15. April 2008 Die Verluste durch die Hypothekenkrise werden sich einer OECD-Studie auf insgesamt 350 bis 420 Milliarden Dollar belaufen. Die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) jüngst verbreitete Verlustschätzung von rund einer Billion Dollar sei irreführend, kritisierte die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung am Dienstag. Bislang hatte die OECD Verluste von insgesamt 300 Milliarden Dollar vorausgesagt.
Grund für die neue Schätzung ist eine neue Vorgehensweise. Anstatt der derzeit erzielbaren Marktpreise vieler Finanzprodukte legt die OECD nun eine Prognose der letztendlichen Ausfallraten zugrunde. Da viele Finanzprodukte derzeit gar nicht mehr verkauft werden können, musste die OECD sie bislang als wertlos einstufen, obwohl sie letztendlich doch noch neue Besitzer finden dürften.
Verluste als normaler Teil des Börsenlebens
Der IWF hatte vergangene Woche in seinem halbjährlichen Bericht zur Finanzmarkt-Stabilität die Zahl von eine Billion Dollar in Umlauf gebracht und damit ein riesiges Medienecho erzielt.
OECD-Mitarbeiter kritisierten, der IWF beziehe viele Kursverluste ein, die jedoch als normaler Teil des Börsenlebens nicht direkt der Immobilienkrise anzukreiden seien. Auch die Bankbranche hat die IWF-Schätzung bereits als zu hoch bezeichnet.
Juncker erwartet, dass Finanzkrise noch lange dauert
Unterdessen hat der Vorsitzenden der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, die Prognose abgegeben, dass die Finanzkrise bis weit in das kommende Jahr hinein andauern wird. Die Finanzkrise ist nicht an ihrem Ende angekommen. Sie wird uns das ganze Jahr 2008 und einen guten Teil des Jahres 2009 beschäftigen, sagte der luxemburgische Premier- und Finanzminister am Dienstag bei einer Veranstaltung in Brüssel.
Mit Blick auf den Höhenflug des Euro sagte er, bisher gebe es keine übermäßigen Auswirkungen auf die reale Wirtschaft. Er warnte jedoch: Der Moment wird kommen, bei dem der Wechselkurs beginnt, der europäischen Wirtschaft ernsthaften Schaden zuzufügen. Juncker ließ offen, bei welchem konkreten Wechselkurs zum US-Dollar diese Schwelle erreicht wird. Frankreich beschwört seit längerem Gefahren für die europäische Exportwirtschaft durch den starken Euro.
Die Wurzeln des Misstrauens bekämpfen
Juncker wies auf die Washingtoner Erklärung der sieben reichsten Industriestaaten (G7) vom Wochenende zu den Wechselkursen hin. Zum ersten Mal wurde gesagt, dass die G7 besorgt sind. Er fügte hinzu: Ich hoffe ernsthaft, dass die Finanzmärkte diese Besorgnis zur Kenntnis nehmen. Es sei zudem im eigenen Interesse der Vereinigten Staaten, einen starken Dollar zu haben.
Die Fahrplan der EU zur Abwehr der Finanzkrise sei von den G7 weitgehend übernommen worden, sagte Juncker. Dazu gehört die Forderung nach mehr Transparenz bei modernen Finanzprodukten und die umgehende Offenlegung von Risiken im Finanzsektor. Juncker sprach von rund 30 Maßnahmen, die bis Jahresende in der EU umgesetzt werden sollten.
Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, sagte, seine Institution könne zwar mit dem Zuschießen von Liquidität das Funktionieren der Geldmärkte sichern, aber nicht die Ursachen der Finanzkrise lösen. Marktteilnehmer und Aufsichtsbehörden müssen Maßnahmen ergreifen, um die Wurzeln des augenblicklichen Misstrauens zu bekämpfen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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Rohöl-Förderung: Es wird wieder mehr gebohrt
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