Beschäftigung

Zehntausende neue Stellen

Von Rüdiger Köhn, Michael Psotta und Henrike Roßbach

25. März 2008 Die Ankündigungen von Konzernen wie Siemens, BMW oder Henkel, einige tausend Stellen abzubauen, haben jüngst die Schlagzeilen beherrscht. Insgesamt aber findet in der Wirtschaft ein breiter Beschäftigungsaufbau statt. Der Maschinen- und Anlagenbau berichtet von einer überaus starken Arbeitsmarktdynamik. Allein im Januar hat die Branche als größter deutscher Industriearbeitgeber rund 7000 neue Stellen geschaffen. Dabei fällt es den Betrieben immer schwerer, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen.

Mit den Neueinstellungen im Januar hat der Maschinenbau bereits einen Großteil seiner Prognose für dieses Jahr erfüllt. Manfred Wittenstein, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), hatte angekündigt, dass in diesem Jahr rund 10 000 neue Arbeitsplätze geschaffen und der Anteil der Zeitarbeiter ausgeweitet würden. Ende Januar beschäftigten die VDMA-Unternehmen nach Zahlen, die dieser Zeitung vorliegen, 942 000 Mitarbeiter; schon 7000 mehr als zum Jahresende 2007. Gegenüber Januar 2007 stieg die Beschäftigtenzahl sogar um 49 000 Mitarbeiter. Im Schnitt wurden im vergangenen Jahr 50 000 neue Stellen geschaffen. Damit entfielen vier von zehn neuen Industriearbeitsplätzen auf den Maschinenbau.

Arbeiten an der Kapazitätsgrenze

Im Maschinenbau wird weiterhin eingestellt

Im Maschinenbau wird weiterhin eingestellt

Angesichts der Schwierigkeiten, noch qualifizierte neue Arbeitskräfte zu bekommen, rechnet der Verband auch in diesem Jahr mit der Übernahme von Zeitarbeitern in feste Stellen. Zwar sind die Rahmenbedingungen angesichts von Dollar-Schwäche, steigender Rohstoffpreise und möglicher Auswirkungen der Finanzkrise schwieriger geworden. Doch die rund 6000 Maschinen- und Anlagenbauer haben hohe Auftragsbestände. Die Branche arbeitet an der Kapazitätsgrenze und wird wohl in ihr fünftes Rekordjahr gehen.

Spektakulär ist auch der Beschäftigungsaufbau in der Metall- und Elektroindustrie. Alleine im Januar schufen die Unternehmen 27 000 neue Stellen. Das teilte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit. Insgesamt arbeiteten im Januar 3,576 Millionen Menschen in der Metall- und Elektro-Industrie, rund 130 000 oder 3,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Nach Angaben von Gesamtmetall ist dies der stärkste Stellenaufbau seit Mitte der sechziger Jahre. Die Übernahme von Zeitarbeitern in Festanstellungen hat auch hier eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Auch die Produktion stieg im Januar gegenüber dem Vorjahr um 10,5 Prozent. Angesichts dieser Entwicklungen gehen die Unternehmen davon aus, dass sie auch in den kommenden Monaten zusätzliche Mitarbeiter benötigten.

Im März könnte die Arbeitslosenzahl auf rund 3,5 Millionen sinken

Auch die deutsche Chemieindustrie gehört zu den Branchen mit einer positiven Beschäftigungsentwicklung. 2007 stieg die Zahl der Mitarbeiter um 0,3 Prozent auf 437.300, im laufenden Jahr rechnet sie mit einem ähnlichen Anstieg. Das sieht auf den ersten Blick zwar unbedeutend aus, aber 2007 gelang es der Chemiebranche, den seit 1991 andauernden Abwärtstrend umzukehren, der rund ein Viertel ihrer Stellen gekostet hatte. Dies hing mit dem Abbau der Überbeschäftigung in der ehemaligen DDR zusammen sowie mit dem starken Rationalisierungsschub, der nun abgeschlossen scheint. Selbst wenn der aktuelle Beschäftigungsaufbau noch bescheidenen Umfang hat, dürfte er die Aussicht der Mitarbeiter auf stabile Arbeitsplätze festigen - zumal die deutsche Chemieindustrie überaus wettbewerbsfähig am internationalen Aufschwung der Branche teilnimmt.

Insgesamt rechnet die Bundesagentur für Arbeit damit, dass in diesem Jahr die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen um 300.000 steigen wird. Die nächsten Arbeitsmarktzahlen werden am 1. April veröffentlicht. Fachleute erwarten, dass die Arbeitslosigkeit im März bis auf rund 3,5 Millionen sinken könnte.

Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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