Konjunktur

Japans Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs

18. Mai 2004 Die japanische Wirtschaft setzt ihre Erholung fort. Im Schlußquartal des abgelaufenen Geschäftsjahres wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Vergleich zum Vorquartal deutlicher als von Analysten erwartet um real 1,4 Prozent, wie die Regierung am Dienstag auf vorläufiger Basis mitteilte. Auf das Jahr gerechnet ergibt dies ein Wachstum von 5,6 Prozent. Die bisher vom Export und den Firmeninvestitionen getragene Erholung springt nun offenbar auch auf den privaten Verbrauch über, der in Japan gut die Hälfte der wirtschaftlichen Leistung ausmacht.

Die wirtschaftliche Leistung des Landes zog im nunmehr siebten Quartal in Folge an. Während die Kapitalinvestitionen der Unternehmen im Berichtszeitraum Januar bis März um 2,4 Prozent stiegen, erhöhten sich zugleich auch die Verbraucherausgaben um 1,0 Prozent. Die sinkende Arbeitslosenquote trägt nach Einschätzung von Analysten dazu bei, daß Japans Verbraucher bereit sind, mehr zu konsumieren.

Robuste Exporte

Die robusten Exporte aus Japan, etwa von Flachbildschirmen oder DVDs, haben zu steigenden Investitionen sowie höheren Firmengewinnen geführt. Diese sorgen nun allmählich für steigende Einkommen und neue Arbeitsplätze. Bezogen auf das am 31. März beendete Geschäftsjahr 2003/2004 errechnete die Regierung in Tokio einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,2 Prozent.

Der Leistungsbilanzüberschuß im vergangenen Fiskaljahr betrug nach vorläufigen Berechnungen 17,2 Billionen Yen (130 Milliarden Euro). Das waren knapp 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gründe dafür sind nach Angaben des Finanzministeriums vor allem die weiter rasch wachsende Ausfuhr. Sie stieg gegenüber dem vorausgegangenen Jahr mehr als 6 Prozent auf 53,3 Billionen Yen (400 Milliarden Euro). Vor allem in das derzeit schnell wachsende China seien die Exporte sprunghaft angestiegen, hieß es weiter.

Industrieproduktion stärker als erwartet

Im März legte die Industrieproduktion stärker zu als bisher erwartet. Nach Angaben des Tokioter Wirtschaftsministeriums erhöhte sich die Erzeugung gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent. Bisher rechneten die Behörden mit einer Zunahme von 0,1 Prozent. Vor diesem Hintergrund gehen viele Wirtschaftsbeobachter davon aus, daß Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten drei Monaten dieses Jahres weiter deutlich gesteigert wurde. Das reale BIP könnte auf Jahresbasis im ersten Quartal um mehr als 3,5 Prozent gewachsen sein. Dazu gibt die Regierung am heutigen Dienstag vorläufige Zahlen bekannt. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres war Japans Wirtschaft so schnell gewachsen wie seit zehn Jahren nicht. Die sich seit dem zurückliegenden Sommer abzeichnenden guten Konjunkturaussichten vergrößern die Wahrscheinlichkeit, daß die in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt seit Jahren festzustellende Deflation dem Ende zugehen könnte.

Die Bank von Japan (BoJ) erklärte, daß die Großhandelspreise im April auf Jahresbasis durchschnittlich 0,5 Prozent gestiegen sind. Die Zentralbanker hoffen nun, daß sich diese Entwicklung nachhaltig auf die Verbraucherpreise übertragen läßt. Die seit Ende der neunziger Jahre in Japan fallenden Konsumpreise lasten noch immer schwer auf den Erlösen und Erträgen vieler Unternehmen. Große Firmen setzen daher auf Wachstum in ausländischen Märkten. Dabei werden sie von der Regierung unterstützt. Das japanische Finanzministerium hat im vergangenen Jahr für umgerechnet 150 Milliarden Euro an den Devisenmärkten interveniert, um sich gegen einen rasch stärker werdenden Yen zu stemmen. Diese Eingriffe verschaffen den Exporteuren des Landes wichtige Vorteile. Die ausfuhrorientierte Wirtschaft Japans ist damit Motor der jüngst positiven Wirtschaftsentwicklung.



Text: fib., dpa, Reuters
Bildmaterial: AP

 
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