Im Gespräch: Sportphilosoph Gunter Gebauer

„Peking zeigt: Traut Euren Augen nicht“

Gebauer über Usain Bolt: “Der Hinweis darauf, dass er in eine andere Sphäre entrückt ist““Der Weltrekord würde bei 9,5 Sekunden stehen. Das hätte ihm kein Mensch mehr abgenommen““Aufgestiegen in etwas Übermenschliches““Dort geschehen Dinge, die einfach nicht möglich sind“

Bildergalerie Der 100-Meter-Lauf, sagt der Berliner Sportphilosoph Gebauer, war die größte Gemeinheit, die der Olympischen Idee angetan wurde. Das IOC lasse einen Marktplatz zu, auf dem die Show den Sport erdrücke. Das müsste nicht so sein, sagt Gebauer im FAZ.NET-Interview mit Christoph Becker.

Lesermeinungen zum Beitrag

23. August 2008 11:45

Gleich machen oder Leistung?

Josef Bujtor (Mramorak)

Ob Sport, Bildung, Wirtschaft, immer geht es um Leistung oder - was in unserem Lande gefordert wird - gleich machen. Ein Weltrekort ist für viele ein Verbrechen gegen die MItmenschen. Und genau diese Forderung kann und wird uns den Untergang bringen. Ich kann nicht erwarten, dass diese Menschen anfangen zu denken. Vielleicht schafft es die nächste Generation, die sich ja angeblich nich um Politik kümmert. Die werden sich schon auch um Politik kümmern, nur nicht so wie die 68er.

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22. August 2008 13:09

@Spaenle

H.R. Jakob (mcjakob)

Der Hochleistungssport bereitet mit der jetzigen Entwicklung seinen eigenen Untergang vor! Das beste Indiz dafür liefert die Tour de France! Was ist der Tour Sieg seit Floyd Landis denn noch wert? Heben Sie sich das Interview gut auf und lesen es in spätestens 20 Jahren noch einmal. Nichts für Ungut und vielen Dank an die FAZ für dieses großartige Interview

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22. August 2008 12:10

Das IOC ist selbst der Marktplatz

Angelika Fritz (MyDocAngel)

und ist unglaubwürdig mit der Vergabe und seinem Kniefall vor China: Keine eigene Meinung. Wer im Sport so betrügt (Eröffnungsfeier, Alter der Turnerinnen etc etc ) jedes Mittel den Zweck heiligt....und das zulässt ... Bolt hat Mut und macht sich auf seine Weise darüber lustig - ohnmächtig wie alle Sportler, die Bauern des Schachspiels.... NACH China - wenn ihnen kein chinesisches Gefängnis und keine Disqualifikation mehr droht....was werden die anderen Sportler sagen?

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21. August 2008 12:20

Ich gebe es zu

Harry Hain (zx10)

nicht alles durchgelesen zu haben (Zeitgründe). Da auch ich in einem (harten und seöbstausbeuterischen) Wettbewerb stehe. Ehrlich, gewissenhaft, gesetzesstreu, rechtschaffend, fair, sozial und ungedopt (keine Alkohol, kein Nikotin, oft mit dem Fahrrad zur Praxis fahrend, also fast CO2-frei). Patienten zu helfen. Dabei nach Möglichkeit die von den Patienten hart erarbeiteten Beiträge äußerst wirtschaftlich einzusetzen, damit die notleidenden Kassen nicht zu sehr ins "Minus" rutschen. Was das mit dem Interview zu tun hat? Na, die Lebenslüge. All diese Tugenden sind de facto Lebenslügen, weil sie leider zu wenig beachtet werden. Und wenn sie doch beachtet bzw. angewendet werden, dann wird davon kaum Kenntnis genommen. Der "Tugendhafte" darf keinerlei Anerkennung erwarten. Im Zeitalter des shareholder value zählen andere Prinzipien. Und trotzdem, diese sogenannten Lebenslügen sind doch keine Lügen. Sie sind richtig und wahr und müssen trotz aller Widerstände des aktuelle Zeitgeistes am Leben erhalten werden.

