Konjunktur

„Der Export ist die große deutsche Geschichte“

Es geht weiter auf- und auswärts

Es geht weiter auf- und auswärts

10. März 2006 Der deutsche Außenhandel ist zum Jahresbeginn wieder ordentlich in Schwung gekommen. Mit 68,6 Milliarden Euro lagen die Ausfuhren 13,3 Prozent höher als vor Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Die Importe legten sogar um 18,7 Prozent auf 56,1 Milliarden Euro zu.

Dabei stieg der Handel sowohl mit den anderen europäischen Staaten als auch Drittländern zweistellig an. Zum schwachen Dezember kletterten die Exporte saison- und kalenderbereinigt um 3,3 Prozent, die Importe legten um drei Prozent zu. Bankenvolkswirte werteten den kräftigen Anstieg der Einfuhren vor allem als Beleg für ein Anziehen der Inlandsnachfrage.

Während der Exportzuwachs im Rahmen der Erwartungen lag, zeigten sich die Experten über den erneut starken Importanstieg etwas überrascht. Die von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten hatten im Schnitt mit einer Stagnation zum Vormonat gerechnet, nachdem die Importe im Dezember bereits um 5,7 Prozent zugelegt hatten, die Exporte aber nur um 0,9 Prozent. Dirk Schumacher von Goldman Sachs sagte, der Importzuwachs gehe auf höhere Energie- und Rohstoffpreise sowie die Einfuhr von Vorleistungsgütern für die Endfertigung in Deutschland zurück: „Aber der Importanstieg ist auch ein Anzeichen für ein Anziehen der inländischen Nachfrage.“

Ansteigender Trend intakt - Dezember als Ausreißer

Da für die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts die Importe von den Exporten abgezogen werden, werde der Wachstumsbeitrag des Außenhandels im ersten Quartal möglicherweise nicht so stark ausfallen wie manche erwarteten, sagte Schumacher. Anders als im Quartal zuvor würden die Netto-Exporte aber wohl das Wachstum etwas stützen. Der Saldo der Handelsbilanz stieg auf 12,5 von 9,2 Milliarden Euro im Dezember. Die Leistungsbilanz schloß mit einem Überschuß von 5,1 nach 6,0 Milliarden Euro ab.

Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein sagte, die schwachen Exporte im Dezember seien wohl ein Ausreißer in einem klar nach oben gerichteten Trend gewesen: „Der Export ist die große deutsche Geschichte.“ Die Wirtschaft profitiere von ihrer verbesserten internationalen Wettbewerbsposition und auch der Wechselkurs habe sich vorteilhafter entwickelt. Deutschland produziere zudem besonders Maschinenbauprodukte und damit Waren, die in vielen Schwellenländern benötigt werden. Nach Angaben des Amtes legten die Exporte in andere EU-Länder zum Vorjahresmonat um 14,2 Prozent zu und in Drittländer um 11,7 Prozent.

Auch in den kommenden Monaten wird der günstige Trend nach Einschätzung der Analysten anhalten. Jörg Lüschow von der WestLB sagte, der seit über einem halben Jahr starke Auftragseingang der Industrie werde sich auch in den Exporten niederschlagen: „Die vielen Großaufträge werden nach und nach abgearbeitet werden müssen.“ Auf das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal ließen die Zahlen noch nicht genügend Rückschlüsse zu. Klar sei aber: „Es geht eindeutig weiter aufwärts.“

Text: Reuters
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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