Regionen-Studie

Berlin ist Schlusslicht unter den Metropolen

„Arbeitsplätze für Berlin” steht in den Bürofenstern der Bayer Schering Pharma AG

„Arbeitsplätze für Berlin” steht in den Bürofenstern der Bayer Schering Pharma AG

30. Mai 2007 Berlin gehört einer internationalen Untersuchung zufolge zu den Regionen mit der schwächsten Wirtschaftsentwicklung in allen Industrieländern. Innerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weise der Stadtstaat unter 284 Wirtschaftszentren das geringste Wachstum auf, heißt es in der OECD-Veröffentlichung „Regionen auf einen Blick“. Auch andere deutsche Bundesländer schnitten unterdurchschnittlich ab. Unter den von Berlin angeführten 20 schlechtesten Landstrichen landete Nordrhein-Westfalen auf Platz 12, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Das Saarland rangiert auf Position 19. Unter den 20 besten Plazierungen findet sich kein einziger deutscher Name. Die Liste wird von den Northwest Territories in Kanada angeführt vor der Hauptstadtregion in Südkorea. Es folgen Chungcheong (Korea), Alberta (Kanada), Stední echy (Tschechien) und Quintana Roo (Mexiko).

Berlin habe im Untersuchungszeitraum 1998 bis 2003 rund ein Siebtel seines Anteils an der gesamten Wirtschaftsleistung der OECD eingebüßt, teilte die Organisation der 30 Industriestaaten mit. Schuld daran sei zum Teil die schwache Entwicklung in ganz Deutschland. Stärker aber schlügen die hausgemachten Defizite zu Buche, die sich darin ausdrückten, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Berlin nicht einmal halb so stark gewachsen sei wie im Bundesdurchschnitt.

Wenig produktive Branchen

Grund dafür sei die schwache Entwicklung des BIP je Einwohner und je Erwerbstätigen. Der Strukturwandel habe weniger produktive Branchen befördert, zudem habe sich die Produktivität schlechter entwickelt als im OECD-Durchschnitt. Trotz des Bevölkerungsrückgangs profitiere Berlin von der demographischen Entwicklung, da sich der Anteil der jungen, produktiven Altersgruppen erhöht habe.

Im Vergleich zu anderen Regionen bestünden daher eigentlich gute Voraussetzungen für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung, sagte der Autor der Studie, Vincenzo Spieza. „Die Hauptstadt sollte sich aber stärker um die regionalen Ursachen ihrer Wachstumsschwäche kümmern und kann sich nicht darauf verlassen, dass sie im gleichen Umfang wie der Bundesdurchschnitt von der derzeit guten Konjunktur profitiert.“ Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen leiden unter der schleppenden Produktivitätsentwicklung. In Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland hemmen der Bevölkerungsschwund und der Rückgang der Erwerbstätigkeit den Fortschritt. Die OECD hat in allen Mitgliedsländern außer in der Schweiz, der Türkei und Neuseeland nicht nur die Wirtschaftskraft untersucht, sondern auch Beschäftigung, Bildungsniveau, Gesundheitsversorgung und Lebensqualität. Kürzlich hatte es in einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit noch geheißen, Berlin sei der beliebteste Wirtschaftsstandort Deutschlands.

Text: itz./F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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