Experte Franke meldet sich zu Wort

Dopingtests in Peking „Volksverdummung“

Werner Franke: Kampf gegen die Volksverdummung

Werner Franke: Kampf gegen die Volksverdummung

26. August 2008 Doping-Experte Werner Franke hat ein vernichtendes Urteil über die Dopingtests bei den Olympischen Spielen in Peking gefällt. Dass IOC-Präsident Jacques Rogge und der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, die Spiele als sauber und den Kampf gegen Doping als erfolgreich darstellten, kommentierte Franke im MDR gewohnt drastisch: „Das ist schon nicht mehr Volksverdummung, das ist Völkerverdummung auf höchstem Niveau.“

Franke hat in Doppel-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth eine Mitstreiterin gefunden. Es sei an der Zeit, „die Doppelbödigkeit der meisten Funktionäre, die sich bis nach oben in die Weltdachverbände zieht, zu überdenken und abzuschaffen“, sagte Nasse-Meyfarth am Montagabend im HR: „Denn durch die Doppelzüngigkeit wird verhindert, dass durch die Dachverbände in allen Ländern eine standardisierte Kontrolle eingeführt wird.“

Sportereignisse ohne Doping nur ein ferner Traum

Franke erinnerte nach Angaben des Senders in dem Zusammenhang daran, dass direkt bei Olympia in der Vergangenheit immer nur wenige Dopingkontrollen positiv gewesen seien. Das hänge damit zusammen, dass Kontrollen während der Wettkämpfe falsch seien. Wer zu den Olympischen Spielen fahre und positiv sei, könne „doch nur ein Volltrottel“ sein. „Die Kontrollen hätten im Zeitraum von vier bis zehn Wochen vorher gemacht werden müssen“, monierte Franke. Doch das sei nach Meinung des Heidelbergers kaum möglich. So habe kein Kontrolleur der Welt- Anti-Doping-Agentur Wada unangemeldet nach China einreisen können.

Die ehemalige Hochspringerin Nasse-Meyfarth, die 1972 in München und 1984 in Los Angeles Gold gewann, hält große Sportereignisse ohne Doping für einen fernen Traum: „Das wird noch lange Wunschdenken bleiben, wenn die Wada da keine Macht hat, das durchzuziehen. Wenn die Dachverbände, die ihre Medaillen haben wollen, egal wie, nicht dahinter stehen, wird sich daran nichts ändern.“

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa

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