19. Januar 2006 Die Zahl der gefälschten Euro-Banknoten in der Europäischen Währungsunion und auch in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Weil Fälscherwerkstätten in Litauen und Polen ausgehoben wurden, sank unter anderem die Zahl der gefälschten 100-Euro-Banknoten besonders stark. Trotz dieser Erfolge in der Falschgeldbekämpfung gilt aus deutscher Sicht: Die Wahrscheinlichkeit, eine Fälschung im Geldbeutel zu finden, ist erheblich größer als früher bei der D-Mark.
In den letzten zehn Jahren der Mark registrierte die Deutsche Bundesbank im Jahresdurchschnitt 3,4 gefälschte Banknoten je 10.000 Einwohner. Im vergangenen Jahr dagegen waren es nach Angaben der Bundesbank neun Euro-Fälschungen je 10.000 Einwohner, im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre 8,3. Die Zahl der Blüten hat sich gegenüber den D-Mark-Zeiten mehr als verdoppelt. Das gilt bezogen auf die Bevölkerungszahl, aber auch absolut: Im letzten Jahrzehnt der D-Mark registrierte die Bundesbank rund 27.700 Fälschungen im Jahr; in den vergangenen drei Euro-Jahren waren es im Schnitt 68.200. Ähnlich steil verlief der Anstieg der Münzfälschungen. Außergewöhnlich niedrig war die Zahl der Fälschungen im Euro-Zeitalter nur 2002, als die Fälscher nach Einführung des Euro-Bargelds sich noch auf das neue Geld einstellten.
Ein attraktiveres Ziel
Der Euro ist nicht unsicherer als die D-Mark, sagt Franz-Christoph Zeitler, der im Bundesbankvorstand für die Bargeldverarbeitung zuständig ist. Den Anstieg der Fälschungen in Deutschland begründet er damit, daß der Euro als Weltwährung für die Fälscher ein attraktiveres Ziel sei als früher die D-Mark. Auch seien die Grenzen gerade gegenüber Osteuropa früher nicht so offen gewesen wie heute. Diese Vermutung äußert auch Dieter Karlowsky vom Landeskriminalamt Bayern. Blüten aus Fälscherwerkstätten in Ost- und Südosteuropa würden vor allem in Zentraleuropa, also in Deutschland und Österreich auflaufen. Das Bundeskriminalamt (BKA) berichtet von einem Trend zu organisierten Falschgeldbanden aus Bulgarien, Litauen und Polen. Ihnen erleichtert die Technik das Handwerk: Früher wurden Banknoten abgepinselt, heute eingescannt, sagt Dietmar Müller vom BKA.
Bundesbankvorstand Zeitler betont, daß die Zahl der registrierten Fälschungen in Deutschland deutlich niedriger als im Euro-Raum liege. Tatsächlich steht Deutschland mit 9 Fälschungen je 10.000 Einwohner innerhalb des Euro-Raums vergleichsweise gut da, ähnlich wie Österreich, wo die Zahl der aufgefundenen Fälschungen sich 2005 fast halbierte. In den Niederlanden wurden im vergangenen Jahr 15,3 gefälschte Banknoten je 10.000 Einwohner entdeckt, in Belgien 21,6. Von den Staaten im Euro-Raum, für die offizielle Angaben bekannt sind, liegt nur Finnland mit 1,7 Euro-Blüten je 10.000 Einwohner besser als Deutschland. Im gesamten Euro-Raum wurden 18,6 Fälschungen je 10.000 Einwohner entdeckt - doppelt so viele wie in Deutschland. Überproportional viele der Fälschungen entfallen offensichtlich auf südliche Länder im Euro-Raum, die keine Daten über die Blüten vorlegen.
Schaden im Euro-Raum von 32,5 Millionen Euro
Den Bürger interessierten weniger solche Vergleiche, als der Schaden, der ihm entstehen kann. Gefälschte Banknoten dürfen nicht in den Verkehr gebracht werden; wer sie entdeckt, trägt den Verlust. Die Bundesbank beziffert den Wert aller in Deutschland aus dem Umlauf genommenen Fälschungen für 2005 auf 4,9 Millionen Euro; im Vorjahr waren es 6,1 Millionen Euro. Der Rückgang sei kein Grund, eine Trendwende in der Falschgeldentwicklung auszurufen, heißt es. Die Europäische Zentralbank veröffentlicht solche Wertangaben nicht mehr. Nach Berechnungen dieser Zeitung belief sich der Schaden in der Währungsunion 2005 auf rund 32,5 Millionen Euro oder etwa 2 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.
Der Vergleich der Fälschungen je 10.000 Einwohner, den die Bundesbank seit kurzem verwendet, ist ungewöhnlich. Er vernachlässigt, daß die Zahl der umlaufenden Banknoten im Zeitablauf steigt. Üblicherweise wird deshalb die Zahl der Blüten am Bargeldumlauf gemessen. Diese Zahl ist für Deutschland in der Währungsunion nicht mehr hinreichend genau zu bestimmen. Deshalb vertraut die Bundesbank dem Vergleich Fälschung je eine Million echter Banknoten nicht mehr ganz.
Im Vereinigten Königreich und Amerika wird mehr gefälscht
Doch auch diese Rechenweise zeigt, allerdings weniger drastisch, daß der Euro öfter gefälscht wird als früher die D-Mark. 2005 registrierte die Bundesbank 16 Fälschungen je eine Million echter Banknoten, im Schnitt der vergangenen drei Jahre waren es 17. In den neunziger Jahren waren es jahresdurchschnittlich nur 12 falsche D-Mark-Noten je eine Million echter Geldscheine. Nur in Ausnahmejahren wie 2001, als vor der Euro-Bargeldeinführung die Bargeldbasis schrumpfte und die Fälscher versuchten, alte D-Mark-Blüten unterzubringen, erreichte die relative Zahl der Fälschungen im Ansatz das heutige Niveau.
Im gesamten Euro-Raum entdeckten die Notenbanken 2005 rund 56 gefälschte Geldscheine je eine Million Banknoten - mehr als dreimal soviel wie in Deutschland. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre waren es 61. Damit liegen die Europäer im internationalen Vergleich noch gut. Die Bank von England registrierte im vorvergangenen Jahr 166 gefälschte Pfundscheine je eine Million Banknoten. Für die Vereinigten Staaten geben Schätzungen rund 200 Fälschungen je eine Million Banknoten an. Doch es geht auch besser: Die schwedische Reichsbank entdeckte 2004 nur 5,4 Fälschungen je eine Million Banknoten: Freilich zieht die Krone auch weniger Fälscher an.
Text: pwe. / F.A.Z., 19.01.2006, Nr. 16 / Seite 11
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa/dpaweb
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