Chip & Pepper

Kanadische Kampfansage

“Used“-Look von “Chip & Pepper“

"Used"-Look von "Chip & Pepper"

29. März 2006 Jeans sind Rock'n'Roll und Rebellion - auch wenn man die Hosen heute im Büro und zum Sakko trägt. Stellen Sie sich zwei eineiige Zwillinge aus einem Fischerdorf in Kanada vor: Der Vater hat eine Salzgurkenfarm, die Mutter spielt in Fellini-Filmen, auf den Geburtsurkunden der Jungen stehen die Namen Chip und Pepper.

Im letzten High-School-Jahr beginnen die Foster-Brüder aus akutem Geldmangel, maßgeschneiderte Schuhe und Hosen direkt aus dem Auto zu verkaufen. Bald ist ihr Kofferraum leer, die Taschen voller Geld, und aus den kanadischen Rebellen werden kalifornische Rocker. Chip und Pepper nehmen eine CD auf, moderieren eine Cartoon-Sendung auf NBC und sind mit 20 Jahren Multi-Millionäre. Als ihre Namen irgendwann selbst auf Barbecue-Saucen und Sonnenbrillen stehen, gehen sie in Konkurs.

Die Modelle nach Familienmitgliedern benannt

Der zweite Anlauf zum Erfolg gestaltet sich langsamer, dafür aber reifer. In ihrer „Gulf Punk“-Boutique in Los Angeles verkaufen die Brüder „Smellies“, T-Shirts, die nach Schokolade riechen, und Vintage-Jeans, die sie morgens auf Flohmärkten am Strand kaufen und dann abändern. Irgendwann beginnen sie selbst mit der Denim-Produktion - zwar aus neuen Materialien, aber mit alter Anmutung. Der „Used“-Look ihrer Stücke trifft genau den Geschmack der Jahrtausendwende, Vintage ist en vogue.

„Jeder hat damals eine Jeanslinie gegründet. Denim war die Dot-Com-Industrie des neuen Millenniums“, sagt Pepper Foster nach der zweiten Firmengründung im Jahr 2003. „Jetzt achten wir sorgfältig darauf, in welchem Tempo wir expandieren.“ Die erste Jeans taufen sie „Walk of Shame“, jede einzelne Hose bekommt seitdem eine Seriennummer. Gerade wurde ein Flagship-Store im New Yorker Stadtteil Nolita eröffnet. Viele Modelle sind nach weiblichen Familienmitgliedern benannt: „Nik“ (Chips Frau), „Pamela Straight“ (die Mutter der beiden) , „Katie“ (Chips Schwägerin). Auch ein Freund namens Mike Nyhuis, gerufen „Ike Nifus“, der fast einen Arm bei einem Haiangriff verlor, ist verewigt.

Für Strandkämpfer

Dem Wasser und dem Strand sind die beiden seit ihrer Übersiedelung nach Kalifornien ohnehin verhaftet. Die aufreizende Denim-Beachwear der Sommerkollektion spiegelt das Sunnyboy-Image der Jungunternehmer mit sonnengebleichtem Struwwelkopf wieder. Jessica Simpson ist die Vorzeige-Prominente in den hautengen Shorts von „Chip& Pepper“. Für die schwangere Britney Spears entwarfen die Brüder im Sommer 2005 Hot Pants mit einem breiten Gummibund. Zu dieser Surfgirl-Manier paßt auch der ausgefranste Jeansrock von Stefanie (199 Euro) und die Weste im Cowgirl-Stil (249 Euro).

Beide Teile sind aus glattem, dunklem Denim, übersät mit stilvollen Zerstörungen vor allem an den Rocktaschen. Die Färbung weist die Richtung zur neuesten Entwicklung von „Chip & Pepper“, dem WW3-Wash. Die intensive Blauwaschung erinnert an eine „im Krieg zerfetzte Jeans, inspiriert von Schlamm und Dreck“. Das richtige Outfit also für den Sandburgen-Kampf am Strand.

Text: one./F.A.Z. vom 31.3.2006
Bildmaterial: F.A.Z. - Helmut Fricke

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