15. Januar 2003 Startbereit stand die spektakulärste Sonde der europäischen Raumfahrtim Dschungel von Kourou. Doch es wird ein bis zweieinhalb Jahre dauern, bevor Rosetta vom Raumfahrtbahnhof in Französisch-Guyana aus die Reise zu einem Kometen antreten kann. Die schwere Panne der Trägerrakete Ariane im Dezember hat Europas Raumfahrt damit noch einen schwarzen Tag gebracht. Denn die Sonde hätte mit einer Ariane ins All gebracht werden sollen. Doch ein Start jetzt wäre zu risikoreich für den Kometen-Jäger gewesen.
Die Astronomen und Raumfahrtexperten müssen sich jetzt auch nach einem anderen Schweifstern für ihr anspruchsvolles Vorhaben umsehen, erstmals einen Kometen zu umkreisen und dann darauf zu landen. Zu dem Kometen Wirtanen, auf den sie es abgesehen hatten, können sie nun nicht mehr fliegen. Rosetta hatte nur bis zum 31. Januar Zeit, eine ideale Bahn nicht zu nahe an der heißen Sonne zu nehmen. Ein späterer Flug an der Venus vorbei gilt genau aus diesem Grund als zu riskant.
Das ist ein trauriger Tag, aber es hätte noch schlimmer kommen können. Schließlich ist die Sonde noch intakt und ging nicht wie bei den meisten anderen Raumfahrt-Unfällen bei einer Explosion verloren. Esa-Wissenschaftschef David Southwood blickte daher am Mittwoch schon wieder in die Zukunft: Fünf bis sechs Kometen kommen jetzt für diese einzigartige Mission in Frage. Und wir werden es schaffen, ich habe keinen Zweifel. Mehr als zehn Jahre wurde an dem Kometenprojekt gearbeitet, und auch die US-Forscher waren beteiligt. Wir haben das erste Landegerät für einen Kometen - das ist ein wundervolles Stück Technologie, gebaut unter deutscher Leitung, schwärmt Southwood so, als ob Rosetta gerade gestartet wäre. Er weiß, worum es geht: Die Mission, die eine Milliarde Euro kosten soll, verteuert sich durch die Ariane-Probleme um bis zu 100 Millionen. Das will bezahlt sein.
Vorerst bleibt also alles noch Stoff für Science-fiction. Die beim Start etwa drei Tonnen schwere Sonde mit 21 Instrumenten sollte nach achteinhalb Jahren den Kometen Wirtanen erreichen und umkreisen, eine deutsche Kamera an Bord danach live zeigen, wie sich ein solcher Schweifstern bei seiner Annäherung an die Sonne erwärmt. Unterdessen - so war es vorbereitet - dringt ein Bohrer samt Mikrokamera aus dem nur 100 Kilogramm schweren Lander bis zu 30 Zentimeter tief in die Eiskruste des kleinen Kometen ein.
Kometen sind kosmische Kühlschränke, die noch unverfälschte, in eine eisige Starre gefallene Urmaterie zu bieten haben. Die Forscher hoffen also, ein hervorragendes Studienobjekt dafür vorzufinden, wie der Urnebel chemisch zusammengesetzt war. Sie wollen so die Ursprünge unseres Sonnensystems vor fast fünf Milliarden Jahren entschlüsseln.
Doch nun müssen sich die Kometenforscher weltweit noch mehr in Geduld üben. Sie vertrauen jedoch darauf, dass die Europäer bereits einen Spitzenplatz in der Erforschung von Schweifsternen haben. Aber erst später im Jahr dürfte klar sein, auf welchem Kometen die Kapsel denn niedergehen soll. Und nach einem Start 2004 oder 2005 kann es gut und gerne acht oder neun Jahre bis zur Ankunft bei dem Kometen dauern.
Wie wird das neue Ziel ausgewählt? Sichergestellt werden muss ein Maximum an wissenschaftlichen Ergebnissen, ein Minimum an technischem Risiko und die Finanzierung, erläutert Southwood. Was jetzt geschehen ist, sollte doch nur ein Schluckauf gewesen sein - ohne Optimismus dürfe man sich nie auf Weltraumabenteuer einlassen.
Text: dpa