Konjunktur

Ausfuhren 2005 auf Rekordkurs

08. Februar 2006 Die deutsche Wirtschaft hat im vergangenen Jahr einen neuen Exportrekord aufgestellt. Insgesamt wurden 2005 Waren im Wert von 786,1 Milliarden Euro ausgeführt, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das waren 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Dennoch sind die neuen Daten von Ökonomen mit Enttäuschung aufgenommen worden.

Die Einfuhren stiegen um 8,7 Prozent auf 625,6 Milliarden Euro. Damit dürfte Deutschland nach Einschätzung von Experten seine Stellung als Exportweltmeister verteidigt haben. Die Handelsbilanz schloß mit einem Rekordüberschuß von 160,5 Milliarden Euro ab, die Leistungsbilanz mit 90,4 Milliarden Euro.

Im Dezember lagen die Ausfuhren nach Angaben des Amtes bei 66,6 Milliarden Euro und damit 11,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Die Importe legten um 17,4 Prozent auf 57,4 Milliarden Euro zu. Die Handelsbilanz schloß mit einem Überschuß von 9,2 Milliarden Euro ab, die Leistungsbilanz mit 6,3 Milliarden Euro. Den Handelsbilanzüberschuß hielten Volkswirte für überraschend gering. Die von Dow Jones befragten Fachleute hatten im Konsens einen Überschuß von 12,0 Milliarden Euro erwartet, die von Reuters befragten Analysten gar 13 Milliarden Euro.

„Keine gute Nachricht für die Wachstumsentwicklung“

Abgesehen von den üblichen jahreszeitlichen Schwankungen (saisonbereinigt) lagen die Exporte im Dezember um 0,8 Prozent über dem Niveau vom November, während die Importe um 5,8 Prozent zulegten.

Bankvolkswirte sagten, die Zahlen seine keine gute Nachricht für die Wachstumsentwicklung im Schlußquartal 2005. Es sei damit zu rechnen, dass der Außenhandel allenfalls einen geringen Wachstumsbeitrag zum Bruttosozialprodukt (BIP) geleistet habe. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, daß die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal überhaupt nicht mehr gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist.

Real dürfte sich der Außenhandelsüberschuß zwischen Oktober und Dezember vergangenen Jahres deutlich verringert haben, erklärten die Ökonomen. Damit sei voraussichtlich mit einem negativen Beitrag zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu rechnen, kommentierten die Commerzbank-Experten. Bei der HVB Group hieß es, vom Außenhandel seien allenfalls geringe Wachstumsimpulse im vierten Quartal gekommen.

Grundsätzlich steigt damit die Wahrscheinlichkeit, daß die deutsche Wirtschaft im Schlußquartal 2005 überhaupt nicht mehr gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist, da zuletzt schon andere Konjunkturindikatoren des vierten Quartals enttäuschend ausgefallen waren. Die Entwicklung einer stagnierenden Wirtschaft hatte bereits das Statistische Bundesamt angedeutet, allerdings war dies vielfach angezweifelt worden. Die Wiesbadener Statistiker werden die Viertquartalsdaten zum deutschen BIP am kommenden Dienstag veröffentlichen.

Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, Dow Jones
Bildmaterial: dpa

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