Wirtschaftsforschung

IWH mit höherer Wachstumsprognose

14. März 2007 Die höhere Mehrwertsteuer hat den Aufschwung nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) weniger gebremst als bisher angenommen. Deshalb hoben die Experten ihre Prognose an: „Das Bruttoinlandsprodukt nimmt in diesem Jahr um zwei Prozent zu“, erklärte das IWH am Mittwoch. Damit bleibt es aber skeptischer als andere Forscher. Die Steuererhöhung habe wegen der starken Weltwirtschaft und der stützenden Geldpolitik nur eine Wachstumsdelle hinterlassen und keinen Einbruch ausgelöst. Für 2008 erwarten die Experten ein Plus von 2,5 Prozent.

In dieser Woche hatte bereits das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung seine Prognose auf 2,3 Prozent angehoben. Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft erhöhte seine Schätzung auf 2,8 Prozent. Die Bundesregierung will bei ihrem vorsichtigen Ausblick von 1,7 Prozent bleiben. „Ich finde es nach wie vor richtig, dass die Bundesregierung sehr konservativ und genau wie im letzten Jahr vorsichtig operiert,“ sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück.

Mehr Stärke und mehr Breite

„Der Aufschwung selbst gewinnt an Stärke und Breite“, schrieb das IWH. Die Verbraucher wären mit Käufen zurückhaltend gewesen, doch Exporte und Investitionen hätten zugelegt. Die Forscher gehen nun davon aus, dass der Konsum in diesem Jahr um ein Prozent steigt, bisher hatten sie 0,3 Prozent erwartet. Die Unternehmen würden fünf Prozent mehr in Maschinen und Anlage investieren. Treibende Kraft bleibe der Außenhandel. Wegen der leichten Abkühlung der Weltwirtschaft könnten die Exporteure ihren Absatz allerdings nicht mehr so stark ausweiten wie 2006.

Wegen der besseren Lage auf dem Arbeitsmarkt würden die Einkommenserwartungen der privaten Haushalte steigen. In der laufenden Lohnrunde rechnen die Forscher mit einem Anstieg der Tariflöhne unterhalb von 3,5 Prozent: „Der Beschäftigungsaufbau dürfte nicht in Gefahr geraten.“ Im Durchschnitt geht das IWH im laufenden Jahr von rund 3,8 Millionen Erwerbslosen aus. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,8 Prozent. 2008 dürfte sie dann auf 8,2 Prozent sinken.

Risiko: Entwicklung auf den Finanzmärkten

Ein wesentliches Risiko bleibe die Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten. Auslöser der aktuellen Verunsicherung war ein Einbruch am chinesischen Aktienmarkt, für den kein realwirtschaftlicher Hintergrund erkennbar sei. „Die Finanzmärkte werden sich wohl bald wieder stabilisieren“, hieß es. Die Forscher rechnen aber mit sinkenden Kursgewinnen, wodurch die Weltkonjunktur etwas gedämpft werde. Steinbrück deutete die jüngsten Kursrückgänge nicht als Anzeichen für eine Konjunkturschwäche.

Der Aufschwung wird dem IWH zufolge die öffentliche Finanzlage weiter entspannen. Das Staatsdefizit werde in diesem Jahr bei 0,9 Prozent liegen und 2008 bei 0,6 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte es sich auf 1,7 Prozent nahezu halbiert. Damit hielt Deutschland erstmals seit 2001 die Maastricht-Grenze ein.

Text: Reuters
Bildmaterial: FAZ.NET

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