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21. August 2008 10:30

Einer der wichtigsten Beiträge zu Olympia 2008

Reinhard Bimashofer (bimashofer)

„Wir müssen uns ernsthaft überlegen, ob man den ganzen Zirkus, der im Moment stattfindet, noch weiter verfolgen will“, spricht mir der Sportphilosoph Gebauer aus der Seele. In meinem journalistischen Blog http://blog.bimashofer.eu habe ich vor drei Tagen kundgetan, dass mir die Entwicklungen im Spitzensport-Business so zuwider sind, dass ich keinen einzigen olympischen Bewerb verfolge. Viele spüren doch längst, dass wir regelmässig - auch schon im Sport - betrogen werden. Wo allzu viel Geld im Spiel ist, scheint Ethik ein Auslaufmodell ohne Medaillenchancen zu sein. Die mafiosen Strukturen schädigen bestimmt auch die integren Ausnahmeathleten, an die ich doch noch glauben mag. Schalten wir ab, nehmen wir unsere Sportausrüstung und laufen, radeln, schwimmen wir olympisch ehrlich. Friedlich und freundlich nebeneinander. Jede(r) bemüht. Im Rahmen unserer Möglichkeiten. Auch die öffentlichen Sender werden dieses Lug-und-Trug-Spektakel nicht mehr lange mit horrenden Zahlungen mitfinanzieren. Wer mit und um Olympia einmal lügt, dem glaubt man auch die abenteuerlichsten Beteuerungen nicht. Heute geht es für allzu viele auf der Welt nicht um Brot und Spiele. Brot allein genügt den meisten schon.

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21. August 2008 10:20

Mal was neues

Peter Sommer (psommer)

Die Betrachtung der Dinge aus philosophischer Sicht ist doch mal eine nette Geschichte und sachlich gesehen teile ich einige Ansichten des Autors. Es ist doch auffällig, daß die jamaikanischen Leistungen auf den Sprintstrecken explodiert sind und wir es offensichtlich gleich mit mehreren genetischen Wundern zu tun haben. Bolt hätte ohne Zweifel 9,5 laufen können - warum er es nicht getan hat, bleibt sein Geheimnis -. Die medizinische "Präparation" der Athleten ist mittlerweile sehr weit fortgeschritten und garantiert mit den jetzigen Mitteln nicht nachweisbar.

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21. August 2008 08:21

nicht FAZ würdig

Bevan Engelbrecht (bevan)

Schade das die FAZ es nötig hat ein Philosoph, zu diesem thema, zu befragen. Ganz ehrlich, ich sehe nicht die wissenschaftliche verquicken von sport und philosphie hier. Oder kann es sein das von die gefragten kandidaten für dies interview, blieb nur noch der philosoph übrig!

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21. August 2008 07:59

Wie bitte?

Matthias Spaenle (mspaenle)

Unglaublich was hier gedruckt wird. Usain Bolt's Doppel-Weltrekord ist ohne Zweifel einer der groessten Momente der olympischen Geschichte, und Herr Gebauer sollte sich gluecklich schaetzen das gesehen zu haben. Seine Geste mit den goldenen Schuhen war eine Referenz zu Michael Johnson's 200m Weltrekord in Atlanta 1996 bei dem dieser goldene Schuhe trug. Viele glaubten dass dieser Weltrekord nicht gebrochen werden koennte so lange sie lebten- und hier kommt ein 21-jaehriger und bricht ihn- bei Gegenwind, und 48 Stunden nachdem er den 100m Weltrekord in einer nie zuvor erlebten Ueberlegenheit gebrochen hat. Und sein Uebermut is voellig akzeptabel fuer einen 21-jaehrigen. Ich frage mich was Herr Gebauer im Alter von 21 erreicht hat. Und anstatt diesen pseudo-intellektuellem Unsinn hier zu veroeffentlichen stuende es ihm- und der FAZ- besser zu Gesicht sich mit dem Athleten zu freuen und ihm den Respekt zu erweisen der ihm gebuehrt. Und sollten sie damit Geld verdienen so sei es ihnen gegoennt- sie haben erreicht was keiner vor ihnen erreicht hat und vielleicht keiner wieder erreichen wird.

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21. August 2008 07:06

gedopter Autor

juergen zoschke (zoschke)

Ich frage mich wer hier mehr Stimulanzien benutzt, der Autor oder Bolt. Menschen kann man nicht züchten. Der Laufstil und die Physigonomie Bolts sind naturgegeben. Und wenn einer schreibt, das die Anwesenheit der Mutter bei Wettkämpfen sauberen Sport sysmbolisiert, dann sträben sich bei mir die Haare.

