Olympia

IOC-Präsident speist die Zensur-Kritiker ab

Von Evi Simeoni, Peking

“Größtmöglicher Zugang zum Internet“: Jacques Rogge hat eine eigene Sprachregelung für die Zensur in China gefunden

"Größtmöglicher Zugang zum Internet": Jacques Rogge hat eine eigene Sprachregelung für die Zensur in China gefunden

02. August 2008 Was ist eigentlich der „größtmögliche Zugang zum Internet“? Mit dieser dehnbaren Formulierung speiste Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), am Samstagabend in Peking die Journalisten ab, die seit Tagen unter der Internetzensur im Pressezentrum leiden. Damit rückte er von seiner früheren Ankündigung ab, die Medien könnten sich im Internet „frei und unzensiert“ bewegen. Den „größtmöglichen Zugang“ habe das Organisationskomitee Bocog dem IOC zugesagt. Darunter verstanden die Chinesen Anfang der Woche noch die Sperrung von Internetseiten wie dem chinesischen Dienst des englischen Senders BBC oder der Website von Menschenrechts-Organisationen wie Amnesty International.

Mittlerweile wurde die Zensur auf Druck des IOC gelockert, das intensiv mit Bocog verhandelt hatte, aber nicht aufgehoben. Zum Beispiel war es auch den Berichterstattern dieser Zeitung bis Samstagnacht nicht möglich, Kontakt zum Server in der Frankfurter Zentrale aufzunehmen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Verbindung von chinesischer Seite bewusst blockiert wird und ein Datenaustausch damit nicht möglich ist.

Rogge will sich nicht entschuldigen - er lobt die Organisatoren lieber

„Ich werde mich nicht entschuldigen für etwas, wofür das IOC nicht verantwortlich ist“, sagte Rogge bei der offiziellen Pressekonferenz, bei der er seine reduzierten Ansprüche formulierte. „Wir führen nicht das Internet in China.“ Über einige vorbereitet wirkende Sätze hinaus erklärte Rogge die Haltung des IOC mit der Bemerkung: „Wir sind Idealisten, und Idealismus ist immer verbunden mit ein bisschen Naivität.“ Er betonte aber, es habe keinerlei Vereinbarung oder gar Einverständnis seitens des IOC mit der Zensur gegeben. Im kleinen Kreis hatte Rogge eingeräumt: „Wir müssen die Situation verbessern.“

Dagegen lobte der IOC-Präsident die Organisation der Spiele, die am kommenden Freitag eröffnet werden, in den höchsten Tönen. „Sie ist exzellent“, sagte er. Ganz besonders strich der Belgier die Qualität des Olympischen Dorfes heraus, in das nun nach und nach die Mannschaften einziehen. Auch er selbst hat vor, dort so viele Nächte wie möglich zu verbringen, um sich in der olympischen Atmosphäre von den Strapazen des Präsidenten-Daseins zu erholen.

Rogge setzt auch auf Chinas sportliche Stärke

„Dies ist das beste Olympische Dorf aller Zeiten“, erklärte er und verwies auf seine vierzigjährige Erfahrung als Bewohner solcher Unterkünfte. „Ich habe so etwas noch nie gesehen.“ Auch die Tatsache, dass die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees schon am Samstagabend ihre eigentlich auf zwei Tage festgelegten Sitzungen abschließen konnte, erklärte Präsident Rogge mit der vorbildlichen Organisation der Olympiamacher von Bocog.

Rogge kündigte an, dass die Spiele in Peking auch sportlich von Asien dominiert würden. „Schon bei der Abschluss-Pressekonferenz vor vier Jahren in Athen habe ich gesagt, dass dies die Spiele des erwachenden Asien gewesen seien.“ Er erwarte einen sehr interessanten Wettbewerb mit einer Steigerung mehrerer asiatischer Länder, aber ganz besonders Chinas, das schon in Athen den zweiten Platz im Medaillenspiegel belegte. „Erfahrungsgemäß holt eine Mannschaft im eigenen Land noch mehr Medaillen“, kündigte er an.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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