17. Juni 2008 Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren für Deutschland haben sich im Juni weiter verschlechtert und dabei den tiefsten Stand seit Dezember 1992 erreicht. Nach der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel der Index der Konjunkturerwartungen auf minus 52,4 von minus 41,4 Punkten im Mai. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang des Index auf minus 42,0 Punkte vorhergesagt.
Der Index, der die Einschätzungen zur aktuellen Konjunkturlage abbildet, verschlechterte sich im Juni auf plus 37,6 Punkte nach plus 38,6 im Vormonat. Vor einem Jahr hatte dieser Index mit 88,7 Punkten noch ein Allzeithoch verzeichnet. Die Prognose für Juni hatte hier auf plus 37,3 gelautet.
Pessimismus auch in der Eurozone
Die Konjunkturerwartungen für die gesamte Eurozone trübten sich den weiteren Angaben zufolge auf minus 52,7 Punkte (Mai: minus 43,6) ein. Der Index für die aktuelle Lage wurde für Juni mit plus 7,9 (plus 11,4) Punkten angegeben. Die Indexergebnisse basieren auf einer Umfrage unter 264 Finanzexperten, was deutlich unter der Zahl der vergangenen Monate lag.
Der Rückgang der Konjunkturerwartungen ist dem ZEW zufolge auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen suggerierten wiederholt rückläufige Auftragseingänge eine sich abschwächende Konjunkturdynamik für die kommenden sechs Monate, zum anderen verringerten die anhaltend hohen Preissteigerungen für Energie und Nahrungsmittel die Kaufkraft der Konsumenten. Zudem dürften sich Kreditkonditionen für Unternehmen in Folge der Finanzkrise und der erwarteten Zinserhöhung der EZB verschlechtern,
erklärten die Mannheimer Wirtschaftsforscher.
ZEW-Präsident appelliert an Bundesregierung
Die Erwartungen der Finanzanalysten sind durch Prognosen hinsichtlich einer sich abschwächenden Konjunkturdynamik im Jahr 2009 geprägt. Umso mehr kommt es darauf an, dass die Bundesregierung die wirtschaftspolitischen Weichen richtig stellt und das Erreichte nicht verspielt, kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz das Umfrageergebnis.
Mit Blick auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gab es nach dem jüngsten Signal aus dem Eurotower einen Erwartungsschwenk: Nunmehr gehen 40,6 Prozent (Mai: 8,9 Prozent) der Befragten davon aus, dass die EZB ihre Leitzinsen in den kommenden sechs Monaten erhöhen wird. Stabile Zinsen sehen 44,1 Prozent (50,3 Prozent), niedrigere Zinsen nur noch 15,3 Prozent (40,8 Prozent). EZB-Präsident Trichet hatte Anfang Juni überraschend angedeutet, dass aufgrund der gestiegenen Inflationsrisiken eine Leitzinserhöhung im Juli um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent wahrscheinlich sei.
Text: Dow Jones
Bildmaterial: AP, FAZ.NET
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