15. Mai 2008 Gute Nachrichten für Verbraucher: Der monatelange Preisauftrieb hat sich im April erstmals in diesem Jahr deutlich abgeschwächt. Die Jahresteuerungsrate sank auf 2,4 Prozent - das war die niedrigste Rate seit acht Monaten, meldete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden und bestätigte eine erste Schätzung. Der Grund seien allerdings Sondereffekte wie gesunkene Preise für Pauschalreisen. Weil die Osterferien in den März fielen, drückte dies die Inflationsrate im April nach unten. Urlaubsreisen kosteten 7,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zudem hatten im vergangenen Jahr einige Bundesländer Studiengebühren eingeführt - dieser zusätzliche Teuerungsschub fiel nun weg.
Im März hatten teure Energie und hohe Lebensmittelpreise die Inflationsrate noch auf 3,1 Prozent getrieben. Der Höhepunkt der Teuerungswelle dürfte nach Ansicht von Ökonomen überschritten sein. Auch im Euro-Raum sank die Inflationsrate im April nach Angaben der Europäischen Statistikbehörde Eurostat auf 3,3 Prozent nach 3,6 Prozent im Vormonat. Hohe Preise für Benzin und Nahrungsmittel wie Brot und Milchprodukte heizen aber weiter die Inflation in Europa an. Die neuen Zahlen zeigen, dass sich die Inflation im Euro-Raum zwar etwas abgeschwächt hat, dennoch liegt sie nunmehr seit November 2007 über der Marke von 3,0 Prozent und damit deutlich über dem Bereich der Preisstabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank (EZB) von unter, aber nahe 2,0 Prozent Inflation.
Unterdessen gab es auch gute Nachrichten aus dem Bereich Konjunktur: Das Wachstum im ersten Quartal war in Deutschland überraschend so stark wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 1,5 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte (siehe dazu auch: Stärkstes Wachstum seit fast zwölf Jahren).
Preistreiber waren Öl und Benzin
In Sachen Inflation ist die Europäische Zentralbank allerdings der Ansicht, für Entwarnung sei es noch zu früh. Die Notenbanker erwarten für den Euro-Raum eine langanhaltende Phase hoher Inflationsraten von mehr als zwei Prozent, schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht. Bei einer jüngsten Befragung der EZB hätten Experten ihre Inflationsprognosen nach oben geschraubt - bei gleichzeitig geringerem Wirtschaftswachstum. Die Fachleute sagen für das laufende Jahr eine Teuerungsrate von 3,0 (bisher 2,5) Prozent voraus. Die EZB strebt Raten von knapp unter zwei Prozent an. Für eine baldige Senkung der Zinsen im Euro-Raum gibt es daher keine Anzeichen.
In Deutschland sanken die Preise von März auf April 2008 um 0,2 Prozent. Preistreiber waren laut Statistiker weiterhin Öl und Benzin. Ohne Einrechnung der Mineralölprodukte hätte die jährliche Teuerungsrate nur 1,7 Prozent betragen. Kraftstoffe verteuerten sich um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, darunter Diesel um 17,2 Prozent. Am stärksten stiegen die Preise für leichtes Heizöl (plus 38,9 Prozent). Auch für Strom und Gas mussten Verbraucher deutlich mehr zahlen.
Preisschub bei Lebensmitteln setzte sich fort
Der seit Monaten anhaltende Preisschub bei Lebensmitteln setzte sich fort. Nahrungsmittel waren im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent teurer. Außergewöhnliche Preissteigerungen beobachteten die Statistiker bei Milch (31 Prozent), Quark (47 Prozent) und Eiern. Auch für Obst, Brot und Nudeln mussten Verbraucher mehr ausgeben. Dagegen verbilligte sich Gemüse, vor allem Tomaten (minus 19,4 Prozent) und Salat (minus 23,8 Prozent).
Im Monatsvergleich erklärt sich der Preisrückgang von 0,2 Prozent gegenüber März insbesondere durch saisonbedingte Preisnachlässe für Reisen. Dagegen wurden Heizöl und einige Nahrungsmittel teurer. Bei den Lebensmitteln gab es gegensätzliche Entwicklungen: Während Butter billiger wurde, kostete Margarine mehr. Milch und Brot wurden nur noch geringfügig teurer (plus 0,3 Prozent).
Text: FAZ.NET mit Material von DPA
Bildmaterial: ASSOCIATED PRESS
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