29. Juni 2007 Einen Tag nach dem angekündigten Rücktritt von IWF-Chef Rodrigo Rato ist eine Debatte um die Nachfolge des Spaniers entbrannt. Aus Entwicklungsländern kamen am Freitag Forderungen, mit der Tradition zu brechen, den Posten an der Spitze des Internationalen Währungsfonds mit einem Europäer zu besetzen. Die EU-Kommission setzt dagegen auf einen europäischen Nachfolger für Rato, der aus persönlichen Gründen nach der IWF-Herbsttagung im Oktober abtreten will.
Seitdem der IWF kurz nach dem Zweiten Weltkrieg seine Arbeit aufnahm, hat Europa alle Chefs der Finanzinstitution gestellt. Im Gegenzug kommen die Präsidenten der Weltbank als Schwesterinstitut des IWF traditionell aus den Vereinigte Staaten . Damit stehen Japan, Schwellen- und Entwicklungsländer außen vor - Allerdings sind Europa und die Vereinigte Staaten die größten Geldgeber beider Einrichtungen. Dennoch ist diese informelle Vereinbarung nach Ansicht von Entwicklungshilfe-Organisationen nicht mehr zeitgemäß. Anstatt die Suche auf Europa zu beschränken sollten die Gouverneure des IWF den Blickwinkel erweitern und auf die Expertise von renommierten Persönlichkeiten in den Entwicklungsländern vertrauen, sagte Bernice Romero von Oxfam.
Ein IWF-Vertreter aus einem Entwicklungsland machte deutlich, dass gerade angesichts des laufenden Fonds-Reformprozesses ein Bruch mit der Tradition nötig sei. Es ist wichtig für die Glaubwürdigkeit dieser Reform, dass der Auswahlprozess für Kandidaten außerhalb Europas geöffnet wird. Der IWF will unter anderem die Stimmgewichtung bei Entscheidungen ändern und dabei Schwellen- und Entwicklungsländern mehr Einfluss einräumen.
Weltbank-Chefposten blien in amerikanischen Händen
Wochen vor der überraschenden Ankündigung Ratos war bereits eine heftige Debatte um den Chefposten bei der Weltbank entbrannt. Nachdem Amtsinhaber Paul Wolfowitz über eine Affäre im Zusammenhang mit der Beförderung seiner Freundin gestolpert war, kamen Forderungen nach einem Nachfolger von außerhalb der Vereinigte Staaten auf. Doch die Mitgliedsländer der Weltbank bestimmten schließlich einstimmig den früheren amerikanische Vizeaußenminister Robert Zoellick zum neuen Chef. Er tritt sein Amt am 1. Juli an. Wegen der Unterstützung der Europäer für Zoellick erwarten Beobachter nicht, dass sich die Vereinigte Staaten nun einem europäischen Nachfolger für die Rato-Nachfolge in den Weg stellen werden.
Wir hoffen, dass die EU zu gegebener Zeit einen geeigneten Kandidaten identifiziert, sagte eine Sprecherin von Währungskommissar Joaquin Almunia. Auch die spanische Vize-Ministerpräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega betonte, ihr Land arbeite daran, einen europäischen Nachfolger für Rato zu finden.Wir bedauern natürlich, dass ein Spanier von diesem Posten abtritt. Die Bundesregierung hielt sich in der Nachfolgedebatte dagegen bedeckt. Ein Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück sagte lediglich, Deutschland werde dies zunächst mit den europäischen Partner diskutieren. Bundespräsident Horst Köhler war der Vorgänger Ratos an der IWF-Spitze.
Einige potenzielle Nachfolger brachten sich derweil selbst aus dem Spiel. Italiens Notenbankchef Mario Draghi und sein britischer Kollege Mervyn King betonten, sie hätten kein Interesse an dem Job. Auch der Chef der Osteuropa-Bank, Jean Lemierre, wird
als Kandidat gehandelt. Dieser äußerte sich zunächst nicht. Rato hatte sich 2004 gegen Lemierre durchgesetzt, der von Deutschland und Frankreich unterstützt worden war.
Text: Reuters
Bildmaterial: AP
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