Konjunktur

Währungsfonds fürchtet eine globale Rezession

Von Claus Tigges

09. April 2008 Die Weltwirtschaft wird womöglich von den Folgen der amerikanischen Hypothekenkrise und den Turbulenzen an den Finanzmärkten in eine Rezession hineingezogen. Das befürchtet der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem neuen Bericht zur Lage der Weltwirtschaft, in dem er ein recht düsteres Bild von den Konjunkturaussichten in vielen Ländern zeichnet. Die Ökonomen des IWF haben angesichts der fortwährenden Spannungen an den Märkten ihre Prognose für das Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr von 4,1 Prozent im Januar auf 3,7 Prozent verringert. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass das Wachstum 2008 oder 2009 auf nur 3 Prozent falle – was nach verbreiteter Definition eine Rezession der Weltwirtschaft darstellt.

„Die amerikanische Wirtschaft wird dieses Jahr eine milde Rezession durchmachen, vor allem deshalb, weil sich die Häuser- und die Finanzkrise gegenseitig verstärken“, sagte IWF-Chefökonom Simon Johnson anlässlich der Vorstellung des Berichts. Davon könne sich auch Europa nicht völlig lösen, sowohl mit Blick auf die Finanzmarktturbulenzen als auch auf den Export nach Amerika. Nach Auskunft Johnsons rechnet der Fonds für Amerika mit einem Wachstum von 0,5 Prozent im Gesamtjahr 2008 und von 0,6 Prozent 2009. Die Prognose für den Euro-Raum hat der IWF im Vergleich zu Januar um 0,2 Prozentpunkte auf 1,4 Prozent Wachstum gesenkt. 2009 seien nur 1,2 Prozent zu erwarten, 0,7 Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn prognostiziert. Der Fonds bestätigte Meldungen, wonach er für Deutschland einen Anstieg des BIP von 1,4 Prozent in diesem und von 1 Prozent im kommenden Jahr voraussagt.

„Es könnte zu einer Abwärtsspirale kommen“

Wie der Chefökonom weiter erläuterte, sind die Risiken für diesen Ausblick größer als die Chancen, dass es zu einem besseren Konjunkturverlauf kommt. „Das liegt vor allem an der Verfassung der Finanzmärkte. Dort sind die Schwierigkeiten noch längst nicht überwunden, es könnte zu einer Abwärtsspirale kommen“, warnte Johnson. Eine schwere Kreditklemme, die es Konsumenten und auch Unternehmen nahezu unmöglich machte, neue Darlehen zu erhalten, sei nicht auszuschließen. Johnson wies darauf hin, dass eine Reihe von Schwellenländern wie China, Indien und andere von den Schwierigkeiten bisher weniger stark in Mitleidenschaft gezogen worden seien.

Die Wirtschafts- und Finanzpolitik steht nach Darstellung des IWF derzeit in vielen seiner 185 Mitgliedsländer vor großen Herausforderungen. Die Ökonomen loben das milliardenschwere Konjunkturpaket, das Regierung und Kongress in Amerika kürzlich geschnürt haben, und sehen noch Spielraum für zusätzliche finanzpolitische Impulse. Auch die aggressiven Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank sowie eine weitere Lockerung der Geldpolitik seien gerechtfertigt, bis es Hinweise auf eine Stabilisierung der Konjunktur gebe. Einen Spielraum zu Zinssenkungen gebe es auch im Euro-Raum, meint der Fonds. Dort sei zwar die Inflationsrate derzeit noch zu hoch, doch es bestünden gute Chancen, dass die Teuerung im Jahr 2009 auf weniger als 2 Prozent falle. Johnson sagte aber auch, dass der Preisaufschwung an vielen Rohstoffmärkten, von Energieträgern bis zu Nahrungsmitteln, trotz der Abkühlung der globalen Konjunktur ungebrochen sei. „Die Inflationsrisiken sind größer geworden.“ Dies müssten die Währungshüter, auch in Amerika, in ihre Überlegungen einbeziehen. Der IWF legt seinen Wachstumsprognosen einen durchschnittlichen Ölpreis von 95,50 Dollar je Fass in diesem und von 94,50 Dollar 2009 zugrunde.

IWF appeliert für flexible Wechselkurse

Der Fonds geht in seinem Bericht auch auf die Verschiebungen im Wechselkursgefüge und die Schwäche des Dollar ein. Die amerikanische Währung habe seit Mitte 2007 als Folge eines schwindenden Vertrauens internationaler Anleger deutlich an Wert verloren. Auch die Zinssenkungen der Federal Reserve spielten in diesem Zusammenhang eine Rolle. Das habe zwar den amerikanischen Export beflügelt und das Defizit in der Leistungsbilanz von mehr als 6,5 Prozent des BIP 2006 auf weniger als 5 Prozent gedrückt. Die Hauptlast dieser Anpassung hätten aber bisher Währungen wie der Euro, der Yen und der kanadische Dollar getragen. Länder wie China und eine Reihe von erdölexportierenden Ländern im Nahen Osten hätten hingegen keine nennenswerte Aufwertung ihrer Währungen zugelassen.

Der IWF appelliert an diese Länder, ihre Wechselkurse zu flexibilisieren und sich dadurch bessere Möglichkeiten zu einer eigenständigen, auf die Sicherung der Preisstabilität gerichteten Geldpolitik zu schaffen. Der Weltwirtschaftsbericht dient den Finanzministern und Notenbankgouverneuren der IWF-Mitglieder als Grundlage ihrer Diskussionen auf dem Frühjahrstreffen am Wochenende in Washington.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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