15. Februar 2008 Die Verbraucher müssen sich auf weiter steigende Preise für Lebensmittel einstellen. Das wird nach Ansicht von Fachleuten bald auch für Produkte gelten, die in den vergangenen Monaten noch weitgehend preisstabil waren. "Rind und Schwein werden in der zweiten Jahreshälfte teurer", sagt Paul Michels, Leiter der Marktforschung der ZMP. Die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft erfasst die Entwicklung der Preise etwas detaillierter als das Statistische Bundesamt.
Das zu erwartende knappere Angebot an Schweinefleisch ist eine Folge des Produktionszyklus von neun Monaten. Wegen der schwachen Erzeugerpreise werden weniger Ferkel großgezogen. Außerdem seien die Veredlungsbetriebe, also alle Erzeuger von Tierprodukten, in der Kostenfalle. Infolge der in den vergangenen Monaten kräftig gestiegenen Preise für Getreide ist auch das Viehfutter teurer geworden. Wegen des hohen Anteils am Endpreis von Fleisch und Milch schlagen diese an der Ladentheke entsprechend durch. Derzeit bekommt der Landwirt für ein Ferkel rund 40 Euro. Um kostendeckend arbeiten zu können, müssten es nach Ansicht der Bauern 65 Euro sein.
Preisauftrieb kaum verlangsamt
Insgesamt hat sich der Preisauftrieb für Frischeprodukte im Januar mit 8,3 Prozent gegenüber dem Vormonat mit 9,7 Prozent kaum verlangsamt. Für 2007 weist die Statistik der ZMP gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 4,6 Prozent aus. Geflügel ist 11,4 Prozent teurer geworden, Milchprodukte 14,5 Prozent. Der Preis des Schweinefleischs hat sich dagegen fast nicht bewegt, der des Rindfleischs beginnt gerade anzuziehen.
Zur Entwarnung ist auch auf mittlere Sicht kein Anlass. "Die Lebensmittelpreise steigen weiter", prognostiziert Peter Feller, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Das gelte vor allem für Getreide und Ölsaaten und in der Folge für Milch und Fleisch. Dafür gebe es drei Gründe: Seit 2000 sind (mit Ausnahme des Jahres 2003) die Welternten unzureichend. Zugleich steigt die Weltbevölkerung jährlich um rund 80 Millionen Menschen. Im Jahr 2050 werden rund 9 Milliarden Menschen zu ernähren sein, zurzeit sind es 6,2 Milliarden. Mit zunehmendem Wohlstand, etwa in China und Indien, steigt die Nachfrage nach veredelten Nahrungsmitteln und damit auch nach Tierfutter. Deshalb wurden in den vergangenen Jahren die Lager geleert, jetzt steigen die Preise der Rohstoffe. Die landwirtschaftliche Fläche sei kaum zu erweitern, sagt Feller. Folglich richten sich die Anstrengungen darauf, die Effizienz zu steigern.
Bedenken wegen Biosprit
Mit Blick auf die mittelfristige Entwicklung der Preise sorgt sich die Ernährungsindustrie wegen der geplanten höheren Beimischung von Biodiesel und Ethanol zum Kraftfahrzeugtreibstoff. Der Verband habe Bedenken angemeldet, sagt Feller. Denn noch ist nicht klar, wo die benötigte Menge Biosprit herkommen soll. Der BVE wendet sich dagegen, langfristig Quoten festzuzurren, weil der Biotreibstoff mit der Nahrungsmittelproduktion um die knappen Flächen konkurriert.
Dass das Essen in den nächsten Jahren unerschwinglich werde, ist freilich nach Ansicht der Fachleute nicht zu befürchten. Etwa 12 Prozent der Konsumausgaben der Deutschen fließen in Nahrungsmittel, das ist wesentlich weniger als in früheren Jahrzehnten. Hinzu kommt: Hierzulande sind die Preise für Lebensmittel immer noch um 6 Prozent niedriger als im Durchschnitt der Europäischen Union.
Text: Web., F.A.Z., 16.02.2008, Nr. 40 / Seite 11
Bildmaterial: F.A.Z.
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