IWF

Strauss-Kahn wird neuer Chef

Der neue IWF-Chef Strauss-Kahn

Der neue IWF-Chef Strauss-Kahn

28. September 2007 Der frühere französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn wird erwartungsgemäß neuer Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Exekutivrat der Finanzinstitution habe den 58-Jährigen einstimmig gewählt, teilte der IWF am Freitag in Washington mit. Strauss-Kahn löst den Spanier Rodrigo de Rato ab, der aus persönlichen Gründen seinen vorzeitigen Amtsverzicht angekündigt hatte. Einziger Gegenkandidat war der frühere tschechische Zentralbankdirektor Josef Tosovsky.

Der frühere französische Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn wird neuer Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Wie Diplomaten am Freitag in Washington mitteilten, setzte sich Strauss-Kahn bei der Bewerbung um die Nachfolge des ausscheidenden IWF-Chefs, des Spaniers Rodrigo Rato, durch. Neben Strauss-Kahn hatte sich auch der frühere tschechische Zentralbankchef Josef Tosovsky um das Amt beworben.

Die Bewerbung des 58-jährigen französischen Sozialisten wurde von der EU und den USA unterstützt. Die Amtsübergabe von Rato an seinen Nachfolger ist für Ende Oktober geplant. Die Leitung des IWF liegt traditionell in der Hand eines Europäers, der Chefposten der Weltbank geht üblicherweise an einen US-Kandidaten.

Strauss-Kahn wollte Präsident Frankreichs werden

Eigentlich wollte Strauss-Kahn Präsident Frankreichs werden, aber dann wurde Ségolène Royal zur Kandidatin der Sozialistischen Partei gekürt. Obwohl der als „DSK“ bekannte Dominique Strauss-Kahn zu den beliebtesten Politikern in Frankreich zählt, sah er nach der Niederlage seiner Partei bei der Präsidentschaftswahl vorerst keine politische Zukunft für sich in der Heimat.

Der Vorschlag für seine Kandidatur als Chef des Weltwährungsfonds (IWF) kam vom luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker, mit dem Strauss-Kahn gut befreundet ist.

Werbetour durch die Entwicklungsländer

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der ohnehin gerade dabei war, profilierte Politiker der Opposition abzuwerben, kam die Idee gelegen. „DSK“ machte sich auf eine Weltreise, auf der er vor allem die Entwicklungsländer von seiner Kandidatur zu überzeugen versuchte. Die Kosten der knapp 50.000 Euro teuren Werbetour übernahm die französische Regierung.

Für seine Amtszeit an der Spitze des IWF hat er sich die Reform der Organisation vorgenommen, die vor allem in Schwellenländern als arrogant und realitätsfern gilt.

Karriere als Jurist und Wirtschaftswissenschaftler

Strauss-Kahn stammt aus einer jüdisch-marokkanischen Familie und wurde im schicken Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geboren. Er machte zunächst als Jurist und Wirtschaftswissenschaftler Karriere und unterrichtete unter anderem an der französischen Elite-Verwaltungsschule ENA.

1986 wurde er zum ersten Mal ins Parlament gewählt. Elf Jahre später ernannte Präsident Jacques Chirac ihn zum Finanzminister. Strauss-Kahn verschaffte sich international Respekt, indem er Frankreich auf die Einführung des Euro vorbereitete. Er privatisierte Staatsunternehmen und brachte das Haushaltsdefizit unter den Schwellenwert von drei Prozent.

Rücktritt wegen Korruptionsvorwürfen

Nach Korruptionsvorwürfen trat Strauss-Kahn 1999 zurück. Ein Gericht bescheinigte ihm seine Unschuld, einige Monate später wurde er wiedergewählt. Er war einer der Befürworter der 2005 von den Franzosen abgelehnten EU-Verfassung. Zudem setzt er sich für den deutsch-französischen Motor innerhalb Europas ein.

Französische Medien spekulierten nach seiner Nominierung als IWF-Kandidat, ob er den Posten in Washington als Sprungbrett für einen neuen Versuch bei den französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2012 nutzen wolle. DSK betonte in seinem Vorstellungsgespräch jedoch, dass er das fünf Jahre dauernde Mandat nicht vorzeitig beenden wolle - anders als der frühere IWF-Chef Horst Köhler, der vor Ablauf seiner Amtszeit Bundespräsident wurde.

Strauss-Kahn ist seit 1991 in dritter Ehe mit der TV-Journalistin Anne Sinclair verheiratet und hat vier Kinder. Er spricht Englisch und Deutsch.

Der Internationale Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist eine der mächtigsten Finanzorganisationen. Er wurde 1944 mit der Weltbank als Sonderorganisation der Vereinten Nationen in Bretton Woods (USA) gegründet. Sein Sitz ist Washington. Jeden Herbst treffen sich die Finanzminister und Notenbankchefs der Mitgliedsländer zur Jahrestagung. Der IWF überwacht weltweit die Finanzsysteme, um bei vorübergehenden Zahlungsbilanzproblemen von Regierungen oder bei drohendem Staatsbankrott einzugreifen.

In den 90er Jahren schnürte der IWF große Kreditpakete für Indonesien, Korea, Thailand und Argentinien. In jüngster Zeit haben kaum noch Mitglieder Gelder in Anspruch genommen. Kredite sind an Auflagen geknüpft, die Bürgerrechtsgruppen scharf kritisieren. So fordert der IWF oft die Sanierung der Staatsfinanzen durch Preiserhöhungen und Subventionskürzungen.

Der IWF hat 185 Mitgliedsländer, deren Kapitaleinlagen (Quoten) sich nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft und den Währungsreserven richten. Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Die USA sind größter Anteilseigner mit rund 17 Prozent, Deutschland hat etwa 6 Prozent. Der jetzige Bundespräsident Horst Köhler stand von 2000 bis 2004 als Geschäftsführender Direktor an der Spitze des IWF.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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