02. Juli 2007 Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin wird künftig nicht mehr an der Gemeinschaftsdiagnose für das Bundeswirtschaftsministerium beteiligt sein. In der erstmals offenen Ausschreibung für die halbjährliche gemeinschaftliche Konjunkturdiagnose hat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sich nach Informationen aus Regierungskreisen für vier andere Institute oder Konsortien entschieden.
Danach erhalten für die kommenden drei Jahre folgende Institute den Zuschlag für das Gutachten, das mit 1,3 Millionen Euro im Jahr dotiert ist:
- das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel,
- das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen in Kooperation mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien,
- das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (Kof) sowie
- das Dreier-Konsortium des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und des österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo.
Diese Institute werden von Herbst an bis Frühjahr 2010 die Gemeinschaftsdiagnose erstellen.
Das DIW protestierte am Montagabend in einer Pressemitteilung gegen seinen Ausschluss aus der Gemeinschaftsdiagnose und kündigte an, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Das Institut warf Glos vor, sich von einer linkskeynesianischen Kampagne beeinflusst haben zu lassen und verwies auf die hohe wissenschaftliche Kompetenz seiner Konjunkturabteilung. Die Fachebene des Ministeriums hatte Glos empfohlen, das DIW nicht mehr zu berücksichtigen (Dem DIW droht der Abstieg aus der ersten Liga).
Das DIW hatte sich zusammen mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim beworben, das nun gleichfalls mit leeren Händen dasteht. Beide Institute sind Mitglied der renommierten Leibniz-Gesellschaft. Das Ministerium entschied sich zugleich gegen Angebote des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln und des Bak-Instituts aus Basel. Die Kritik des DIW richtet sich gegen die Aufnahme des Konsortiums um das gewerkschaftsnahe IMK, das von dem früheren Konjunkturchef des DIW, Gustav Horn, geleitet wird.
Text: ami./pwe.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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