Benedikt XVI. in Bayern

„Wo Gott groß wird, wird auch der Mensch groß“

Von Heinz-Joachim Fischer, Altötting

Den Hut hat der Papst von Altöttings Bürgermeister geschenkt bekommen

Den Hut hat der Papst von Altöttings Bürgermeister geschenkt bekommen

11. September 2006 Am dritten Tag seines Besuchs in Bayern hat Papst Benedikt XVI. am Montag im oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting mit Tausenden von Gläubigen auf dem zentralen Kapellenplatz eine feierliche Messe gefeiert. Altötting, wo eine kleine Statue der „Schwarzen Madonna“ seit Jahrhunderten von den Gläubigen verehrt wird, ist das größte Pilgerziel in Deutschland.

Mit der Messe in Altötting knüpfte Joseph Ratzinger, der vor 79 Jahren in dem nur 20 Kilometer von Altötting entfernten Ort Marktl am Inn geboren wurde, an die vertrauten Glaubensformen seiner ersten Lebensjahrzehnte an, in deren Volksfrömmigkeit die Marienverehrung von großer Bedeutung ist.

„Die Stunde zwischen Gott und Mensch“

Benedikt hielt sich in seiner Predigt eng an die drei Lesungen des Wortgottesdienstes, in denen Maria nach den biblischen Erzählungen - der Apostelgeschichte, dem Evangelisten Lukas und Johannes - wie der Papst darlegte, „als die betende Kirche in Person“ erscheine. Beten wie Maria heiße, „Gott groß machen, ihm Raum geben in der Welt, im eigenen Leben, ihn einlassen in unsere Zeit und unser Tun“, sagte Benedikt. „Wo Gott groß wird, da wird der Mensch nicht klein: Da wird auch der Mensch groß, und da wird die Welt hell.“

In Maria begegne dem Menschen in Nöten die gütige, helfende Mutter, die „endgültige Frau als Gefährtin des Erlösers“, die dem Menschen Gutes bringt. „Sie vertraut menschliche Not der Macht Gottes an - einer Macht, die über menschliches Können und Vermögen hinausgeht.“ Dabei, so der Papst in Deutung des „Wunders von Kana“, wirke „Jesus kein Mirakel, spielt nicht mit seiner Macht in einer eigentlich ganz privaten Angelegenheit. Er wirkt ein Zeichen, mit dem er seine Stunde ankündigt, die Stunde zwischen Gott und Mensch, in dem er die Fülle des Guten schenkt“.

Sichtlich erfreut und glücklich

Unter den zahlreichen Kardinälen, Bischöfen und Priestern nahm am Gottesdienst auch der Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, teil. Die Pilger, darunter besonders viele junge Menschen und Familien mit kleinen Kindern, bereiteten dem Papst bei strahlendem Sonnenschein unter blauem Himmel einen begeisterten Empfang und winkten ihm immer wieder zu.

Benedikt, sichtlich erfreut und glücklich, ergriff beim Gang durch die Menge ohne Eile die Hände von Gläubigen hinter den Absperrungen und wechselte mit vielen einige Worte. Vor und nach der Messe betete Benedikt einige Minuten auf dem von mehreren Kirchen eingesäumten Platz in der Gnadenkapelle vor der rund 700 Jahre alten Madonnenfigur mit dem Jesuskind.

„Von den Strömungen der Zeit kaum berührt“

Grund für den Besuch im katholischen „Herzen Bayerns“ war nicht nur, daß schon Johannes Paul II. bei seinem ersten Besuch in Deutschland im November 1980 in Begleitung des damaligen Münchner Erzbischofs, Kardinal Ratzinger, hier am selben Altar eine Messe zelebriert hatte. Den Ausschlag gaben die persönlichen Beziehungen des Papstes zu dem Marienstädtchen. Joseph Ratzinger fand nun in dem Wallfahrtsort auch die Kraft einer Volkskirche bestätigt, die die einfachen Formen der Frömmigkeit in sich aufnimmt.

Daß die katholische Kirche etwa den ehemaligen Klosterpförtner in Altötting Bruder Konrad von Parzham (1818 bis 1894) selig- (1930) und heiligsprach (1934), war ihm gar Anlaß für eine theologische Grundausrichtung. „Später habe ich oft nachgedacht über diese merkwürdige Fügung, daß die Kirche im Jahrhundert des Fortschritts und der Wissenschaftsgläubigkeit sich selbst am meisten dargestellt fand in ganz einfachen Menschen, die von den Strömungen der Zeit kaum berührt schienen.“

Höflichkeitsbesuch in Marktl am Inn

Am Nachmittag hielt Benedikt nach einem Gebet in der Konradskirche eine „Marien-Vesper“ in der Sankt-Anna-Kirche zusammen mit Seminaristen auf dem Weg zum Priestertum, Priestern, Ordensleuten und Mitgliedern des „Werkes für geistliche Berufe“. Er sprach auch den großen Priestermangel in der katholischen Kirche an: „Die Ernte Gottes ist groß und wartet auf Arbeiter“; doch es fehlten die Menschen, die dazu bereit seien.

Am Abend war ein kurzer Höflichkeitsbesuch in dem Geburtsort des Papstes in Marktl am Inn vorgesehen, bevor Benedikt mit dem Hubschrauber weiter in die Bischofsstadt Regensburg flog, wo er von 1969 bis 1977 als Universitätslehrer der Theologie wirkte.

Text: F.A.Z., 12.09.2006
Bildmaterial: ddp, dpa, REUTERS

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