Von Konrad Mrusek
19. Mai 2008 Wegen der höheren Nahrungsmittelpreise haben die Deutschen ihr Kaufverhalten angepasst, so dass letztlich nur ein Teil der Preissteigerung die privaten Haushalte finanziell belastete. Lebensmittel sind 2007 um 3,9 Prozent teurer geworden, weil im Sommer vor allem die Preise für Milch und Butter kräftig gestiegen sind, doch die Menschen haben lediglich 1,3 Prozent mehr Geld ausgegeben für Essen und Trinken.
Die Verbraucher haben offenbar weniger Waren eingekauft und preisgünstigeren Produkten den Vorzug gegeben, sagt Paul Michels von der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) in Berlin. Wegen dieser geradezu marktwirtschaftlich modellhaften Reaktion der Konsumenten haben sich nachträglich die Sorgen von Politikern verflüchtigt, dass Essen und Trinken bald für viele Bürger nicht mehr bezahlbar seien und daher Leistungen für Hartz-IV-Empfänger erhöht werden müssten.
Kein Preisschock bei Lebensmitteln
2007 haben die Deutschen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt 165 Milliarden Euro für Essen und Trinken einschließlich alkoholischer Getränke ausgegeben. Das waren 12,7 Prozent der gesamten Konsumausgaben. Diese Quote ist damit nicht deutlich gestiegen, wie vielfach befürchtet worden war, sondern sie blieb auf dem Niveau des Vorjahres. Es gab keinen Preisschock bei Lebensmitteln, der langfristige Trend hat sich lediglich etwas verändert. Anfang der neunziger Jahre mussten die Haushalte für Essen und Trinken noch 15,8 Prozent der Konsumausgaben aufwenden. Diese Quote sank dann jahrelang, wozu auch die immer größer werdenden Marktanteile der Discounter im Lebensmittelhandel beitrugen.
Dieser Abwärtstrend scheint nun gestoppt zu sein. Ob die Konsumenten in diesem Jahr einen höheren Anteil ihres Budgets für Nahrungsmittel ausgeben müssen, wagt Michels nicht vorherzusagen. Im Konsumverhalten gebe es viele, schwer kalkulierbare Faktoren, sagt er. Die Milchpreise seien zwar wieder gefallen, was die Quote senken könnte, doch mit steigendem Einkommen neigten die Menschen dazu, sich wieder etwas Besseres zu gönnen. Das könnte die Ausgaben für Essen und Trinken steigen lassen - sofern nicht höhere Spritpreise das verfügbare Einkommen schmälern. Auf den Ausgabeposten Verkehr entfällt inzwischen mit 13,6 Prozent ein größerer Anteil der Konsumausgaben als auf Nahrung.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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