Geldpolitik

Märkte rätseln nach Zinsschritt über Kurs der Fed

11. Mai 2006 Die amerikanische Notenbank (Fed) hat den Leitzins am Mittwoch erwartungsgemäß zum 16. Mal in Folge um 25 Basispunkte erhöht und auch weitere Anhebungen nicht ausgeschlossen. Der für die Kreditwirtschaft maßgebliche Schlüsselzins liegt nun bei 5,00 Prozent und damit auf dem höchsten Niveau seit April 2001.

Möglicherweise seien weitere Straffungen der Geldpolitik notwendig, um die Inflationsrisiken unter Kontrolle zu halten, teilte die Fed mit. Sie betonte, daß ihr Kurs stark von den wirtschaftlichen Aussichten abhängig sein werde. Die amerikanischen Börsen reagierten nur wenig. Der Dollar legte erst leicht zu, geriet dann aber zum Euro wieder unter Druck.

Die Mitglieder im Offenmarktausschuß (FOMC) votierten einstimmig für die Zinserhöhung. Die Währungshüter unter der Führung von Ben Bernanke räumten ein, daß eine Abschwächung des Wachstums auch wegen der höheren Zinsen möglich sei. Die Inflationserwartungen blieben derzeit zurückhaltend, der Anstieg von Energie- und Rohstoffpreisen habe bislang kaum Auswirkungen auf die Kerninflation gezeigt.

Weiter Bedenken wegen der Inflation

Eine weitere Zinsanhebung könnte aber erforderlich sein. „Der Ausschuß kommt zu dem Schluß, daß eine weitere Straffung der Geldpolitik nötig werden könnte, um den Inflationsrisiken zu begegnen, er betont aber zugleich, daß das Ausmaß und der Zeitpunkt einer solchen Straffung im wesentlichen von der Entwicklung der Wirtschaftsaussichten abhängt, wie sie von den eingehenden Informationen angedeutet wird“, hieß es in der Erklärung. Während sie die Aussichten auf eine zumindest zeitliche Unterbrechung der Zinserhöhungen verstärkte, machte die Notenbank zugleich darauf aufmerksam, daß sie weiter Bedenken wegen der Inflation habe. „Ein möglicher Anstieg der Ressourcen-Auslastung in Verbindung mit höheren Energie- und anderen Rohstoffpreisen hat das Potential, den Inflationsdruck zu erhöhen.“

Die Fed-Erklärung ließ die Märkte weiter über den künftigen Kurs der Notenbank rätseln. Die amerikanischen Börsen gaben nach dem Ausblick kurzzeitig nach. Im Verlauf pendelten sich die Kurse aber wieder in etwa auf die Level ein, die sie vor der Fed-Ankündigung markiert hatten. Am Ende schloß der Dow-Jones-Index der Standardwerte beinahe unverändert bei 11.642 Punkten, während der breiter gefasste S&P-500-Index sowie der Index der Technologiebörse Nasdaq den Handel im Minus verließen.

„Es gibt kein klares Signal für eine Pause“

„Es gibt kein klares Signal für eine Pause oder dass die Zinsen den Höhepunkt erreicht haben“, sagte David Sloan von 4Cast LTD in New
York.“ Die Fed versucht eindeutig, den Markt auf die Möglichkeit einer Pause vorzubereiten“, sagte Chef-Volkswirt Anthony Chan von JPMorgan Private Client Services.“ Allerdings läßt sie sich selbst auch genug Raum, die Zinsen - falls nötig - zu erhöhen.“ Von Reuters befragte Experten erwarten für die Fed-Sitzung im Juni dennoch mehrheitlich eine Pause bei den Zinsanhebungen: Von 20 befragten Bond-Firmen an der Wall Street gehen 14 davon aus, daß zunächst keine weitere Erhöhung beschlossen wird.

Grundsätzlich bestehe der Drahtseilakt für die Fed darin, daß sie derzeit mit aktuell starken Konjunkturdaten, aber auch mit Prognosen für eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums konfrontiert werde, sagten Analysten. Geldpolitik gestalte sich immer dann besonders schwierig, wenn sich die Wirtschaft in einer solchen Übergangsphase befinde, erklärte etwa Bernard Baumohl von The Economic Outlook Group. Seine kurze und knappe Übersetzung der Fed-Erklärung vom Mittwoch lautete: “Wir haben gehofft, im Juni eine Pause einlegen zu können, sind aber momentan nicht so sicher.“

Text: Reuters
Bildmaterial: FAZ.NET

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