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21. August 2008 04:08

Lang leben die Superstars des Sports

Joachim Heineke (joachimheineke)

Herr Gebauer, warum sind Sie so neidisch, dass erfolgreiche Athleten auch viel Geld verdienen koennen? Warum darf man Michael Phelps oder Usain Bolt den Ruhm - und das Geld , dass folgt - nicht goennen. Sie beziehen sich auf die Fechterin, die aus Protest die Eroeffnungsfeier boykotiert hat. Die gute Dame hat das warum gemacht? Ueberzeugung? Ich nehme mal an, dass sie sonst nicht in den Medien gewesen waere, so kommt man in Fernsehen und in die Zeitung. Mit Reden hat sie Aufmerksamkeit erregt und dann? Ich lebe und arbeite seit vielen Jahren in China, mit Reden ist hier noch keiner beachtet worden. In dieser Welt geht es um Geld und die Chinesen haben das begriffen. Liu Xiang verdient mit Sport Millionen und die Chinesen vergoettern ihn, das ist Sport heute. Ich hoffe nur, dass die Randsportarten auch ihren Teil des Geldsegens abbekommen, das ist jedem erfolgreichen Sportler zu goennen. Die naive Hoffnung, dass es nur um den Geist der olympischen Idee geht ist mit Herrn Ueberroth 1984 begraben worden, Sport ist da um Geld zu verdienen und das wird auch so bleiben.

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20. August 2008 23:07

Thema Phelps

Frank Geiser (geiser123)

... ist doch eigentlich Quatsch. Wie kann Phelps als der groesste Olympionike aller Zeiten vermarktet werden aufgrund achtfachen Goldes? Im Grunde genommen ist er achtmal schnell geschwommen, wen kuemmerts ob es auf dem Ruecken, im Schmetterlingstil oder was auch immer war. Welcher ander Sportler ausserhalb der Schwimmdisziplinen hat den acht Gelegenheiten? Warum Phelps nicht auch noch bein Synchronschwimmen mitmacht wundert mich ... gibts dies eigentlich noch?

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20. August 2008 21:39

ein paar hingeworfene Gedankenfetzen, zum Spielen oder Wegwerfen

Hannes Müller (mylly)

Es geschehen keine Dinge, die unmöglich sind. Das ist per Definition nicht möglich. Wer kennt schon das absolute Minimum für die Zeit im 100m Lauf? Die Lichtgeschwindigkeit setzt eine Grenze, vielleicht auch schon die Schallgeschwindigkeit. Ich brauche keine Philosophen, die mir bestätigen, dass Menschen aus Mutterbäuchen (mit einer Ausnahme in den USA, da war es der Vaterbauch) kommen. Ist das Verwenden eines Rades natürlicher als das Einnehmen von Steroiden? Unmenschliche Bewegungen sieht man bei youtube, wenn Skateboarder über Treppengeländer und von Dächern stürzen. Exzeptionelle Existenzen gibt es auch bei Briefmarkensammlern, Serienkillern und Sonnenanbetern. Egalität gibt es nur im Kommunismus der Klone. Jeder kann sich schon lange überlegen, ob er den ganzen Zirkus anschauen will, mit Ausnahme der Regisseure, Moderatoren und Übertragungstechniker vielleicht, aber selbst die können sich durch Selbstmord dem Spektakel entziehen.

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20. August 2008 21:03

Einbahnstraße

Calpo Salmrohr (calpo_salmrohr)

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich dafür entschieden hat - sicher nicht bewusst, und dennoch - alles in Geld zu messen und Geld zum Maßstab für alles zu machen. Hier nun, im speziellen Fall einer Mega-Sportveranstaltung, entsetzt zu sein, ist reichlich naiv. Was irgendwie verkauft werden kann, wird eben verkauft, und was den Verkauf vorantreiben kann, wird benutzt. Was jetzt noch fehlt, ist die Privatisierung staatlicher Institutionen wie etwa Parteien und Parlamenten. Es fehlen nur noch der T-Com-Bundesrat und der Commerzbank-Reichstag. Produkte haben Werte abgelöst. Zurück geht's nicht mehr. Kritisches Denken? Bald ein Thema für Historiker. Gute Nacht.

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20. August 2008 18:53

Superathlet Phelps

Tom-Jean Drafer (Tom121976)

Sowohl die Ankündigung und auch die spätere Zurschaustellung der 8 Goldmedaillien u.a. in Zeitschriften, Intervies etc. empfinde ich als geschmacklos, gierig, überheblich den Konkurrenten gegenüber, so werden diese quasi lediglich als Statisten vom Athleten Phelps und dem Sportverband der USA angesehen, und gegen den olympischen Gedanken. Natürlich sollen die besten Athleten in Olympia antreten, nur muss dieses auch gleich in 8 Wettbewerben sein? Wäre eine Begrenzung auf einen Einzelwettbewerb und einem Teamwettbewerb pro Athlet nicht sinnvoll, da dadurch mehr Sportler an Olympia teilnehmen können, die Wertschätzung eines jeden Athleten für seine beiden Wettbewerbe stieg und die Spannung in vielen Wettbewerben zurückkäme?

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