Wirtschaftsforscher

Dem Aufschwung geht die Luft aus

Von Philip Plickert

13. Dezember 2007 Führende Wirtschaftsforscher sagen für das kommende Jahr eine deutliche Verlangsamung des Wachstums voraus. Nach der neuen Konjunkturprognose des Ifo-Instituts wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2008 real um 1,8 Prozent zunehmen. Kalenderbereinigt – also abzüglich der größeren Zahl von Arbeitstagen – entspreche dies einem BIP-Anstieg von nur noch 1,5 Prozent. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte über die Prognose, „dass das kommende Jahr noch ganz ordentlich sein wird“. Im Juni hatten die Ifo-Konjunkturschätzer noch ein deutlich höheres Wachstum von 2,5 Prozent im Jahr 2008 vorausgesagt. Dennoch sieht das Ifo-Institut eine weiter aufwärtsgerichtete Konjunktur bei abnehmender Dynamik.

Auch das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hat seine Prognose für das kommende Jahr deutlich gesenkt, von 2,4 auf 1,9 Prozent Wachstum. Im Jahr 2009 werde der Produktionsanstieg mit 1,6 Prozent nur noch moderat ausfallen. Damit erscheint die Hoffnung gering, dass der Aufschwung nur „eine Pause“ einlege, wie das Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Herbstgutachten geschrieben hatte.

Geänderter Kurs der Politik

Neben den verschlechterten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den Anspannungen an den Finanzmärkten verweisen die IfW-Ökonomen auch auf einen geänderten Kurs der deutschen Politik, der für das schwächere Wachstum mitverantwortlich sei: „Mehr und mehr werden Maßnahmen beschlossen, welche die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt wieder verschlechtern und damit das Fundament des Aufschwungs schwächen.“

Gleichwohl sei mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau zu rechnen. Im kommenden Jahr werde die Zahl der Erwerbstätigen um knapp 470 000 zunehmen, die Zahl der registrierten Arbeitslosen könnte im Jahresdurchschnitt unter 3,3 Millionen sinken. Das Ifo-Institut ist weniger optimistisch: Nach seiner Schätzung wird es 2008 knapp 3,5 Millionen Arbeitslose geben, die Quote damit nicht unter 8 Prozent fallen.

Erheblich verschlechtert habe sich mittlerweile das Preisklima, schreiben die IfW-Ökonomen. Im November war die Teuerungsrate sowohl in Deutschland als auch im Euro-Raum auf 3 Prozent gesprungen, wenngleich der Jahresdurchschnitt nur gering mehr als 2 Prozent beträgt, der Definition von Preisstabilität.

Schlechte Konsumentenstimmung

Der deutschen Finanzpolitik sprechen die Wirtschaftsfachleute auch weiterhin einen negativen Einfluss auf die Konjunktur zu. Für dieses Jahr erwartet das Ifo-Institut einen ausgeglichen Staatshaushalt; das IfW sogar einen leichten Überschuss. Im kommenden Jahr falle aber wieder ein leichtes gesamtstaatliches Defizit an.

Es würden zusätzliche Sozialausgaben beschlossen, aber wachstumsförderliche Steuersenkungen verweigert, kritisieren die IfW-Ökonomen. Es gelte, „eine schleichende Erhöhung der Steuerbelastung zu vermeiden“. Das Ifo-Institut betont, „die massive Anhebung der Mehrwertsteuer, die Verteuerung wichtiger Grundnahrungsmittel und zuletzt der neuerliche Höhenflug der Rohölpreise schmälerten in erheblichem Umfang die Kaufkraft und die Konsummöglichkeiten“. Trotz der günstigen Arbeitsmarktentwicklung habe sich daher die Konsumentenstimmung wieder verschlechtert.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.440,70 -1,46
TecDax 721,58 -3,36
DowJones 11.415,56 -1,86
Nasdaq 2.300,99 -1,07
STOXX 50 3.354,58 -0,97
Nikkei 225 13.603,31 +2,18
Euro/Dollar 1,57 -0,19
Bund Future 110,96 +0,77
Gold 925,00 +0,36
Öl 124,98 -1,22
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