Konjunktur

Deutsches Wirtschaftsklima erholt sich

26. April 2004 Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April wieder aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft stieg von 95,4 auf 96,3 Punkte. Das Plus gründet in einer verbesserten Bewertung der aktuellen Geschäftslage. In den vorherigen zwei Monaten war der Index gefallen.

Die Entwicklung lasse auf eine weitere, wenn auch moderate Konjunkturerholung schließen, erklärte der Präsident des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, am Montag. Von einem gefestigten Aufschwung könne aber noch nicht gesprochen werden. Das Geschäftsklima habe sich in den alten wie in den neuen Bundesländern in etwa gleich stark verbessert. Bis auf das Baugewerbe erlebten im April alle Branchen eine Verbesserung des Geschäftsklimas.

Die Beobachter an den Finanzmärkten reagierten erleichtert auf die neuen Daten zum Geschäftsklima. Volkswirte hatten im Durchschnitt die dritte Verschlechterung in Folge erwartet. Das wäre nach einer Faustregel das Signal für eine Konjunkturwende nach unten gewesen. So aber bleiben die Hoffnungen auf eine Fortdauer der Erholung auch für den Euro-Raum bestehen. Auch das belgische Geschäftsklima hatte sich im April spürbar verbessert; es gilt als guter Indikator der Entwicklung im Euro-Raum.

Lage besser eingeschätzt

Bankenvolkswirte werteten vor allem als positiv, daß die rund 7000 vom Ifo-Institut befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage deutlich positiver als zuvor einschätzten. Der entsprechende Teilindex liegt mit 94,9 Punkten nun so hoch wie zuletzt im Frühjahr 2001 und über seinem langjährigen Durchschnitt. Damit eröffne sich die Chance, daß die Wirtschaft im zweiten Quartal an Fahrt aufnehme, heißt es in einer Analyse der Deka-Bank. Im ersten Quartal war die deutsche Wirtschaft nach Schätzungen nicht schneller gewachsen als im zweiten Halbjahr 2003.

Dagegen haben die Unternehmen ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate abermals gesenkt; der Teilindex fiel von 98,8 auf 97,8 Punkte und liegt so hoch wie zuletzt im Herbst 2003. Mehrheitlich meinen Ökonomen, daß die Unternehmen lediglich ihre zuvor übertriebenen Erwartungen korrigiert hätten. Doch mahnen kritische Stimmen wie die Ökonomen von HSBC, daß die Lageeinschätzung der Konjunktur hinterherlaufe und daß die erneut schlechtere Beurteilung der Erwartungen auf eine Trendwende hinweise.

Ölpreis drückt Erwartungen

Nach Angaben des Ifo-Instituts hat der zuletzt gestiegene Ölpreis, der sich angesichts des schwächeren Euro nun auch hierzulande auswirkt, die Geschäftserwartungen gedrückt. Im Gegenzug aber ließ der schwächere Euro die Exporterwartungen der Industrie weiter steigen. Auf eine allmähliche Verbesserung auch der Binnenkonjunktur deutet hin, daß sich das Geschäftsklima im Einzelhandel nach dem Einbruch im März im April deutlich erholt hat. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen wurden hier besser eingeschätzt. Ob sich die wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres fortsetze, hänge von der weiteren Entwicklung der schwachen Binnennachfrage ab, schreiben die Ökonomen der Deutschen Bank.

Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute, die an diesem Dienstag ihr Frühjahrsgutachten offiziell vorlegen werden, haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland für dieses Jahr nach Medienberichten gesenkt. Sie rechneten nur noch mit einem Wachstum von 1,4 bis 1,5 anstatt bisher 1,7 Prozent, heißt es. Angesichts des schwachen Wachstums in den ersten drei Monaten des Jahres verbirgt sich dahinter die Erwartung einer Beschleunigung der Konjunktur im Jahresverlauf.



Text: pwe. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2004, Nr. 98 / Seite 11
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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