Weltwirtschaft

G-7-Länder untersuchen Risiken der Hedge-Fonds

G7-Treffen: Bundesregierung hat keine hohen Erwartungen

G7-Treffen: Bundesregierung hat keine hohen Erwartungen

08. Februar 2007 Die Bundesregierung erwartet nicht, dass bei dem Treffen der sieben großen Industriestaaten (G 7) am Wochenende in Essen viel Bewegung in die Diskussion um mehr Transparenz für hochspekulative Anlagefonds (Hedge-Fonds) kommen wird. Eine schnelle Einigung sei nicht zu erwarten, sagte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow am Mittwoch in Berlin. Es sei nicht geplant, noch in diesem Jahr etwas Abschließendes vorzulegen. Das Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der Siebenergruppe findet am Freitag und Samstag unter Vorsitz von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in der Villa Hügel in Essen statt.

Neben Diskussionen über Wechselkurse und Fragen der Finanzmärkte dienen diese Treffen üblicherweise auch dazu, Initiativen für das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Siebenergruppe im Sommer anzustoßen, das in diesem Jahr in Heiligendamm stattfinden wird. Themen sind am Wochenende unter anderem eine Initiative zur Stärkung der Anlagemärkte in Schwellenländern und die Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF), dem ein Finanzloch droht. Unlängst hatte eine Expertengruppe dem IWF Goldverkäufe empfohlen, um seine Finanzierung zu sichern (F.A.Z. vom 1. Februar). Zu der Siebenergruppe gehören die Vereinigten Staaten, Kanada, Japan, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Italien und Deutschland.

Risiken, keine Gefahr

Mirow sagte dieser Zeitung, es gehe bei der Hedge-Fonds-Initiative darum, mögliche Risiken besser beurteilen zu können. Der Begriff "Gefahr" leite dabei in die Irre. "Hedge-Fonds sind für die Finanzierung der Volkswirtschaften von eminenter Bedeutung", sagte Mirow. Die Forderung nach mehr Transparenz für Hedge-Fonds treibt Notenbanker und Politiker in Europa schon seit längerem um. Über das gesamte Anlagevolumen dieser Fonds gibt es nur grobe Schätzungen; eine davon lautet auf rund 1,3 Billionen Dollar. An den Börsen in London oder New York werden nach Studien in manchen Märkten 40 bis 50 Prozent des Umsatzes durch Hedge-Fonds generiert. Dies verdeutlicht das Risiko für die Finanzmarktstabilität, das sich ergeben kann, wenn wie 1998 beim Zusammenbruch des Long Term Capital Fonds (LTCM) in New York einzelne Fonds in eine Schieflage geraten.

Die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich haben sich bislang zögerlich gezeigt, über eine Kontrolle oder mehr Transparenz für Hedge-Fonds zu sprechen. Mirow sagte, dass man "Offenheit bei der Problemanalyse" erlebe. "Für uns ist es wichtig, unseren Partnern deutlich zu machen, dass es nicht um einen Vorstoß gegen das Geschäftsmodell geht." Wenn es gelinge, durch mehr Transparenz systemische Risiken für die Finanzmärkte zu verringern, stelle dies eher eine Stärkung für die Finanzindustrie dar.

Mehr Transparenz - aber wie?

Bei den Diskussionen in Essen geht es nicht um eine Regulierung der Hedge-Fonds, sondern um mehr Transparenz über deren Geschäfte. Dabei sind viele Fragen offen. Unklar ist zum Beispiel, wer wie die Daten von Hedge-Fonds sammeln soll - direkt bei den Fonds oder indirekt bei ihren Kreditgebern und bei den Instituten, die für die Fonds Handelsgeschäfte ausführen (Prime Broker). Die Diskussion dreht sich um den indirekten Ansatz, also um Auflagen für Institute, die im Gegensatz zu den Hedge-Fonds reguliert werden. Unklar ist, was man mit den Daten über Hedge-Fonds macht, wenn sie denn vorlägen. Mirow sagte, zu mehr Transparenz gehöre sicher auch ein Überblick über die Investitionen, die von Hedge-Fonds finanziert werden. Auch die Frage, wie diese in den Kreditbüchern der Partner abgesichert seien, könne von Interesse sein.

