14. April 2008 Gegen Konkurrenz hat Thorsten Judt nichts einzuwenden. Der Mittelfeldspieler der Offenbacher Kickers fände es sogar fahrlässig“, wenn der Zweitliga-Klub für die kommende Saison keinen Fußballprofi für die linke Außenbahn verpflichten würde. Allerdings wird sich der Neuzugang mit der ungeliebten Reservistenrolle begnügen müssen – so lautet zumindest die Prognose von Judt. Spielen werde ich dann halt wieder“, sagte der Kapitän nach dem 2:0-Heimerfolg über den TSV 1860 München und grinste.
Judt spielt und spielt – trotz seines Alters von 36 Jahren. Seit 2003 gehört er zum Offenbacher Kader, der technisch starke Mittelfeldspieler ist der älteste Feldspieler der zweiten Liga. Vor wenigen Tagen verlängerte der Linksfuß, der rund 250 Zweitliga-Partien absolviert hat, seinen Vertrag bei den Kickers um ein Jahr. Ohne Option, ganz so, wie es seiner unkomplizierten Art entspricht. Es gab keinen Verhandlungsmarathon. Das war eine Sache von fünf Minuten“, berichtet der ehemalige Profi von Bayer Leverkusen und Fortuna Düsseldorf und fügte gut gelaunt hinzu: Es gab wenige Erstliga-Angebote aus dem Ausland.“ Auch im reifen Fußballalter denkt Judt noch lange nicht an sein Karriereende. Im Moment vermag der Führungsspieler noch nicht mal zu sagen, ob der OFC sein letzter Arbeitgeber sein wird. Solange ihm die jungen Spieler nicht weglaufen, will er im Profifußball am Ball bleiben. Wenn es dann irgendwann mal anders sein sollte, werde ich selber sagen: So, das war‘s.“
Auf einer laufintensiven Position
Ausruhen kann sich Judt auf dem Platz jedenfalls nicht. Sein Betätigungsfeld auf der linken Seite zählt er zu den laufintensivsten Positionen“. Um mitzuhalten, reichen ein gutes Auge und viel Ballgefühl nicht. Doch seine Stärken helfen ihm, oft unverzichtbar für den Erfolg der Mannschaft zu sein – wie gegen die Münchner Löwen“. Beide Treffer bereitete der Kapitän in typischer Manier vor, es waren seine Assists sechs und sieben in dieser Runde. In der 30. Minute ließ Judt den bundesliga-erprobten Torben Hoffmann hinter sich und schlug den Ball gefährlich in den Münchner Strafraum. Dort beförderte der Löwe“ Fabian Johnson, der von Kickers-Stürmer Aristide Bancé bedrängt wurde, den Ball ins eigene Tor. Nach 55 Minuten das gleiche Spiel: Hoffmann konnte den Offenbacher Mittelfeldspieler abermals nicht stoppen. Dessen Flanke verwertete diesmal der OFC-Angreifer Suat Türker zum 2:0 für die Kickers. Später nannte Trainer Jörn Andersen Judt mit großem Respekt ein Schlitzohr“. Vor der Partie hatte der Norweger überlegt, ihn nicht von Beginn an spielen zu lassen. Mit einer sehr guten Leistung“ rechtfertige der 1,83 Meter große und 75 Kilo schwere Profi dann das Vertrauen des Trainers.
In der Rolle des Kapitäns nimmt Judt, der oft zu Saisonbeginn Anlaufschwierigkeiten hat, ohnehin eine Vertrauensposition ein. Vor dieser Spielzeit übernahm er das Amt von Markus Happe, der heute als Routinier die Oberliga-Mannschaft von Bayer Leverkusen verstärkt. Die Binde zu tragen, hat Judt lange nicht angestrebt. Lasst mich Fußball spielen und mit allen Nebengeräuschen in Ruhe“, lautete früher sein Motto. Als erfahrener Spieler weiß er jedoch, dass man Verantwortung übernehmen muss. Zudem glaubt Judt, ein einigermaßen gutes Standing“ in der Mannschaft zu haben. Seine Aufgabe füllt der eloquente Zeitgenosse mit Ruhe, Überblick und der erforderlichen Sensibilität aus. Wenn es sein muss, findet Judt auch klare Worte.
Vielleicht brauchen wir diesen Druck sogar manchmal
Bei den Kickers zählt er zu den Spielern, die mit dem Abstiegsdruck am besten umzugehen wissen. Wir sind es gewohnt, das ist nichts Neues. Vielleicht brauchen wir diesen Druck sogar manchmal“, sagt Judt. Dennoch wünscht er sich mal eine Saison, in der die Kickers nicht bis zum letzten Spieltag um den Klassenverbleib zittern müssten. Nach dem Sieg gegen München, der den Abstand des OFC auf die Abstiegsränge auf acht Punkte vergrößerte, sind die Offenbacher auf einem guten Weg. Jetzt müsste viel schief laufen, wenn wir das nicht schaffen“, sagte Judt. Er freut sich schon auf die kommende Saison – als Stammspieler.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
