05. August 2008 Italiens Konjunktur leidet mehr als die anderer Länder unter den hohen Energiepreisen. Zudem sind die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten, eines der wichtigsten Abnehmerländer, zuletzt eingebrochen. Auch im Export nach Deutschland und Frankreich gibt es Anzeichen für Schwäche.
Die Hersteller von Luxusartikeln und Mode können jedoch sinkende Umsätze in den westlichen Industrieländern wettmachen durch eine steigende Nachfrage in den Ölstaaten. Sowohl für die arabischen Staaten als auch für Russland zeigen die ersten Daten für 2008 einen reißenden Absatz.
Düstere Aussichten
Die Exporterfolge mit Luxusprodukten können jedoch die Mängel der italienischen Wirtschaftsstruktur mit niedriger Produktivität kaum wettmachen. Daher liegen die Wachstumsprognosen weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt. Während die Regierung im vergangenen Jahr für 2008 noch mit einem realen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,9 Prozent rechnete, hat der neue Schatzminister Giulio Tremonti die Prognose auf 0,5 Prozent reduziert. Diese Prognose basiert auf der Annahme eines durchschnittlichen Ölpreises von 118 Dollar je Barrel (159 Liter).
Noch mehr Tristesse verbreitet die neue Konjunkturprognose des Unternehmerverbands Confindustria: Er rechnet bei einem Ölpreis von 90 Dollar mit 0,4 Prozent Wachstum und bei 130 Dollar mit 0,1 Prozent Wachstum. Im zweiten Quartal ist die Industrieproduktion gesunken, viele rechnen mit einer allgemein schrumpfenden Wirtschaftsleistung.
Da Italien völlig auf Kernkraft verzichtet hat, ist es nun völlig von Gas- und Öleinfuhren abhängig und muss in diesem Jahr 3,4 Prozent des BIP zusätzlich für die gestiegene Energierechnung aufbringen. Die gestiegenen Energiepreise schlagen sofort auf die Verbraucherpreise für Heizung und Strom durch. Dafür hat die Schwerfälligkeit des Wirtschaftssystems bisher größere Entlassungen erspart. Zugleich hat Fiat jedoch für September Kurzarbeit angekündigt, dies könnte ein Vorbote sein für schlimmere Nachrichten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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