Mit welchen institutionellen Lösungen Risiken der Hedge-Fonds begrenzt werden können, ist gleichfalls offen. Gelegentlich wird ein freiwilliger Verhaltenskodex ins Gespräch gebracht. Edgar Meister, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, hatte vor wenigen Monaten als marktwirtschaftliche Lösung vorgeschlagen, dass Hedge-Fonds sich von Rating-Agenturen bewerten lassen sollten. Die Europäische Zentralbank, deren Präsident Jean-Claude Trichet in Essen dabeisein wird, zeigt eine Präferenz für ein Kreditregister, in dem Ausleihungen an Hedge-Fonds erfasst würden. Unklar ist bei all diesen Überlegungen, wie zeitnah der schnelle Handel der Hedge-Fonds erfasst werden kann, um Risiken auf der Stelle zu erkennen.

Als Schwierigkeit wird auch gesehen, dass eine Offenlegung von Positionen der Hedge-Fonds andere Marktteilnehmer zu gleichgerichtetem Handelsverhalten verleiten könnte, was weitere Risiken hervorriefe und womöglich die volkswirtschaftlich sinnvolle Funktion der Hedge-Fonds, Intransparenzen an den Märkten auszunutzen, in Frage stellt. Generell gilt, dass eine Transparenz der Hedge-Fonds nur dann sinnvoll zu erreichen ist, wenn alle Fonds erfasst werden - auch diejenigen, die auf den Bermudas oder den Cayman-Inseln residieren.

Unterschiedliche Positionen zur Yen-Schwäche

In der Wechselkursfrage prallen bei dem G-7-Treffen die Positionen Europas, Japans und Amerikas aufeinander. Während manche europäische Politiker angesichts des schwachen Yen durchaus Druck auf Tokio ausüben wollen, sorgen die Amerikaner sich eher um den Yuan und die Währungspolitik Chinas (Die Schwäche des Yen sorgt für viel Wirbel). Chinas wachsende wirtschaftliche Bedeutung zeigt sich darin, dass Vertreter des Landes an der Gesprächsrunde über die wirtschaftliche Lage und die Wechselkurse am Samstag teilnehmen werden. Russland ist nicht beteiligt, obwohl es zur Achtergruppe der Staats- und Regierungschefs (G 8) gehört.

Ein Thema der Siebenergruppe wird sein, wie die afrikanischen Staaten unabhängig werden können von externen Geldgebern. Afrika dürfe nicht erneut in eine einseitige Abhängigkeit geraten, nachdem man gerade das Schuldenproblem gelöst habe, sagte Mirow. In der Debatte wird nach seiner Darstellung der französische Minister Thierry Breton zudem das Problem der Produktpiraterie ansprechen. Dies sei ein "hochwillkommener" Beitrag. In den nächsten acht bis zehn Wochen werde sich vermutlich klären, ob es eine Chance gebe, die Welthandelsrunde noch einmal ernsthaft aufzugreifen, sagte Mirow.

Die Siebenergruppe wird zudem einen Blick auf die Anleihenmärkte in den Schwellenländern werfen. Sie sollen gefördert werden, um Risiken für die Finanzmarktstabilität zu verringern. Dabei diskutierte Fragen sind nach Angaben Mirows, welche "best practice" es gebe, wie die Siebenergruppe helfen könne und welche Rolle dabei IWF und Weltbank hätten. Dies soll zum Auftakt mit den Ministern aus China, Indien Russland, Mexiko, Südafrika und Brasilien erörtert werden.

Text: mas./pwe. / F.A.Z., 08.02.2007, Nr. 33 / Seite 10
Bildmaterial: dpa

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