Offenbacher Kickers

„Entscheidender Sprung“ ohne Altlasten

Von Jörg Daniels

19. Juli 2008 Der Neuanfang

Größer hätte der Umbruch kaum sein können. Aus dem Zweitliga-Kader sind nur Martin Hysky, Benjamin Baier, Maximilian Watzka sowie Torhüter Daniel Endres geblieben. 13 Profis haben sich hingegen von anderen Vereinen dem Absteiger angeschlossen. Trainer Hans-Jürgen Boysen wollte „keine Altlasten“ mit in die neue Saison nehmen. Bei der Zusammenstellung des Kaders waren dem neuen Trainer vier Dinge wichtig: Die Spieler sollten jung und gut ausgebildet sein, zudem Entwicklungspotential haben. Boysen achtete auch darauf, dass sie Deutsch sprechen. Weil die sprichwörtlich neue Mannschaft, deren Durchschnittsalter im Moment 23,3 Jahre beträgt, in neuer sportlicher Umgebung schnell zusammenwachsen muss, wollte der Trainer Verständigungsprobleme vermeiden. Noch sieht Boysen auf vier Positionen Bedarf für weitere Neuverpflichtungen. Doch alle Wünsche kann die Vereinsführung ihm aus wirtschaftlichen Gründen nicht erfüllen. Ziel ist es, in der dritten Profiliga mindestens einen gesicherten Mittelfeldplatz zu belegen.

Die Finanzen

Der Gesamtetat der Kickers liegt zwischen „4,2 bis 4,3 Millionen Euro“, sagt Thomas Kalt. Die größte Chance, das Budget anzuheben, sieht der Vizepräsident durch den DFB-Pokal. „Ein Sieg zu Hause gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth bringt uns mit Zuschauern rund 250 000 Euro.“ Das wäre ein „entscheidender Sprung für uns“, so der Vizepräsident.

Die Stärken

Die Kickers verfügen über eine erfahrene Achse – „vom Tor bis in den Angriff“, so Boysen. Torwart Robert Wulnikowski, Hysky (Abwehr), Stefan Zinnow (Mittelfeld) sowie Stürmer Mirnes Mesic bilden die Eckpfeiler des Teams. Womöglich kommt auf der linken Mittelfeldseite noch der 30 Jahre alte Testspieler Christian Fröhlich (ehemals Jena und Dresden) dazu. Die Mischung scheint zu stimmen. Die Schaltstationen im Mittelfeld besetzen mit Steffen Haas und Michael Kokocinski (Doppelsechs) sowie Sebastian Becker hoffnungsvolle Talente. In den zehn Testspielen (nur eine Niederlage) zeigte die engagierte und lauffreudige Mannschaft schnelles, schnörkelloses Spiel in die Spitze. Boysen bevorzugt das 4-2-3-1-System. Im Kampf um die Stammplätze sieht der Trainer „15 Spieler auf Augenhöhe. Wir haben eine gute Kaderqualität.“

Die Schwächen

Auf einigen Positionen fehlen dem Trainer (noch) die Alternativen. Als Haas gegen Nottingham mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt wurde, musste Rechtsverteidiger Alexander Huber dessen Aufgabe im defensiven Mittelfeld übernehmen. Auch im Angriff ist der OFC zu dünn besetzt. Der frühere Paderborner Zweitliga-Profi René Müller, der trotz bestehenden Vertrags aus privaten Gründen nicht für die Kickers spielen möchte, hat die Personalplanungen erheblich gestört. Jetzt darf sich der 30 Jahre alte Torjäger Mesic, der aus Freiburg kam, nicht verletzen. Noch kann es Abstimmungsprobleme geben. Im ersten Saisonspiel am kommenden Samstag beim VfB Stuttgart II wird sich zeigen, wie gut die neuformierte Mannschaft schon eingespielt ist.

Die Stimmung

Aufbruchstimmung statt Depression nach dem Abstieg in die neue, dritte Profiliga: Im Anschluss an die 1:2-Niederlage im letzten Testspiel gegen Nottingham Forest sind die Spieler am Freitag von den OFC-Anhängern lautstark gefeiert worden. „Die Mannschaft wurde freundlich empfangen und noch freundlicher verabschiedet“, sagte Vizepräsident Kalt. Mit Schwung und viel Spielwitz überzeugten die Offenbacher während der Saisonvorbereitung. Offiziell ist der Abstieg abgehakt. Am Anfang sei die Aufregung sehr groß gewesen. „Jetzt aber hat sich alles beruhigt“, so Kalt. Amtsmüdigkeit verspürt der Vizepräsident nicht. Die vielen Neuzugänge identifizieren sich ebenfalls mit den Kickers. „Wer da noch überlegt, wenn der OFC anruft, dann weiß ich auch nicht“, sagte der aus Freiburg gekommene Verteidiger Maik Schutzbach. Die Kickers kalkulieren den Verkauf von 2000 Dauerkarten. „Die erreichen wir allemal“, meint Kalt. Zuversicht herrscht auch, bei den Heimspielen den Zuschauerschnitt von 7000 realisieren zu können.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann

 
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