Von Philip Plickert
20. Mai 2008 Der steile Anstieg des Euro-Wechselkurses belastet den deutschen Export, aber andererseits könnte er Deutschland helfen, in diesem Jahr nochmals den Titel des statistischen Exportweltmeisters zu verteidigen. Auf Euro-Basis nahm der Wert des deutschen Exports im ersten Quartal 2008 gegenüber dem Vorjahresquartal um 6 Prozent zu. In Dollar umgerechnet ist der Wert der deutschen Ausfuhr aber um 21 Prozent gestiegen, teilte die Bundesagentur für Außenwirtschaft am Dienstag mit.
Der Abstand zum Verfolger China ist daher im Berichtszeitraum etwa gleich geblieben, schreibt das Amt. Deutschland kann sich daher 2008 voraussichtlich das sechste Jahr in Folge mit dem Titel Exportweltmeister schmücken. Die staatliche Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) sieht Verfolger China entgegen der bisherigen Erwartung erst 2009 zur Nummer eins aufsteigen.
Zahlen werden von den Wechselkursen erheblich beeinflusst
Chinas Export stieg auf Dollar-Basis im ersten Quartal um 21,4 Prozent. Die starke Abwertung des Dollar hat die amerikanische Ausfuhr erheblich beflügelt, die um 18,3 Prozent zunahm, so dass die Vereinigten Staaten momentan wieder den zweiten Rang vor China einnehmen. Dies wird allerdings keinen Bestand haben, erwartet das Außenwirtschaftsamt.
Im Jahr 2007 lag China nach Angaben der Welthandelsorganisation WTO mit einer Ausfuhr im Wert von 1,22 Billionen Dollar auf dem zweiten Platz hinter Deutschland (1,32 Billionen Dollar) und vor den Vereinigten Staaten (1,16 Billionen Dollar). Im ersten Quartal 2008 exportierte Deutschland nach Angabe des Außenwirtschaftsamts Waren im Wert von umgerechnet 379,1 Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten führten Waren im Wert von 320,4 Milliarden Dollar aus, Chinas Export summierte sich auf umgerechnet 306,1 Milliarden Dollar.
Diese Zahlen wurden von den Wechselkursverschiebungen erheblich beeinflusst. Nach der Berechnung des Außenwirtschaftsamts wertete der Euro im ersten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahresquartal um durchschnittlich 14,3 Prozent gegenüber dem Dollar auf. Der an einen Währungskorb gebundene Wechselkurs der chinesischen Währung Renminbi stieg gegenüber dem Dollar nur um 8,3 Prozent. Diese Aufwertung dämpfte die Exportdynamik: Chinas Ausfuhr nach Amerika nahm im ersten Quartal nur noch um 5,4 Prozent zu. Die Vereinigten Staaten blieben zwar mit einem Anteil von nun 17,5 Prozent größter Abnehmer für chinesische Exporte, die Zuwächse in andere Länder sind aber erheblich stärker. Deutschland steht mit einem Anteil von gut 4 Prozent an fünfter Stelle der wichtigsten Abnehmer chinesischer Exporte.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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