere Chancen für Preiserhöhungen. Als Folge der ruhigeren Entwicklung der Energiepreise blieb der Preisdruck zuletzt indes unverändert. Im November lagen die Erzeugerpreise so hoch wie im Oktober. Die Jahresveränderungsrate war mit 4,3 Prozent spürbar niedriger als im Sommer 2006.



Text: pwe. / F.A.Z., 06.01.2007, Nr. 5 / Seite 12
Bildmaterial: F.A.Z.

 
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