Konjunktur

Trotz Pessimismus droht keine Rezession

25. Mai 2005 Trotz der Stimmungseintrübung in der Wirtschaft droht Deutschland nach Einschätzung des Ifo-Instituts keine neue Rezession.

„Solange wir vom Export noch stark profitieren, sollte uns das aus einer Rezession heraushalten", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Allerdings gebe es Zeichen für eine leichte Abschwächung der Exporte.

Wirtschaftsminister Clement widerspricht dem Index

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hat den abermaligen Rückgang des Ifo-Indexes als wenig aussagekräftig für die Konjunktur bezeichnet. Wenn es in der Pressemitteilung des Institutes heiße, die Konjunkturaussichten hätten sich leider nicht verbessert, sei das bemerkenswert, sagte Clement am Mittwoch in Berlin. „Wir haben die besten (Konjunkturaussichten) zur Zeit seit vielen Jahren.“

Wegen der schwachen Konjunktur forderte das Ifo-Institut die Europäische Zentralbank (EZB) erneut dazu auf, die Zinsen zu senken. Eine leichte Aufhellung der Stimmung könne sich in den kommenden Monaten durch das Vorziehen der Bundestagswahl ergeben, da dies bei den Firmen Hoffnungen auf weitere Reformen wecken könnte.

Trotz abermaliger Verschlechterung keine Trendwende

Im Mai war der Ifo-Geschäftsklimaindex unerwartet auf 92,9 Punkte und damit zum vierten Mal in Folge zurückgegangen und steht auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren. Einer Ifo-Faustregel zufolge signalisieren bereits drei Rückgänge des wichtigsten deutschen Frühindikators in Folge eine konjunkturelle Trendwende. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten einen minimalen Anstieg des Ifo-Index auf 93,5 Punkte erwartet. Dabei hatten sie eine unverändert schlechte Lageeinschätzung und eingetrübte Erwartungen vorhergesagt. Nach Angaben des Ifo stieg die Lage-Komponente auf 93,4 von 93,1 Zählern, die Erwartungen fielen auf 92,3 von 93,6 Punkten.

Ifo-Volkswirt Abberger sagte jedoch, das Institut sehe trotz des abermaligen Rückgangs keine konjunkturelle Umkehr. Es dürfte weiterhin ein recht schwaches Wachstum geben, auch wenn die Binnenkonjunktur weiter sehr schwach sei. „Der Export zieht uns raus", sagte Abberger. Dies werde sicher mehr oder weniger so bleiben, auch wenn es Anzeichen für eine leichte Abschwächung des Exports gebe. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute - zu denen auch das Ifo-Institut gehört - für Deutschland insgesamt nur noch ein Wachstum für dieses Jahr von 0,7 Prozent vorhergesagt.

Vorgezogene Wahl auf Mai-Index noch keine Auswirkung

Der jüngste Rückgang des Ölpreises und die Abschwächung des Euro-Kurses haben nach Abbergers Worten die Geschäftserwartungen der Firmen bislang noch nicht aufgehellt. Da der Ölpreis sich auch auf die Binnenkonjunktur auswirke, könne dies jedoch in den kommenden Monaten zu einer Verbesserung der Stimmung beitragen.

Der Vorstoß der Bundesregierung, nach der Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen die Bundestagswahl auf diesen Herbst vorzuziehen, wirkte sich auf den Ifo-Index für den Mai noch nicht aus, da fast alle Antworten der befragten Unternehmen vorher eingingen. In den kommenden Monate könnte diese Aussicht Abberger zufolge aber die Geschäftserwartungen der Firmen etwas beflügeln.

„Positiv könnte sich die Erwartung auswirken, daß es ab Ende des Jahres mit Reformen in Deutschland weitergehen könnte", sagte Abberger. Es werde sicher nicht der Hauptfaktor für die Stimmung in der Wirtschaft sein, aber ein leichter Einfluß auf die Daten sei möglich.

Text: Reuters
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

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