Tennis

Haas und Waske erhalten die Finalträume

Von Richard Leipold, Düsseldorf

19. Mai 2005 Passend zum kühlen Klima der ersten Turniertage schickte ein Sponsor die deutschen Tennisspieler in eine künstlich angelegte Loipe. Thomas Haas wußte mit diesem Werbegag nicht viel anzufangen. Wenig amüsiert, machte er auf der siebzig Meter langen Piste ein paar Gehversuche auf Langlaufski, kehrte sogleich auf die Bank zurück und überließ Rainer Schüttler das Feld. "Ich fühle mich auf Ski eigentlich ganz wohl", sagte Haas, "aber ich wollte mich nicht verletzten." Es sei doch recht kalt gewesen. Einen Tag später auf dem Centre Court des Düsseldorfer Rochusclubs hatte die deutsche Nummer eins festen roten Sandboden unter den Füßen - und bei milderem Wetter wieder Spaß an seiner Rolle als deutscher Tennisbotschafter.

Beim 2:1 über Schweden brachte Haas seine Mannschaft in Führung. Haas besiegte Joachim Johansson, gegen den er nie zuvor gespielt hatte, in einem wechselvollen Match 6:0, 3:6, 6:3 - sein zweiter Einzelerfolg bei der 28. Auflage des World Team Cups in Düsseldorf. Später erkämpfte er an der Seite seines hochmotivierten Doppelpartners Alexander Waske den entscheidenden zweiten Punkt. Die beiden Deutschen besiegten Jonas Björkman und Joachim Johansson 6:4, 6:4. Im anderen Spiel der "Blauen Gruppe" gewann Favorit Spanien gegen die Auswahl der Vereinigten Staaten 2:1. Der Sieg der Spanier stand schon nach den Einzeln fest.

Deutschland kann aus eigener Kraft das Finale erreichen

Nach seinem 94 Minuten dauernden Auftritt verbreitete Haas Zuversicht und blickte, rein vorsorglich, schon ein paar Tage voraus. Wer ihm im Finale am liebsten sei? "Es wäre ganz schön, gegen die Chilenen zu spielen. Die scheinen hier fast unschlagbar zu sein. Um so schöner wäre es, gegen sie zu gewinnen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg." Der Erfolg gegen Schweden hat die deutsche Mannschaft dem Ziel zumindest näher gebracht - auf Platz eins der "Blauen Gruppe". Mit einem Sieg über den punktgleichen Verfolger Spanien kann die Auswahl des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) an diesem Freitag aus eigener Kraft das Finale der ATP-Mannschaftsweltmeisterschaft erreichen.

"Ich bin glücklich, daß wir die zweite Hürde genommen haben", sagte DTB-Teamchef Patrick Kühnen. "Wir haben nun ein Gruppenfinale um den Einzug ins große Finale." Titelverteidiger Chile gewann seine ersten beiden Spiele in der "Roten Gruppe". Beim 2:1 über Frankreich gewannen die Südamerikaner zum zehnten Mal nacheinander eine Begegnung beim World-Team-Cup und übertrafen damit den bisherigen Rekord der Vereinigten Staaten. Auch in dieser Gruppe kommt es zu einem Endspiel um den Einzug ins Finale. An diesem Donnerstag trifft Tabellenführer Argentinien auf Chile.

Schwache Leistung von Kiefer

Während Haas zumindest mit dem Ergebnis zufrieden sein konnte, zeigte Nicolas Kiefer aus Holzminden im zweiten Einzel eine schwache Leistung. Der Siebenundzwanzigjährige unterlag Thomas Johansson 4:6, 2:6. Kiefer erarbeitete sich im ganzen Match nur einen einzigen Breakpunkt, und diese eine Chance ließ er ungenutzt. Im zweiten Satz erlahmte seine Gegenwehr spätestens nach dem Aufschlagverlust im fünften Spiel. Anschließend gelang dem Schweden ein weiteres Break; er nutzte seinen ersten Matchball zum Sieg. Kiefer gab sich ratlos und selbstkritisch. "Ich habe zu viele Fehler gemacht", sagte er. "Ich bin innerlich unruhig und unzufrieden." Er habe auf dem Platz "keinen Fortschritt" in seinem Spiel erkennen können.

So fiel die Entscheidung im Doppel. Wie zuvor gegen die Amerikaner trat Haas gemeinsam mit dem Frankfurter Alexander Waske an. Anders als Kiefer zeigten diese beiden schon durch ihre Körpersprache, daß sie den Sieg wollten. Vor allem Waske ging die Arbeit mit viel Elan und Begeisterung an. Der Dreißigjährige riß seinen Partner, der den Part des Taktikers übernahm, immer wieder mit - und das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Nachdem ein Break zum Gewinn des ersten Satzes gereicht hatte, gelang dies auch im siebten Spiel des zweiten Durchgangs. Beim Stand von 5:4 servierte dann der stark aufschlagende Waske. Den ersten Matchball vermochten die Schweden abzuwehren, im zweiten Versuch beendeten die Deutschen die Begegnung. Kühnen lobte das Auftreten des Doppels. "Sie haben das entscheidende Match souverän gewonnen."



Text: F.A.Z., 19.05.2005, Nr. 114 / Seite 36
Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
 
 
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